CFP: Intraverschränktheit und Welt-erzeugung: Technologien, Körper, Materien (10.01.2022)

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TRANSPOSITIONES. Zeitschrift für transdisziplinäre und intermediale Kulturforschung

Thematischer Schwerpunkt der 2. Nummer:

Intraverschränktheit und Welt-erzeugung:

Technologien, Körper, Materien

In seinem Buch von 1978 (Ways of Worldmaking) prägte Nelson Goodman den Begriff von „Worldmaking“ („Welterzeugung“), der auf die Tatsache verweisen sollte, dass im Verhältnis der „Welt“ zu ihren sprachlichen Repräsentationen, etwa in der Literatur, viele andere „Welten“ denkbar und „machbar“ sind als die uns bekannte. Im Falle von Goodman handelt es sich dabei nicht bloß um die möglichen Erzeugnisse der realitätsbildenden Vorstellungskraft, sondern um die Performativität im engeren Sinne als die Kraft der sprachlichen Repräsentationsinstrumente, die repräsentierte Seinsweise der Welt aktiv mitzugestalten. Die neumaterialistische Herangehensweise an die Bedeutungspotenz der außermenschlichen Materialität und ihre mehrdimensionalen Intraverschränkung der Kategorien von Mensch und Nicht-Mensch, Natur und Kultur, Objekt und Subjekt, dem Passiven und Aktiven, dem Messapparat und dem Zu-Messenden, Wissenserwerb und Wissensproduktion etc. rückt den Begriff der Welterzeugung ins neue Licht.

In den Kategorien von Karen Barads „agentiellem Realismus“ ist ein Aufeinanderstoßen der oben genannten Phänomena im Raum der Wissenspraktiken eine diffraktive (Re)Konfiguration der Welt: „[T]he point is not merely that knowledge practices have material consequences but that practices of knowledge are specific material engagements that participate in (re)configuring the worls. Which practices we enact matter – in both sences of the word. Making knowledge is not simply about making facts but about making worlds […]“ (Barad 2007). Durch ihre Hervorhebung der Materialität des Wissens behauptet Barad nun, dass die Welt-erzeugung mit der Wissens-erzeugung verwandt sei.

Eine weitere spezifische Ausprägung gewinnt die „Welt-erzeugung“ in Donna Haraways Konzept des „Worlding“. Wenn sie etwa in Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene von 2016 konstatiert: „It matters what matters we use to think other matters with; it matters what stories we tell to tell other stories with; it matters what knots knot knots, what thoughts think thoughts, what descriptions describe descriptions, what ties tie ties“, so veranschaulicht sie die intraaktive Verschränkung von Materie, Stoff, Bedeutung, Narration und Denken auf der fundamentalen Ebene des polysemischen Sprachgewebes selbst. Das Substantiv, das sich visuell und poetisch in anderen Wortarten reflektierend multipliziert, eröffnet bei Haraway den semiotischen Raum von „Worlding“, einer eigenartigen Mischung aus Materie und Bedeutung, die die Grenzen gewohnter Zeitlichkeiten und Seinsweisen im Raum, aber auch möglicher sprachlicher Repräsentationen, auflöst.

In Anlehnung an die oben skizierten (posthumanistischen) Modelle der „Welt-erzeugung“ sind Beiträge willkommen, welche etwa folgenden Fragestellungen nachgehen:

  • Autoperformativität der Wissensproduktion und deren textuelle Repräsentationen,
  • naturwissenschaftliche Wissensmodelle in der Humanistik,
  • anthropozentrische und nicht-anthropozentrische Wissenspraktiken in Geschichte und Gegenwart,
  • Verschränkung von nicht-nur-menschlicher Welt und Technologie,
  • Tiere und Technologien / Tiere als Technologien in kulturgeschichtlicher Perspektive,
  • literarische Utopien und Dystopien,
  • Technologisierung des Körperlichen,
  • materielle und (auto)poietische Bedeutsamkeit von Körper und Geschlecht,
  • Körperinschriften und Geschlechtsperformanzen.

Die Herausgeber möchten darauf hinweisen, dass die fachliche und geografisch-kulturelle Vielfalt der Beiträge zu unseren Prioritäten gehört.

Schicken Sie ein Abstract des geplanten Beitrags von bis zu 2500 Zeichen sowie eine kurze biografische Notiz bis zum 10. Januar 2022 an:

transpositiones@uw.edu.pl

Eine Information über die Annahme oder Ablehnung des Vorschlags erhalten Sie bis zum 15. Januar.

Einsendeschluss für die fertigen Manuskripte: 31. März 2022.

Das Heft erscheint voraussichtlich im Herbst 2022.

Publikationssprachen: Deutsch und Englisch.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Constanze Baum] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

 

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