CFP: Zur Entwicklung des demokratischen Denkens bei Thomas Mann / Thomas Mann Jahrbuch 2023 (31.01.2022)

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Call for Papers für das Thomas Mann Jahrbuch 2023

Zur Entwicklung des demokratischen Denkens bei Thomas Mann

Das seit 1988 im Verlag Vittorio Klostermann erscheinende Thomas Mann Jahrbuch plant für 2023 ein Themenheft zur Entwicklung und spezifischen Form des demokratischen Denkens bei Thomas Mann. Anlass und Ausgangspunkt bildet die Rede „Von deutscher Republik“, mit der sich Thomas Mann 1922, vor etwa hundert Jahren, offen zur Weimarer Republik bekannte. Zuvor hatte er als Anhänger des wilhelminischen Obrigkeitsstaates u.a. in seinen Betrachtungen eines Unpolitischen die deutsche Position im Weltkrieg öffentlich verteidigt.

Die Rede von 1922 markierte einen signifikanten Einschnitt in der politischen Biografie wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung des Schriftstellers Thomas Mann. Fortan trat er entschieden für die Demokratie ein: im Rahmen sich radikal verändernder politischer Formationen (Weimarer Republik, Hitlerreich, Exil und Nachkriegsdeutschland), mit sich verschiebenden Schwerpunkten und inhaltlich-strategischen Ausformungen. Diese vielschichtige, bislang unzureichend erforschte demokratische Biografie Thomas Manns steht im Mittelpunkt des Thomas Mann Jahrbuchs 2023.

Dabei stellen sich u.a. folgende Fragen:

  • Wie begründet Thomas Mann 1922 seinen radikalen politischen Wandel in der Rede Von deutscher Republik? Wie verändert die Hinwendung zur Demokratie das Spektrum seiner literarischen Orientierungsgrößen?  
  • Wie entwickelt sich Manns politisches Engagement für die Demokratie im Verlauf der Weimarer Republik? Wie prägt zunächst das europäische, dann das amerikanische Exil seinen Demokratiebegriff? Welche Auswirkungen hat der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges? Wie reagiert Mann auf die neuen politischen Frontstellungen der Nachkriegszeit?
  • Von den „Vereinigten Staaten Europas“ zur Weltdemokratie im Manifest „City of Man“ (1940): Wie verhält sich Thomas Mann zu den demokratischen Utopien seiner Zeit?
  • Frames und Agencies: Wie wirken Politikerpersönlichkeiten, politische Ideologien und die politische Literatur seiner Zeit auf die Demokratievorstellungen Thomas Manns ein?
  • Welche Medien, welche Inszenierungsformen nutzt Mann für seine politischen Statements zur Demokratie?
  • Zeichnet sich auch in Manns literarischem Werk eine Demokratisierung oder Pluralisierung der Erzählformen und der Sujets ab? Inwiefern eröffnen seine Romane und Erzählungen seit den 1920er Jahren einen vielstimmigen politischen Reflexionsraum?

Bitte schicken Sie Ihre Themenvorschläge (Exposé mit Arbeitstitel von ca. 300 Wörtern, Informationen zu Ihrer Person) bis zum 31. Januar 2022 per E-Mail an daniela.martin@thomas-mann-gesellschaft.de. Sie erhalten bis Ende Februar 2022 Nachricht, ob Ihr Vorschlag angenommen wurde. Abgabetermin für die Beiträge ist der 31. August 2022.

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu