ANK: Online-Workshop: Postmigrantische Perspektiven in der Provinz (22.07. – 23.07.2021)

Michael Neumann's picture

Postmigrantische Perspektiven in der Peripherie
Online-Workshop, 22./23. Juli 2021

Seit einigen Jahren wird im deutschsprachigen Raum vermehrt über „das Postmigrantische“ diskutiert. Die programmatische Zäsur soll markieren, welche Schwellen das Nachdenken der Gesellschaft über sich selbst nehmen muss, um tatsächlich in der Gegenwart anzukommen. Literatur und Literaturwissenschaft haben an diesem dringend notwendigen kulturellen Selbstverständigungsprozess teil. Dass der Impuls von einem hauptstädtischen Theater ausging, das sich als Zukunftslabor des Sozialen begreift, ist indes besonders dort zu bedenken, wo auch provinzielle Räume in den Blick genommen werden. Von wo aus und wie wird auf Peripherien geschaut? Wer macht Provinz sichtbar? Möglicherweise ruhen die Normen und Werte des Zentrums Voraussetzungen auf, die in ländlichen Regionen nicht gegeben sind. Eine Perspektivenumkehr legt darum die Frage nahe, wann urbanozentrische Diskurse urbanormativ werden und welche Folgen das für die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Selbstwahrnehmung insgesamt hat. Die jüngste Erzählliteratur öffnet den Blick für solche Zusammenhänge, indem sie sich für jene sozialräumliche Situiertheit unterschiedlicher Perspektiven interessiert, über die sich die Deutungsansprüche politisch-künstlerischer Avantgarden mitunter hinwegsetzen. Kontinuitäten und Diskontinuitäten entwickelt diese Literatur stattdessen aus Erfahrungen und Begegnungen in konkreten Umgebungen mit spezifischen Bedingungen. Warum das so ist, will der Workshop untersuchen.


Programm

Donnerstag, 22. Juli 2021

10.00-10.30 Uhr: Begrüßung und Einführung (Marcus Twellmann, Universität Konstanz)
10.30-11.15 Uhr: Postmigrantische Inselwelten: Literarische Darstellungen der ‚dänischen Südsee‘ (Moritz Schramm, Universität Odense)
11.15-12.00 Uhr: Ewig Peripherie? Raumdarstellung, Postmigrationserfahrungen und Gesellschaftsdiagnose in Deniz Ohdes Streulicht (Philipp Böttcher,
Humboldt Universität zu Berlin)
12.00-12.45 Uhr: Verdächtigungen und Vermutungen. Die Provinz als Tatort (Nishant K Narayanan (University of English and Foreign Languages Hyderabad)
Mittagspause
14.00-14.45 Uhr: Golzow auf dem Weg ins postmigrantische Zeitalter? Was uns die Kamera (nicht) zeigt (Sabine Zubarik, Evangelische Akademie Erfurt)
14.45-15.30 Uhr: Problemzone Ostdeutschland: Die Post-DDR-Provinz als Aushandlungsraum des Postmigrantischen in Literatur und Comic (Willi-Wolfgang Barthold, Humboldt Universität zu Berlin)
Pause
16.00-17.00 Uhr: Gespräch mit Dominik Barta über Poetik und Zeitgeschichte (Moderation: Maria Kuberg, Universität Konstanz)

 

Freitag, 23. Juli 2021

9.30-10.00 Uhr: Begrüßung und Zusammenfassung (Michael Neumann, Universität Bonn)
10.00-11.00 Uhr: Gespräch mit Ronya Othmann über Poetik und Zeitgeschichte (Moderation: NN)
11.00-11.45 Uhr: Schreiben gegen deutsche Provinzialität. Mithu Sanyals Identitti und Asal Dardans Betrachtungen einer Barbarin (Maha El Hissy, Queen Mary University of London)
11.45-12.30 Uhr: Ideen aus der Peripherie: Die Karibik und ein postmigrantisches Europa (Martina Kopf, Universität Mainz)
Mittagspause
13.45-14.30 Uhr: „Weniger Räuberpistole, weniger Pippi Langstrumpf als der erste Teil“. Abschied vom Cool in Nochmal Deutschboden von Moritz von Uslar
(Lena Brinkmann, Universität Bonn)
14.30-15.15 Uhr: Die Eigentlichkeit der Provinz. Zu Juli Zehs Roman Über Menschen (Marie Gunreben, Universität Konstanz)

15.15-15.45 Uhr: Forschungsperspektiven. Abschlussdiskussion


Die Veranstaltung findet als Online-Workshop in Kooperation mit dem Graduiertenkolleg 2291 „Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses“ (Universität Bonn) und dem Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung (Universität Konstanz) statt. Für weitere Auskünfte und Informationen stehen Marcus Twellmann (marcus.twellmann@uni-konstanz.de) und Michael Neumann (m.neumann@uni-bonn.de) gern zur Verfügung.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu