CFP: Alles ist anders! Erzählungen vom Umgang mit Veränderung und deren Rezeption, Augsburg (10.01.2022)

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Plötzlich ist alles anders und das Unvorstellbare ist eingetroffen: Die Realität ist nicht mehr dieselbe und doch bestimmt sie den weiteren Verlauf des eigenen Lebens. Katalysator hierfür sind einschneidende, unvorhergesehene Ereignisse, die bestehendes fiktives sowie faktuales Realitätsempfinden herausfordern.

Realität bildet den Rahmen für unser Leben. Als ein subjektiv wahrgenommenes Konstrukt unterliegt sie stets Veränderungen sowie diskursiven Aushandlungsprozessen. Als Forschende wird uns dieser Konstruktcharakter und die Veränderbarkeit immer wieder bewusst. Doch wie kann die Wandelbarkeit des Rahmens vermittelt werden? Wie können Subjekte zur Reflexion des Konstruktcharakters angeregt werden? Kann eine Transformation des Rahmens bedingt werden/ eine positive Beeinflussung zukünftiger Realitäten?

Einen bedeutenden Anstoß zum Nachdenken geben hier Literatur und Theater. Beide Medien erzählen, was passiert, wenn die Realität plötzlich Kopf steht. Sie konfrontieren die Rezipierenden mit dem Vorhandensein pluraler Realitäten und dem Gedanken des was wäre wenn. Die Tagung Alles ist Anders! möchte insbesondere solche Erzählungen in den Blick nehmen, die den scheinbaren Rahmen verschieben und eine Veränderung der subjektiv wahrgenommenen Realität thematisieren. Von (Forschungs-)Interesse sind dabei vor allem die dargestellten Prozesse der Veränderung, die mit der Konfrontation von pluralen Realitäten einhergehen können und eine andere, neue Realitätswahrnehmung bedingen. Romane wie Sarah Raichs All that’s left, der im Bereich der Science-Fiction die Klimakrise in der nahen Zukunft behandelt, oder Paul Maars Der Galimat und ich, in dem mit dem plötzlichen Erwachsenwerden des Protagonisten das eigene und fremde Wahrnehmen thematisiert werden, erzählen beispielhaft vom Umgang mit einer neuen, veränderten Realität. Diese Konfrontationen mit dem Anderen führen dabei nicht nur zu einer Veränderung innerhalb der Geschichte, sondern implizieren darüber hinaus einen Reflexionsprozess der lesenden Person.
Im Theater werden beispielsweise mit Adaptionen klassischer Figuren wie der Medea Fremd-Sein und die notwendige Auseinandersetzung mit einer neuen Gesellschaft respektive Realität verhandelt. Autofiktionales oder biographisches (Dokumentar-)Theater von Geflüchteten wie die österreichische Produktion badluck (Salon5/ Theater Nestroyhof/ Hamakom) reflektiert erlebte Realitätsumwürfe durch Flucht und zeigt eine neue Gesellschaft mit erschwerten Bedingungen. Doch im Theater wird nicht nur erzählt, gegenwärtige Performances überschreiten vielmehr die Grenzen des Theaters, brechen in die Realität hinein und eröffnen beispielsweise im Falle des 12-Stunden-Obdachlosenstücks Das halbe Leid von Signas  neue Perspektiven und Realitäten. 

Es sind Geschichten von Flucht, Naturkatastrophen, außergewöhnlichen und/oder magischen Erscheinungen, von privaten, politischen und ästhetischen Umbrüchen etc. und die damit einhergehende Auseinandersetzung mit veränderten Realitäten, die den Rahmen der Tagung bilden. Exemplarische Forschungsfragen sind dabei:

  • Welche Rolle spielt die Konfrontation mit dem Anderen?
  • Wie wird über den Konstruktcharakter der Realität nachgedacht?
  • Wie wird Veränderung dargestellt?
  • Inwiefern wird der Prozess der Veränderung reflektiert und für die Rezipierenden transparent gestaltet?
  • Inwiefern können Literatur und Theater die Wahrnehmung von Realität auf der Seite der Rezipierenden beeinflussen? Zu einem Denken außerhalb des Rahmens anregen und sogar eine Veränderung evozieren?

Im Rahmen der Nachwuchsforscher*innen Tagung freuen wir uns über Beiträge zu allen literarischen Gattungen (insbesondere auch Kinder- und Jugendliteratur), Performances und Theaterstücken, in denen die Realität Kopf steht und Veränderungen thematisiert werden.
Themenvorschläge mit einem knappen Exposé (Umfang max. 1 Seite/ 400 Wörter) für Vorträge à 20 Minuten sowie ein kurzer wissenschaftlicher CV werden bis zum 10.01.2022 erbeten an: lisa.rettinger@philhist.uni-augsburg.de und helenhostlund@gmail.com

Die Nachwuchsforscher*innen Tagung findet am 8. und 9. April 2022 an der Universität Augsburg statt und wird in Präsenz geplant, die Möglichkeit einer digitalen Übertragung ist dabei nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Eine anschließende Tagungspublikation wird angestrebt.

Organisation der Tagung:
Helen Höstlund (Universität Augsburg)
Lisa Rettinger (Universität Augsburg)

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

 

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