KONF: Text und Engagement. Das literarische Werk Juli Zehs (28.04.-29.04.2022)

Alexa Hennemann, DLA Marbach's picture

Juli Zeh zählt zu den wenigen Autor/-innen, in der sich zwei öffentliche Rollen verbinden: diejenige der Schriftstellerin und diejenige der Juristin. Aus der Verbindung beider Rollen speist sich ihre starke Stimme, mit der sie juristische, politische und soziale Themen verhandelt. Sie nimmt an aktuellen gesellschaftlichen Debatten teil, beispielsweise gemeinsam mit Ilja Trojanow zu Fragen des Datenschutzes. Ihr Werk, das für Bühne und Film adaptiert sowie in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und mittlerweile auch Schullektüre ist, reicht von den frühen Texten in der Anlage des Kriminalromans (»Adler und Engel«, »Schilf«) über dystopische Texte (»Corpus Delicti«, »Leere Herzen«) hin zu Gesellschaftsstudien (»Spieltrieb«, »Unterleuten«, »Über Menschen«). Es lässt wichtige Rückschlüsse auf die Frage zu, welche Rolle Literatur bei aktuellen gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen spielt.

Im Zuge der Tagung analysieren wir dieses vielfältige Werk und lokalisieren es in seinen literarischen sowie gesellschaftlichen Kontexten. Konkret geht es beispielsweise um gattungs- oder literaturgeschichtliche Überlegungen. Auch intertextuelle oder theoretische Referenzpunkte sollen untersucht werden, etwa Bezüge zu Robert Musils »Der Mann ohne Eigenschaften« bzw. zur Spieltheorie (in »Spieltrieb«) oder zur Quantenphysik (in »Schilf«). Thematisch sind Zehs Bezugnahmen auf die Rechtswissenschaft bzw. Recht und Staat allgemein relevant, die in mehreren Werken reflektiert werden (»Adler und Engel«, »Spieltrieb«, »Schilf«). Nicht zuletzt sollen die Figuren und Figurenkonstellationen der Romane untersucht werden, die facettenreich gestaltet sind, etwa als soziales Experiment in »Spieltrieb«, als Sozialstudie in »Unterleuten« oder als Psychogramm einer Familie in »Neujahr«.

Ziel der Tagung ist somit, aus verschiedenen literatur- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven Beiträge zu allen wichtigen Texten Juli Zehs zu versammeln und im Anschluss an die Tagung in einem Sammelband zu publizieren.

In Verbindung mit der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Programm:
Donnerstag, 28. April 2022
14.15 Uhr Erik Schilling, München und Viola Völlm, Marbach, Begrüßung und thematische Einführung
14.30 Uhr Erik Schilling, München, Mit dem Möglichkeitssinn Wirklichkeit schaffen. Juli Zehs »Spieltrieb« vor dem Hintergrund von Robert Musils »Der Mann ohne Eigenschaften«
15.10 Uhr Friederike Felicitas Günther, Berlin, Der unzuverlässige Ermittler – Juli Zehs »Schilf«
15.50 Uhr Carrie Smith, Alberta, Juli Zeh’s Political Imagination and Pandemic Emergencies: Re-reading notions of state care in »Corpus Delicti«
16.30 Uhr Kaffeepause
16.50 Uhr Natalie Moser, Potsdam »Je hysterischer Jule wurde«. Geschlechterstereotype in Juli Zehs »Unterleuten«
17.30 Uhr Julia Schöll, Braunschweig, Die Normativität des Terrors. Juli Zehs Dystopie »Leere Herzen«
18.10 Uhr Sonja E. Klocke, Madison, Kassandrarufe. Juli Zehs Werk als Indikator in der Krisen(früh)erkennung
19.00 Uhr Gemeinsamens Abendessen
Freitag, 29. April 2022
09.00 Uhr Jürgen Brokoff, Berlin, Juli Zehs literarisch-politische Interventionen
09.40 Uhr Silke Horstkotte, Leipzig, »Über Menschen« im Kontext der Corona-Literatur
10.20 Uhr Monika Schmitz-Emans, Bochum, Inszenierte Poetik. Juli Zehs Frankfurter Vorlesungen
11.00 Uhr Kaffeepause
11.20 Uhr Thomas Nehrlich, Bern, Juristendichtung. Zum Verhältnis von Literatur und Recht am Beispiel von Ferdinand von Schirach und Juli Zeh
12.00 Uhr Heinz-Peter Preußer, Bielefeld, Transmediales Netzwerk als Nobilitierungsprogramm. Das Beispiel Juli Zehs
12.40 Uhr Abschlussdiskussion
13.00 Uhr fakultativ: gemeinsames Mittagessen und anschließend Besuch der Ausstellung „Wie Literatur Welt+Politik macht“

Forschungsreferat
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