CFP (Fristverlängerung): Erkundungen eines europäischen Kulturraums:  Deutschland, Polen und die Ukraine im zeitgenössischen literarischen Migrationsdiskurs (27.10.2021))

Kirsten Möller's picture

Call for Papers
Online-Tagung

Erkundungen eines europäischen Kulturraums: 
Deutschland, Polen und die Ukraine im zeitgenössischen literarischen Migrationsdiskurs


24.-26.11.2021

in einer Kooperation
des Axel Springer-Lehrstuhls für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte,
Exil und Migration der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
und
des Instituts für Russische und Ukrainische Philologie
an der Abteilung für Neuphilologie
der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań

Gefördert aus Mitteln der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung

Prof. Dr. Ievgeniia Voloshchuk / Dr. Kirsten Möller / Dr. Ryszard Kupidura

Die Tagung greift die vielfältigen Herausforderungen für Europa auf, die im Zusammenhang mit gegenwärtigen Migrationsbewegungen entstanden sind. Das aktuelle „Metanarrativ“ der Migration (Naika Foroutan: Die postmigrantische Gesellschaft. Ein Versprechen der pluralen Demokratie. Bielefeld 2019, S. 12) wird nicht zuletzt durch die Gegenwartsliteratur geprägt, in der die (Auto)Biografien der Migrant*innen, die Migrationserfahrungen verschiedener sozialer und ethnischer Gruppen sowie die (verflochtenen) Geschichten von Regionen und Ländern erzählt werden. Die Tagung rückt literarische Darstellungen der Migrationserfahrungen jener Bevölkerungsgruppen in den Mittelpunkt, die zwischen Polen, Deutschland und der Ukraine wander(te)n.
Diese räumliche Konstellation geht auf den aktuellen Anstieg der Migrationsbewegungen zwischen diesen Ländern zurück. Seit einigen Jahren bilden polnischstämmige Menschen – nach den Menschen türkischer Herkunft – die zweitgrößte Gruppe mit eigenen oder familiären Mig-rationserfahrungen in Deutschland; die ukrainische Diaspora in Polen beträgt heutzutage über eine Million; auch in Deutschland nimmt die Zahl der Ukrainer*innen zu. Jede dieser Gruppen nimmt Einfluss auf das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben in den Aus- und Zuwanderungsländern. Zudem verfügen die Migrationsbewegungen in diesem Teil Europas über eine lange Geschichte, die durch die Nachbarschaft und (Verflechtungs-)Geschichten der genannten Länder erheblich geprägt wurde. Eine nicht geringe Rolle spielten dabei mehrfache Verschiebungen der Staatsgrenzen in diesen Regionen (z. B. bei den Teilungen Polens im 18./19. Jahrhundert zwischen dem Habsburger Reich, dem Russischen Zarenreich und dem Preußischen Königreich oder im Zuge der Veränderungen der politischen Karten Deutschlands, Polens und der UdSSR infolge des Zweiten Weltkriegs). Jede dieser Umkartierungen ging mit Transformationen der Diaspora-Konfigurationen und einem massiven Anstieg der Migrationen einher. Der in Polen geborene und in Deutschland lebende Schriftsteller Artur Becker betonte die Bedeutung einer gemeinsamen Perspektive, die nicht nur Erkenntnisse über die benachbarten, sondern auch über eigene Kulturen liefern kann: „Ich gehe gegen Stereotype und Vorurteile vor und möchte zeigen, dass weder Polen noch Deutschland ohne seinen direkten Nachbarn im Westen und im Osten seine eigene Kultur, Sprache, Literatur begreifen kann“ (Zit. nach: Wolting, Monika: „Das Politische der Migrationsliteratur am Beispiel von Olga Grjasnowas Roman ‚Der Russe ist einer, der Birken liebt‘ (2012)“, in: Aumüller, Matthias/Willlms, Weertje (Hg.): Migration und Gegenwartsliteratur: Der Beitrag von Autorinnen und Autoren osteuropäischer Herkunft zur literarischen Kultur im deutschsprachigen Raum. Paderborn 2020, S. 91-109; hier S. 91). Literatur kann solche Erkenntnis befördern.

Im Rahmen dieses Themenfeldes sollen auf der Tagung folgende Fragen diskutiert werden:
- Wie werden deutsche, polnische und ukrainische Räume aus der Migrationsperspektive in der Gegenwartsliteratur (neu)kartiert?
- Welchen Einfluss haben intergenerationelle Beziehungen auf die Darstellungen der Kulturräume (z. B. Beziehungen zwischen verschiedenen Generationen ukrainischer Migrant*innen in Polen oder polnischer Migrant*innen in Deutschland)?
- Wie zeigen sich inter- und transkulturelle Zusammenhänge, Prozesse des Kulturtransfers oder der Konfrontation zwischen kulturellen Traditionen in literarischen Repräsentationen der Migrationserfahrungen?

Die Tagung fokussiert sich vor allem auf literarische Repräsentationen kultureller Topografien deutscher, polnischer und ukrainischer Räume, die nach dem Paradigmenwechsel 1989/1991 entstanden sind, der eine Wende für die europäische Migrationsgeschichte und für die sie reflektierende Literatur bedeutete. Dabei sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, die Migrationen mit ihren verschiedenen Destinationen und Überschneidungen aus einer trikulturellen Perspektive zu erschließen.

Die Tagung wird durch deutsch-polnische Simultanübersetzung begleitet werden. Im Anschluss an die Tagung ist eine gemeinsame Publikation der Beiträge geplant.
Wir bitten um Themenvorschläge und ein erläuterndes Exposé in Deutsch oder Polnisch mit einer Länge von max. 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen bis zum 27. Oktober 2021.


Kontakt:
Prof. Dr. Ievgeniia Voloshchuk (für deutschsprachige Exposés): voloshchuk@europa-uni.de
Dr. Ryszard Kupidura (für polnischsprachige Exposés) ryszardk@amu.edu.pl


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu