CFP: Zukunftswissen und Energie (13.12.2021)

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Das Research Department: Closed Carbon Cycle Economy (RD-CCCE) befasst sich als interdisziplinärer Verbund an der Ruhr-Universität Bochum mit gegenwärtigen Fragen der Energiewirtschaft. In diesem Rahmen ist die Tagung Zukunftswissen und Energie situiert.

Zentraler Gegenstand ist das Zukunftsszenario als solches (begriffen in einem weiten Sinne, als Zukunftsentwurf oder auch -bild). Bekanntlich basiert es auf Gegenwartswissen, von dem auf künftige Entwicklungen geschlossen wird. Schon Wildbeuter-Gemeinschaften sind auf dieses Verfahren angewiesen und im Alltag jedes Einzelnen ist es unentbehrlich; letzthin spiegelt es grundlegende kognitive Muster unserer Spezies.

Allerdings lässt sich Zukunftswissen als Gegenstand der Wissenschaft schwer fixieren. Zwar existieren verschiedene Ansätze und auch Schulen, aber keine Grundlagen von allgemeiner Gültigkeit. Auch deshalb bewegt sich die Zukunftsforschung noch im Randbereich anerkannter Disziplinen.

Hier setzt nun die zentrale Frage der Tagung an: nämlich nach Grundlagen des Zukunftsszenarios oder auch (qualitativen) Zukunftswissens überhaupt, die den Kriterien wissenschaftlicher Validierbarkeit, möglichster Verallgemeinerbarkeit und Funktionalität (d.h. zielführender Anwendbarkeit) entsprechen.

Meistenteils wird es sich anbieten, mit Quellenmaterial – d.h. mit Fallbeispielen – zu operieren. Dabei soll das Thema „Energie“ – verstanden als Ressource – als inhaltlicher Schwerpunkt fungieren und gleichsam als äußere Klammer, die die einzelnen Vorträge zusammenhält. Es handelt sich um einen so aktuellen wie traditionsreichen Diskurs im Spannungsfeld technologischer, gesellschaftlicher und umweltbezogener Fragen, aus dem seit mehr als hundert Jahren eine Fülle potentieller Quellen hervorgeht, von der Studie bis zum Erzähltext.

Letzterer übrigens, der literarische Text, scheint durchaus als Beobachtungsraum und zur Theoriegewinnung geeignet, wirft aber sekundäre und originär in der Literaturwissenschaft beheimatete Fragen auf – wie die nach der Trennung von rein fiktionalen und prognostischen Anteilen –, die möglicherweise zu reflektieren sind.

Die Tagung wird in drei Sektionen gesplittet, wobei die erste als basale die anderen beiden grundiert.

I. Theorie des Zukunftswissens: Zentral ist hier die Feststellung, die Reflexion und die Metareflexion von Voraussetzungen wissenschaftlichen Zukunftswissens. Grundlegende Fragen lauten etwa: Lassen sich allgemeingültige Prämissen und Methoden feststellen? Welche? Aber auch: wie? Ist eine systematische Bündelung möglich? Oder grundlegender: Lässt sich die Kategorie des Zukunftswissens überhaupt mit dem ‚System Wissenschaft‘ in Einklang bringen?

II. Revision historischer Zukunftsszenarien: Zahlreiche Zukunftsszenarien der Vergangenheit sind im Nachgang beurteilbar. Sie lassen sich als Fallbeispiele handhaben, die der Theoriebildung dienen. Welche Faktoren bedingen Zutreffen, welche Nichtzutreffen? Sind hier systematische und allgemeingültige Aussagen möglich?

III. Geltungsprüfung gegenwärtiger Zukunftsszenarien: Genau andersherum lassen sich im Licht theoretischer Grundlagen aktuelle Zukunftsszenarien beurteilen. Überzeugt ein Szenario, überzeugt es nicht? Weswegen? Möglicherweise bieten sich solche praktischen Versuche als Exerzitien neben der Theoriearbeit an.

Die Tagung findet am 24. und 25. Februar 2022 statt, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach online. Sollten wir doch an der Ruhr-Universität zusammenkommen, werden Reise-, Essens- und Übernachtungskosten übernommen. Auch in diesem Fall können Online-Teilnehmerinnen und Teilnehmer zugeschaltet werden. Die einzelnen Vorträge sollten sich in einem Rahmen von 30 Minuten bewegen. Ein Tagungsband ist geplant.

Themenvorschläge (Arbeitstitel und knappe inhaltliche Skizze) nimmt der Organisator bis zum 13.12.2021 dankend entgegen (manuel.mackasare@rub.de).