CFP: „Imaginationen des Künstlichen Menschen und Grenzen des Humanen in zeitgenössischen Romanen, Filmen und Serien“ / Panel 7. Jahrestagung der KWG „Posthumanismus. Transhumanismus. Jenseits des Menschen?“ Graz (31. März 2022)

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Panel 7. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG) „Posthumanismus. Transhumanismus. Jenseits des Menschen?“ (25.–28. Mai 2022, Karl-Franzens-Universität Graz)
Barbara Reiter / Anne-Kathrin Reulecke (Graz)

„Imaginationen des Künstlichen Menschen und Grenzen des Humanen in zeitgenössischen Romanen, Filmen und Serien“

Der Traum, dem „Mängelwesen Mensch“ (Gehlen) künstliche Gefährten gegenüber und beiseite zu stellen, ist beileibe nicht neu. Die europäische Literatur- und Kulturgeschichte bezeugt vielmehr ein anhaltendes und lebhaftes Interesse sowohl an Möglichkeiten der technischen Erschaffung des Menschen als auch an der Erschaffung von künstlichen Lebewesen, die dem Menschen nachgebildet sind. Der Bogen geht dabei von mythischen Urszenen, wie „Pygmalion“, „Prometheus“ oder „Pandora“, von vormodernen ‚Kunst-Figuren‘, wie „Homunkulus“, „Golem“, „Alraune“, über Versuchsanordnungen der Schauer- und Horrorliteratur, wie E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ (1817) und Shelleys „Frankenstein“ (1818), bis zu Čapeks Kollektivdrama „W.U.R.“ (1920), in dem zum ersten Mal der Begriff des Roboters auftaucht, und modernen Science-Fiction-Erzählungen, wie Asimovs „Der Zweihundertjährige“ (1976), in der sich ein Android Menschenrechte erkämpft. Alle diese mythischen und literarischen Imaginationen geben Rückschluss auf Idealvorstellungen vom ‚Humanum‘ und loten die prekäre Nähe zum ‚Nicht-Menschlichen‘ bzw. ‚Un-Menschlichen‘ – zum Göttlichen oder Devianten – aus. Filme, von Langs „Metropolis“ (1927) bis zu Scotts „Blade Runner“, (1982) gestalten häufig dystopische Szenarien einer Mensch-Maschine-Konkurrenz, etablieren diese aber in einer mehr oder weniger nahen Zukunft.

Im vorgeschlagenen Panel nun sollen zeitgenössische Entwürfe in Literatur, Film und Fernsehserien zum künstlichen Menschen diskutiert werden, die auf gegenwärtig – zumindest in Ansätzen – technologisch bereits realisierbare Innovationen in der Robotik und Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz reagieren. Die Frage also ist, wie reflektieren literarische und filmische Medien die Existenz von Haushalts-Androiden, Social Companion Robots und Sex Robotern sowie deren tatsächliche zunehmende Integration in unsere Lebenswelt? Findet in den Kunstwerken eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Potential von Humanoiden statt? Ist die Auseinandersetzung mit künstlichen Menschen von moralischen, ethischen, technologiekritischen oder genderreflektierten Kategorien geleitet? Werden hier transhumanistische Albträume gestaltet oder Positionen des Kritischen Humanismus bloß illustrierend übernommen?
Untersucht werden soll zum einen, mit welchen ästhetischen Mitteln, Narrativen und Bildern die künstlerischen Werke der realer werdenden Etablierung von Humanoiden auf Augenhöhe zu begegnen suchen. Zum anderen soll gefragt werden, welche Spuren von tradierten mythischen und literarischen Prätexten und deren Problemstellungen in den aktuellen Entwürfen nachleben. Handelt es ich dabei lediglich um ‚imaginäre Altlasten‘, oder bietet die Persistenz kulturgeschichtlicher Szenen und Denkbilder in den Gegenwartskünsten gerade Ansatzpunkte für fällige Blick- und Perspektivenwechsel in den gegenwärtigen, oftmals festgefahrenen Debatten? Überlegt werden soll außerdem, ob die derzeitige Allgegenwart künstlicher Menschen in der Gestalt von menschenähnlichen Humanoiden in Künsten und Medien nicht vor allem einer ‚Rücksicht auf Darstellbarkeit‘ geschuldet ist und damit das eigentliche Problem eines ‚neuen Unbewussten‘ durch die mediale Verknüpfung der Subjekte mit Algorithmen der KI eher verschleiert wird. (Vgl. Bernhard Dotzler: Wer KI mit Menschen vergleicht, missversteht sie. Bei künstlicher Intelligenz geht es nicht mehr um an- und abschaltbare Geräte. Es ist Zeit für eine angemessene KI-Kritik. In: Süddeutsche Zeitung, 24.06. 2019)

Erwünscht sind Beiträge zu zeitgenössischen Werken, in deren Verfahren der Robotik, Prothetik und des Klonierens oder Mind-Uploading verhandelt werden und/oder in deren Zentrum Figuren, wie Replikanten, Androide, Humanoide und Social Robots, stehen: zu Prosatexten, wie Emma Braslavskys „Ich bin dein Mensch (2019), Jeanette Wintersons „Frankissstein“ (2019), Ian McEwans „Maschinen wie ich“ (2019), „Raphaela Edelbauers „DAVE“ (2021); zu Filmen, wie Spike Jonzes‘ „Her“ (2013), Alex Garlands „Ex Machina” (2015), Sandra Wollners „The Trouble with Being Born“ (2020); zu Fernsehserien, wie Lars Lundströms „Real Humans“ (2012-2014), Charlie Brookers / Annabel Jones‘ „Black Mirror“ (2011-2019) etc.

Bitte übermitteln Sie Vorschläge für Beiträge bis zum 31. März 2022 an martina.panse@uni-graz.at.

Link zur Tagung: https://kwgev.wordpress.com/veranstaltungen-tagungen-call-for-paper/

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

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