CFP: Peter Weiss Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Schwerpunkt: Facetten des Exils (15.12.2021)

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Call for Papers

Peter Weiss Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Band 31, 2022; Schwerpunkt: Facetten des Exils

In Peter Weiss’ gesamtem Werk, besonders aber in der Ästhetik des Widerstands, ist das Thema „Exil“ fast omnipräsent. Dabei ist bei Weiss eine enge Verbindung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah gegeben. Weiss reflektierte aber auch in verallgemeinernder Weise das Verhältnis von Exil und Kunst, was sich zum Beispiel an seiner langen Beschäftigung mit Dante zeigt. Gleichzeitig wird deutlich, dass „Exil“ zu einer Auseinandersetzung mit den Kulturen der Aufnahmeländer führt, wie sich im Widerstandsroman an der produktiven Rezeption von Picasso, Géricault und Boye zeigt. In diesem Sinne kann auch Peter Weiss‘ Werk im Kontext einer interkulturellen und transnationalen Perspektive betrachtet werden, bei der Impulse verschiedener Kulturen jenseits eines vom Marxismus bestimmten Universalismus die Konzepte von Kunst, Literatur und Gesellschaft verändern. Dabei werden auch außereuropäische Kulturen relevant, wie sich an der Auseinandersetzung mit Angkor Wat zeigt.

Die Exilforschung hat in den letzten Jahren eine Öffnung erlebt, mit der im Sinne der aufgezeigten Perspektiven und Entwicklungen zwar nicht die Besonderheit des NS-Exils in Frage gestellt wird, sehr wohl aber das Thema „Exil“ in verschiedene Richtungen erweitert wurde. So werden Bezüge aktueller Erfahrungen von Flucht und Immigration zum NS-Exil reflektiert und die Frage des Kontakts Emigrierter mit den Kulturen der Gastländer thematisiert. Dabei werden Anregungen der inter- und transkulturellen, transnationalen und postkolonialen Literatur- und Kulturwissenschaften aufgenommen. Weiterhin wird die Frage nach dem „Vermächtnis des Exils“, die etwa im Selbstverständnis und in der Legitimation der DDR eine besondere Rolle spielte, neu reflektiert.

Vor diesem Hintergrund bitten wir um Beiträge für das Peter Weiss Jahrbuch 31 (2022), die u.a. folgende Fragen behandeln können:

  • NS-Exil und transnationale Erfahrungen: die Auseinandersetzung von Exilautor:innen mit den Kulturen der Aufnahmeländer, auch in postkolonialer Perspektive;
  • Exil und „Assimilation“ bei Wissenschaftler:innen und Schriftsteller:innen (nicht zuletzt mit Bezug auf die USA);
  • NS-Exil als Gründungsmythos der DDR und Exil in der DDR (zum Beispiel aus Chile);
  • Neue Perspektiven einer Typologie der Exil- und Emigrations/Immigrationsliteratur;
  • Aktuelle Erfahrungen von Flucht und Exil in Literatur und Film.

Darüber hinaus sind jederzeit Vorschläge für Beiträge zu dem im Untertitel bezeichneten Themenspektrum des Jahrbuchs willkommen: „Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert“. Das Peter Weiss Jahrbuch dient seit langem als allgemeines Forum für Untersuchungen zu künstlerischen Werken überhaupt, in denen auch der gesellschaftliche Kontext reflektiert wird.

Beitragsvorschläge von nicht mehr als einer Seite Länge werden bis zum 15.12.2021 erbeten an die Herausgeber: Arnd Beise: beise@peter-weiss-jahrbuch.de; Michael Hofmann: hofmann@peter-weiss-jahrbuch.de.

Über die Annahme des Beitrags wird bis Jahresende informiert. Die fertigen Beiträge sollten eine Länge von 35.000 Zeichen (incl. Leerzeichen und Fußnoten) nicht überschreiten und sollen bis Ende April 2022 vorliegen. Der Jahrbuch-Band wird noch 2022 erscheinen.