CFP: 6. Kongress des Mitteleuropäischen Germanistenverbands (MGV) - WENDE? WENDEN!, Olsztyn (31.10.2021)

Aneta Jachimowicz's picture

6. Kongress des Mitteleuropäischen Germanistenverbands (MGV)
mit den Lehrstühlen für Deutsche Sprache

und Literatur und Kultur der Deutschsprachigen Länder
an der Warmia und Mazury-Universität in Olsztyn/Allenstein
22.-24. September 2022

WENDE? WENDEN!

„Über Vergangenes mach dir keine Sorgen, dem Kommenden wende dich zu“ (Zhuangzi). Leicht gesagt – schwergetan. Im zweiten Jahr der Pandemie wenden sich der Mitteleuropäische Germanistenverband, die Lehrstühle für Deutsche Sprache und Literatur und Kultur der deutsch-sprachigen Länder an der Warmia und Mazury-Universität in Olsztyn der Zukunft zu und laden voller Hoffnung auf baldigen Sieg über das Coronavirus zur Konferenz nach Olsztyn ein, die alle Fachbereiche der Germanistik umfasst: Literatur- und Sprachwissenschaft, Kultur und Geschichte sowie Fremdsprachendidaktik. Nach der letzten Konferenz „Anfang“ im Jahre 2016, die zum 20. Jubiläumsjahr der Olsztyner Germanistik veranstaltet wurde, sind erneut Germanisten-KollegInnen aus dem In- und Ausland herzlichst eingeladen, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren und im internationalen Auditorium zur Diskussion zu stellen.

Literatur- und Kulturwissenschaft

In der Literatur- und Kulturwissenschaft wird der Wende-Begriff hauptsächlich in Bezug auf die Literatur der gesellschaftspolitischen Wende von 1989/90 in Mitteleuropa sowie auf die sogenann-ten kulturwissenschaftlichen „turns“ wie z. B. iconic turnspatial turn, interpretative turn, perfor-mative turn, oder cultural turn gebraucht. Diese zwei Wende-Oberbegriffe determinieren den litera-turwissenschaftlichen Diskurs seit mehr oder weniger vierzig Jahren. Doch den Organisatoren geht es darum, alle Wende-Erscheinungen und -Auffassungen in den Blick zu nehmen, die – im Sinne einer Zeitenwende – Aufbruch und Neuorientierung verhießen. Dabei ist es das zentrale Anliegen dieser Sektion zu überprüfen, inwieweit die unterschiedlich aufgefassten Wenden (historische, soziale, kulturelle, politische) sowohl die Literatur in Inhalt und Form beeinflussen, als auch Auswirkungen auf Schaffung und Rezeption von Literatur und Kultur gehabt haben. Als Anregung können folgende Themenbereiche gelten:

  • Wenden als Selbstkreation wissenschaftlicher und/oder künstlerischer Art, literarischer Entwurf, rhetorisches oder mediales Konstrukt
  • Wenden als kollektives Erlebnis versus individualpsychologische Erfahrung der Wende
  • ökonomische und historische Wendepunkte als Narrativ
  • Geschichtstransformationen der Wenden
  • Utopische und dystopische Wenden in der Literatur und ihre Funktion
  • Wende(n) ohne Ende?
  • (Um-)Wenden als Rückgang
  • Wende als Flucht
  • Wende als Motiv
  • Wendepunkte der Storyline als erzähltechnisches Mittel / narrative Struktur
  • Bild der Zeit in Texten über die Wenden
  • Wenden von Heute versus Wenden von Früher
  • Narrative des Aufbruchs in den Wende-Entwürfen

Sprachwissenschaft

Wende kann als UmbruchUmsturzWandelgrundlegende ReformenVeränderungen und Wand-lungen verstanden werden. In der älteren und neueren Geschichte der Sprachwissenschafts-forschung ließen sich viele markante Wendepunkte beobachten. Einer davon war zweifelsohne die Abkehr von der strukturalistischen Sprachbetrachtung und die Hinwendung zur kognitiven Sprach-auffassung und kognitiv ausgerichteten Sprachanalyse. Dies verursachte die Entstehung und Herauskristallisierung neuer linguistischer Teildisziplinen, die das sprachliche Handeln des Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchten (z.B. Sozio-, Ethno-, Psycho-, Diskurs- und Ökolinguistik). Angesichts dieser Entwicklungen mussten Sprachwissenschaftler immer wieder nach neuen Forschungsmethoden suchen, diese erproben und modifizieren, was zur Etablierung neuer Forschungsmethodologie führte, dank der sprachliche Phänomene besser erfasst und beschrieben werden konnten (Wendepunkte in der Forschungsmethodologie).

Die neue Perspektive der Spracherforschung hatte zur Folge, dass die Sprache nicht mehr als ideales Regelwerk aufgefasst wurde, weshalb sich die Linguistik der Erfassung und Analyse der Sprache in ihrem authentischen Gebrauch zuwandte (von der Kompetenz zur Performanz). Somit rückte der Mensch verstärkt in den Fokus der sprachwissenschaftlichen Forschung. Die Aufmerksamkeit der Linguisten wurde auf die begriffliche Organisation und die Konzeptualisierung der Welt gerichtet, die sich im sogenannten Sprachbild der Mitglieder einer bestimmten Gemeinschaft widerspiegeln. Eine besondere Bedeutung kam hier den Untersuchungen von (konzeptuellen) Metaphern und Stereotypen in der Sprache zu.

Eine der Folgen der Verlagerung des Forschungsschwerpunktes vom idealen Sprachkonstrukt auf den Menschen als sprachlich handelndes Wesen war die Hinwendung zur Erforschung seiner sprachlichen Umgebung. Demzufolge kristallisierten sich interdisziplinäre Forschungsrichtungen wie z.B. Linguistic Landscape heraus, die die visuell gestaltete Sprache im öffentlichen Raum zu ihrem Untersuchungsgegenstand machte.

Eine andere Wende in der Sprachwissenschaft wurde durch die Digitalisierung erzwungen, die zur Entstehung der Cybersprache und folglich zur Internetlinguistik führte. Dies lieferte wiederum neue Impulse und eröffnete weitere Forschungsgebiete, z.B. Erfassung und Analyse der Emotionen in der Sprache. In der medialen schriftlichen Kommunikation ging der Mensch u.a. zwecks schnellerer Realisierung der Kommunikationsziele über den Gebrauch von Worten bzw. Sprachzeichen hinaus und begann mit Hilfe von graphischen Symbolen und Bildern zu kommunizieren (semiotische Wende).

Ferner brachte menschliche Migration neue Wendepunkte mit sich. Interlinguale Sprachkontakte führten zur Hybridisierung der Sprache auf verschiedenen Ebenen. Nicht außer Acht zu lassen ist auch die gegenseitige Beeinflussung von bestimmten sprachlichen Phänomenen innerhalb der-selben Sprache. Infolge des intralingualen Transfers ließen sich u.a. solche Phänomene beobachten, wie die Durchdringung der Fachsprache in die Alltagssprache und interdisziplinär bedingte Mischung verschiedener Fachsprachen.

Diese und weitere Fragen, die auch anderen Wenden in der breit gefächerten Sprachwissenschaft auf den Grund gehen, wollen wir erörtern, um die Wenden in Sprache und Sprachwissenschaft aus möglichst vielen Perspektiven und Blickwinkeln zu betrachten. Mögliche Themenfelder für einen Beitrag in dieser Sektion sind:

  • Wendepunkte in der Sprachwissenschaft und ihre Auswirkungen auf die Entfaltung der Wissenschaftsdisziplin
  • Sprachwandel auf der phonologischen, morphologischen, syntaktischen, semantischen pragmatischen und kognitiven Ebene
  • Sprachwandel durch Sprachkontakte und Medienkommunikation
  • Wendepunkte in der Sprachgeschichte, Textlinguistik, Lexikologie und Lexikographie.
  • Widerspiegelung des gesellschaftlichen Wandels in der Sprache bzw. Wendepunkte  in der Soziolinguistik.
  • Wenden bzw. Wendepunkte im politischen, öffentlichen, medialen, Migrations-, Klima- und Corona-Diskurs
  • Corona-Krise als Wendepunkt und ihre Widerspiegelung in der deutschen Wortbildung, Phraseologie und verschiedenen Diskursarten
  • Veränderungen und neue Spracherscheinungen in verschiedenen Fachsprachen und in der Fachkommunikation.
  • Veränderungen und Umbruch in der Phraseologie und ihrer Erforschungsmöglichkeiten
  • Wendepunkte in der Erforschung ausgewählter Sprachphänomene (z.B. Einsatz von innovativen Forschungsmethoden und Forschungsinstrumenten)
  • Wenden in der Interkulturellen Kommunikation und kulturbedingte Kommunikations-probleme im (beruflichen) Alltag
  • Wenden in der Übersetzungsforschung und -praxis
  • Wendepunkte und ihr Einfluss auf die Modifikation bestehender und die Entstehung neuer Stereotype - Wiederspiegelung der Wende(-zeitpunkte) in stereotypen Bildern
  • Internetlinguistik als Wendepunkt und Folge der Digitalisierung der Welt
  • Jugendsprache im Wandel bzw. Jugendsprache zu  verschiedenen Wende(zeit)punkten

Fremdsprachendidaktik

In den letzten 100 Jahren konnten in der Fremdsprachendidaktik schon mehrmals Wendepunkte beobachtet werden. Diese bezogen sich auf viele Aspekte der Fremdsprachendidaktik und des Fremdsprachenunterrichts. Die Wenden wurden manchmal von den Linguisten bzw. Fremdsprachendidaktikern angeregt, ab und zu kamen sie auch unerwartet zustande. So hat Wilhelm Viëtor Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Buch „Der Sprachunterricht muss umkehren“ eine Wende postuliert. Auch die Reformpädagogik entsprang dem Bedürfnis nach grundsätzlichen Veränderungen im Unterricht. So sind einst populären Methoden des Fremdsprachenunterrichts dank neuer Erkenntnisse durch andere ersetzt worden. Die technischen Fortschritte haben ebenfalls einen Beitrag zu systemischen Veränderungen und gerade zur Konzipierung eines neuen modernen Fremdsprachenunterrichts beigetragen.

Die Wende bedeutet in der Fremdsprachendidaktik den Abschied von einer Sichtweise und die Hinwendung zu einer neuen. Ein Beispiel dafür kann die Abkehr von der Grammatikorientierung des Fremdsprachenunterrichts  sein (die Wortschatzwende). Zu den weiteren Wendepunkten, die sich im letzten Jahrhundert vollzogen haben, können u.a. die Lernerorientierung und die Kompetenz-orientierung des Fremdsprachenunterrichts gezählt werden. Auch in der Fremdsprachenlehr- und -lernforschung konnten innerhalb der letzten Jahrzehnte große Veränderungen beobachtet werden.

Neue Ereignisse, unerwartete Geschehnisse und das Bedürfnis, den neuen Anforderungen gerecht zu werden, können Anstoß zu einer neuen Sichtweise geben, d.h. zu kleinen Veränderungen oder sogar zu einer Wende führen. Wendepunkte lassen sich in der Fremdsprachendidaktik auf vielen Ebenen und in vielen Aspekten festhalten. Diese können sich zum einen auf den Unterricht, seine Ziele, Inhalte und Schwerpunkte beziehen. Zum anderen können sich große Veränderungen und Innovationen in den Lern- und Arbeitsformen, im Unterrichtsmanagement, in der Fremdsprachen-lehrerausbildung, ebenso in der Erforschung des Fremdsprachenerwerbs, d.h. in der Methodologie vollziehen. Die möglichen Themenbereiche für einen Beitrag in dieser Sektion sind:

  • Wenden in der Entwicklung und in den Förderungsmöglichkeiten von verschiedenen fremdsprachlichen Kompetenzen
  • Wendepunkte und Innovationen in der Arbeit an verschiedenen Subsystemen (Grammatik, Wortschatz, Phonetik) und Sprachfertigkeiten
  • Einsatz von innovativen Arbeitsformen und innovativem didaktischem Material im Fremdsprachenunterricht
  • Veränderungen im Unterrichtsmanagement
  • Spezifik, Licht- und Schattenseiten sowie (neue) Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Fremdsprachenunterrichts
  • Der Fremdsprachenlernende und die Fremdsprachenlehrkräfte in der digitalen Lernumgebung
  • Der digitale Fremdsprachenunterricht und sein Einfluss auf die Motivation und die Qualität des Fremdsprachenlernens
  • Wendepunkte in der Rolle und in der Ausbildung von Fremdsprachenlehrkräften, innovative Formen und Inhalte in der Lehrerausbildung, sowie Herausforderungen für die Fremdsprachenlehrerausbildung
  • Neues in der Fremdsprachenforschung, neue Zugänge zu Fremdsprachenlernprozessen (innovative Methoden der Datenerhebung, neue Forschungsmethoden und -instrumente)
  • Language Awareness und Reflexion über Sprache in der neuen Lernumgebung
  • Wende(n) in der Fremdsprachenpolitik

Tagungsort

Warmia und Mazury-Universität in Olsztyn   

Geisteswissenschaftliche Fakultät

ul. Kurta Obitza 1

10-725 Olsztyn/ Polen

 

Uniwersytet Warmińsko-Mazurski w Olsztynie

Wydział Humanistyczny

ul. Kurta Obitza 1

10-725 Olsztyn/ Polen

Publikation der Beiträge

Geplant ist die Herausgabe der separaten, nach Disziplinen geteilten Tagungsbände in einem nach polnischen ministerialen Richtlinien hochpunktierten angesehenen deutschen Verlag.

Tagungsgebühr

300 PLN (70 Euro)

Anmeldung

Wir bitten Sie, Ihre Themenvorschläge samt Abstracts bis zum 31.10.2021 einzureichen. Die Entscheidung über die Aufnahme Ihres Vortragsthemas wird bis zum 30.11.2021 getroffen. Über die Entrichtung der Tagungsgebühren werden Sie nach der Annahme Ihres Referatsvorschlages informiert.

Die Anmeldungen schicken Sie bitte per E-Mail an die entsprechende Adresse:

Fremdsprachendidaktik: joanna.targonska@uwm.edu.pl

Literatur- und Kulturwissenschaft: alina.kuzborska@uwm.edu.pl

Sprachwissenschaft: malgorzata.derecka@uwm.edu.pl

 

Im Namen des Organisationskomitees des Kongresses

Für den MGV

Prof. Dr. Detlef Haberland, Bonn, <detlef.haberland@bkge.uni-oldenburg.de>

Univ.-Prof. Dr. habil. Joanna Szczȩk, Wrocław/Breslau, <joanna.szczek@uwr.edu.pl>

Für die Organisatoren an der der Warmia und Mazury-Universität in Olsztyn/Allenstein (Polen)

Univ.-Prof. Dr. habil. Anna Dargiewicz, <anna.dargiewicz@uwm.edu.pl> (Sprachwissenschaft)

Dr. habil. Aneta Jachimowicz, <aneta.jachimowicz@uwm.edu.pl> (Literaturwissenschaft)

Dr. Alina Kuzborska, <alina.kuzborska@uwm.edu.pl> (Kulturwissenschaft)

Dr. Joanna Targońska, <joanna.targonska@uwm.edu.pl> (Fremdsprachendidaktik/Sprachwissenschaft)

Dr. Barbara Sapała <barbara.sapala@uwm.edu.pl> (Literaturwissenschaft )

Dr. Małgorzata Derecka <malgorzata.derecka@uwm.edu.pl> (Sprachwissenschaft)

Dr. Marta Gierzyńska <marta.gierzynska@uwm.edu.pl> (Fremdsprachendidaktik/Sprachwissenschaft)

Universität und Germanistik in Olsztyn

Die Warmia und Mazury-Universität in Olsztyn entstand 1999 durch die Fusion zweier Olsztyner Hochschulen. Sie gehört mit ihren fünfzehn Fakultäten und 33.000 StudentInnen zu den bedeutend-sten staatlichen Universitäten im Nordosten Polens. Die Universität ist auch für ihre wunderschöne Lage bekannt: Der grüne Campus Kortowo liegt unmittelbar an einem der zahlreichen Olsztyner Seen. Die Germanistik wurde 1995 an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Pädagogischen Hochschule in Olsztyn, unter anderem dank der Unterstützung deutschen Polen-Freundes und Mäzens Georg Dietrich ins Leben gerufen. Heute besteht sie aus den Lehrstühlen für Deutsche Sprache und Literatur und Kultur der deutschsprachigen Länder. Die MitarbeiterInnen der Germa-nistik arbeiten mit den deutschen Philologien in Deutschland und Österreich, verschiedenen Institutionen, u.a. der Georg und Maria-Dietrich Stiftung und dem Österreichischen Kulturforum Warschau zusammen und sind in vielen wissenschaftlichen Bereichen von der Sprach- und Literaturwissenschaft über Geschichte und Kultur bis zur Fremdsprachendidaktik tätig.  

Praktische Informationen

Unterkunft

In der direkten Umgebung unserer Universität befinden sich ein 3-Sterne-Hotel und Studenten-wohnheime mit kostengünstigen Gästezimmern. Überdies stehen den Konferenzteilnehmern wie-tere Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadtmitte (etwa 4-5 km vom Tagungsort entfernt) zur Verfügung.

Flug

Für weite Anreisen empfiehlt es sich, nach Olsztyn über vier Flughäfen zu kommen:

  • Warschau (Warszawa)
  • Modlin (Flughafen für Billigflüge z.B. Ryanair)

Informationen zu Flugzielen (https://modlinairport.pl/pasazer/mapa-polaczen)

  • Danzig (Gdańsk)
  • Szymany – Olsztyn Mazury-Airport (Flüge aus London, Dortmund und Krakau)

(https://mazuryairport.pl/de/fuer-den-passagier/fluege/richtungen-der-flu...)

Von all diesen Flughäfen kann man mit der Bahn direkt nach Olsztyn kommen.

Von Warschau aus gibt es auch günstige Busverbindungen.

Bahn:

Olsztyn ist auch gut mit der Bahn zu erreichen (via Warschau oder Posen).


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu