CFP: Doing Genre. Praxeologische Perspektiven auf Gattungen und Gattungsdynamiken, Graz (22.3.2022)

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Tagung

Doing Genre.

Praxeologische Perspektiven auf Gattungen und Gattungsdynamiken

Zentrum für Kulturwissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz

6. – 7. Oktober 2022

(Frist zur Einreichung der Abstracts: 22.03.2022)

Die Erforschung von Gattungen besitzt eine ungebrochene Attraktivität. In jüngerer Zeit zeichnet sich in diesem stark beforschten Feld eine Neuperspektivierung ab, deren Potential die Tagung ausloten will: Genauer in den Blick genommen werden soll ein praxeologischer Zugang, der Gattungen als Ergebnis spezifischer Praktiken der Produktion, Distribution, Klassifikation und Wertung durch unterschiedliche Akteur*innen des Literatursystems und der Literaturwissenschaft versteht.

Bereits seit den 2000er-Jahren häufen sich in der literaturwissenschaftlichen Gattungsforschung Überlegungen und Positionen, die in eine praxeologische Richtung weisen: In einschlägigen Publikationen und Handbüchern begegneten immer wieder Hinweise darauf, dass Gattungen „nur durch Begriffe [existieren], die wir uns davon bilden“ (H. Fricke). Ein solches konstruktivistisches Gattungsverständnis gab Anlass dazu, Gattungen als Resultate „kommunikative[r] Akte“ der Zuschreibung zu verstehen, die in „dynamischen Verständigungsprozessen“ zwischen den diversen Akteur*innen des Literaturbetriebs und der Literaturwissenschaft ausgehandelt würden (R. Zymner). In eine ähnliche Richtung verweisen auch rezente Bestimmungen, die Gattungen als Effekte „habitualisierter Klassifikationshandlungen“ im literarischen Feld modellieren (W. Michler). Indem diese Ansätze sowohl die Akteur*innen des Literatursystems und der Literaturwissenschaft als auch ihre gattungskonstituierenden Praktiken ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, ebnen sie den Weg für eine praxeologische Neuperspektivierung von Gattungen und Gattungsdynamiken. Aufgerufen sind damit Fragen, die die ‚Fabrikation‘ von Gattungen in ihrer ganzen Breite betreffen, angefangen bei gattungsbildenden Praktiken von Autorinnen und Autoren, über Prozesse und Dynamiken der (Weiter‑)Verarbeitung von Gattungen innerhalb des Literatursystems, bis hin zu Praktiken und Routinen der Erforschung und Klassifikation von Gattungen/Gattungssystemen in der Literaturwissenschaft.

Folgende Aspekte und Schwerpunkte liegen im Interessenhorizont der Tagung:

– konkrete Praktiken, die Gattungen/Subgattungen konstituieren (Klassifikationshandlungen, Selektionsentscheidungen, (Be‑)Wertungshandlungen...)

– spezifische Grundlagen und Voraussetzungen der Gattungszuschreibung bzw. der Gattungswahl (z.B. Position im literarischen Feld, Habitus, Geschmack, verkaufsökonomische Strategien, poetologische Erwägungen, innerliterarische Dynamiken, Variation von Gattungsmustern...)

– Spezifik von Klassifikationspraktiken im Falle von Gattungen, die sich der eindeutigen Klassifikation widersetzen (z.B. Essay, Prosagedicht, Autobiographie...)

– Dynamiken im Wechselspiel zwischen unterschiedlichen Akteur*innen des literarischen Feldes und ihren gattungsbildenden Praktiken, insb. Verhältnis zwischen Autor*innen als primäre Literaturschaffende und sekundäre Akteursgruppen, etwa Distributions- und Wertungsagenturen wie Verlage und Literaturkritik

– literaturwissenschaftliche Praktiken der Erforschung und Klassifikation von Gattungen und daraus resultierender Einfluss der Literaturwissenschaft auf die Gattungsproduktion selbst

– Prozesse der Stabilisierung bzw. Habitualisierung von Praktiken, die zur Bildung von relativ gefestigten Gattungen bzw. eines Gattungssystems führen, und umgekehrt: Prozesse der Destabilisierung von Gattungspraktiken mit der Folge, dass Gattungen wieder verschwinden

– Wandel von Klassifizierungs- und Wertungspraktiken im literarischen Feld (z.B. durch das Aufkommen neuer Bewertungsinstanzen in den Neuen Medien)

– gattungskonstituierende Praktiken in modernen, ausdifferenzierten Literatursystemen im Unterschied zur Vormoderne

– Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen gattungsgenerierenden und -klassifizierenden Praktiken im Literatursystem einerseits und in nicht literarischen Bereichen andererseits (z.B. im Falle szientifischer Textgenres in den Wissenschaften, Bildgattungen im Kunstsystem oder Filmgenres in der Unterhaltungsindustrie)

– theoretische Ansätze zur praxeologischen Beschreibung, Modellierung und Analyse von Gattungen

Dieser Schwerpunktkatalog soll als erste Anregung und Orientierung dienen und ist prinzipiell offen und erweiterbar. Alle Interessierten werden gebeten, bis zum 22.03.2022 ein einseitiges Abstract unter der folgenden E-Mail-Adresse einzureichen: angela.gencarelli@uni-graz.at. Bis zum 15.04. erhalten Sie eine Rückmeldung, ob Ihr Beitragsvorschlag berücksichtigt werden kann. Die Tagung soll in Präsenz stattfinden, wobei Änderungen je nach Pandemie-Lage möglich sind.

Reise- und Übernachtungskosten werden – vorbehaltlich der Mittelzusage – übernommen.

Eine Publikation zur Tagung ist geplant.

Eingeladene Sprecher*innen: Prof. Dr. Andrea Albrecht (Heidelberg), PD Dr. Claudia Hillebrandt (Jena), Prof. Dr. Hilmar Schäfer (HU Berlin), Prof. Dr. Wilhelm Voßkamp (Köln)

Organisation und Kontakt:

Dr. phil. Angela Gencarelli
Karl-Franzens-Universität Graz
Zentrum für Kulturwissenschaften
Attemsgasse 25/II
8010 Graz
E-Mail: angela.gencarelli@uni-graz.at

https://zentrum-kulturwissenschaften.uni-graz.at

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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