CFP: Tagung "Generationen- und Familienverhältnisse bei Wilhelm Raabe", Braunschweig (31.01.2022)

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Tagung: „Wir waren, alt wie jung, eine sauere, griesgrämliche, dunkele, verstaubte, wurmzerfressene Familie“ (BA  9/1, 246): Generationen- und Familienverhältnisse bei Wilhelm Raabe. Braunschweig, 16. bis 18.9. 2022 

Veranstaltet von: Andreas Blödorn (Universität Münster), Madleen Podewski (Freie Universität Berlin) und Lena Wetenkamp (Universität Trier), in Zusammenarbeit mit der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V. (Braunschweig)

Abgabe Exposé: 31.01.2022

Obwohl Wilhelm Raabe in seinen Briefen einen ausgeprägten Familiensinn, ein liebevolles Verhältnis zu seinen näheren Verwandten pflegt, sind in seinen Werken hauptsächlich zerfallende oder zerstörte Familien dargestellt. Seine Texte sind bevölkert von Halbwaisen und Waisen; Generationen, Geschwister und Eheleute sind durch Streit entzweit oder aus zahlreichen anderen Gründen einander entfremdet. Gelingende Beziehungen gibt es oftmals nur außerhalb der Familie – in verschiedenen Formen sozialer Elternschaft, in patenschaftlichen, freundschaftlichen oder nachbarschaftlichen Verbindungen. Das ist nicht nur mit Blick auf Raabes Privatverhältnisse auffällig, sondern vor allem auch vor dem Hintergrund der Normen und Werte von 'Bürgerlichkeit', die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiter verfestigen. Denn für sie spielen (klein-)familiäre Bindungen und Generationenzusammenhänge eine ganz zentrale Rolle, wie nicht nur der große Erfolg populärer Familienzeitschriften a lá Die Gartenlaube zeigt. Die Literatur des 'Realismus' hat offenbar andere Vorstellungen von interpersonalen Beziehungen. Und sie scheint hier einer grundlegenden Skepsis gegenüber biologischer Reproduktion zu folgen, wie sie sich schon in ihren Vorgängerepochen ausgebildet hatte. Zugleich setzt sie sich auch auseinander mit aktuellen zeitgenössischen Diskursen und Problemlagen: mit der Ausweitung der Frauenrechte und dem Aufbegehren gegen die Konvenienzehe etwa, mit Verschiebungen in der Konzeptualisierung des 'Kindes', mit dem Darwinismus und mit einer Vererbungslehre, die tief in die Modellierung von Psychen bzw. Subjekten hineinreicht, mit der Aufwertung der 'Nation' und mit (proto-)soziologischen Gemeinschaftskonzepten etc. 
Dieses Spannungsfeld will die Tagung ausloten und nach der spezifischen Stellung von Raabes Werken und Briefen im Familiendiskurs der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fragen. 
Willkommen sind: 
-Beiträge zur Narratologie und Semiotik von Familien- und Generationenverhältnissen in Wilhelm Raabes Werken
-vergleichende bzw. synthetisierende Studien zur Konzeption von 'Familie' und 'Generation' in der Literatur des 'Realismus'
-Beiträge zur zeitgeschichtlichen Konzeptualisierung von 'Familie' und 'Generation' und von alternativen Lebensgemeinschaften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch unter Einbezug populärer Periodika  
-Beiträge, die sich mit dem Autor Wilhelm Raabe in seinen Familienbeziehungen oder mit Personen aus seinem persönlichen Umfeld beschäftigen

Bitte senden Sie bis zum 31.01.2022 ein kurzes Exposé im Umfang von ca. 300 Wörtern samt einer kurzen wissenschaftlichen Biographie an:
PD Dr. Madleen Podewski, Freie Universität Berlin, madleen.podewski@fu-berlin.de

Zuschüsse zu Reise- und Übernachtungskosten stehen zur Verfügung. Eine anschließende Veröffentlichung der Beiträge im Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft ist vorgesehen (Abgabe der Beiträge Ende 2022 / Anfang 2023; das Jahrbuch erscheint im Herbst 2023).
 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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