CFP [Korrektur/Verlängerung]: Ästhetische und diskursive Strategien zur Darstellung von Arbeit(swelten) in der deutschsprachigen Literatur seit 2000 (07.01.2022)

Corinna Schlicht's picture

CfP für den Sammelband Ästhetische und diskursive Strategien zur Darstellung von Arbeit(swelten) in der deutschsprachigen Literatur seit 2000.
Der Band erscheint in der Schriftenreihe Literatur und Ökonomie des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt (Hrsg. von Iuditha Balint) im Wilhelm Fink Verlag.

Beitragsvorschläge werden zum 07. Januar 2022, die fertigen Beiträge zum 01. August 2022 erbeten.

Die Literatur der Arbeitswelt umfasst alle literarischen Werke, deren Thema und Gegenstand Arbeit und Arbeitswelten sind. Trotzdem wird diese oft auf die Literatur des Ruhrgebiets der 1960–80er-Jahre und damit implizit auf die proletarische und Arbeiterliteratur reduziert. Mit dem Übergang der Old zur New Economy in den 1990er-Jahren entfernt sich jedoch die Arbeit in der Literatur zunehmend vom Klassengedanken und hat kein primär politisches Programm mehr. Sie umfasst nun auch Bereiche wie Management, Wissenschaft und künstlerische Arbeit, die nicht notwendigerweise prekär sind, sowie Sphären der Nicht-Arbeit, die Arbeit am Selbst, an persönlichen Beziehungen oder Care-Arbeit. Spätestens seit den 1990ern ist ebenso eine Entgrenzung von Arbeit zu beobachten, überschreitet doch diese die ihr traditionell zugewiesenen Grenzen und dringt zeitlich, räumlich, motivational etc. in die Sphäre der Nicht-Arbeit ein. Neben marktökonomischen überschreitet Arbeit jedoch auch sprachliche und epistemische Grenzen: Die Legitimierung von Sphären abseits der Erwerbsarbeit mit Hilfe von Metaphern wie etwa „die Familienmanagerin“ macht das deutlich.

Im Fokus des Sammelbands sollen ästhetische wie diskursive Strategien zur Darstellung von Arbeit und Arbeitswelten in der deutschsprachigen Literatur seit der New Economy stehen. Literarisch schlagen sich diese neuen Formen der Arbeit vor allem seit 2000 nieder. Inhaltlich interessieren uns Ästhetiken der Darstellung und Diskurse um jegliche Formen der Arbeit und (Nicht-)Arbeit, die explizit oder implizit in literarischen Werken (Prosa, Lyrik, Drama) auftauchen und kapitalistischer wie nichtkapitalistischer Natur sind. Ebenso denkbar ist eine Thematisierung der sprachlichen und epistemischen Grenzüberschreitungen der Arbeit wie etwa die Ökonomisierung nicht-ökonomischer Bereiche, in denen Leistungsfähigkeit eine Rolle spielt wie Sport oder Gesundheit, außerdem eine Fokussierung von Fragen aus dem Bereich race, class und gender. Interessant könnte hier die Neuentdeckung der Klasse in der Literatur sein, gleichzeitig auch die Genderimplikationen in den Texten. Zu diskutieren ist auch, inwiefern Arbeit in der Literatur Mittel zum Zweck oder Zweck an sich ist und ob bzw. in welchem Maße ideeller und materieller Wert (Sinn, Lohn etc.) der (Erwerbs-)Arbeit thematisiert werden. Ist Arbeit sinn- und/oder identitätsstiftendes Mittel? Welche Rolle spielt eine implizite oder explizite Kritik am Kapitalismus und einer neoliberalen Ökonomie? Inwiefern treten Generationenunterschiede und -konflikte in den Blickpunkt? Wie werden die Akteur:innen, u.a. der New Economy, dargestellt und charakterisiert? Bedingen Arbeitslosigkeit und sozialer Rückzug einander? Finden die veränderten Arbeitssituationen im Kontext der Pandemie einen literarischen Niederschlag (Kurzarbeit, Homeoffice etc.)?

Vorschläge für einen Beitrag von ca. einer Seite sowie Kurzangaben zur Person und zur akademischen Vita schicken Sie bitte bis zum 07. Januar 2022 an alle Herausgeberinnen:

Janneke Eggert, B.A. (Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt jeggert@stadtdo.de),
PD Dr. Corinna Schlicht (Universität Duisburg-Essen, corinna.schlicht@uni-due.de),
Marie Kramp, M.A. (Universität Duisburg-Essen, marie.kramp@stud.uni-due.de).


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu