CFP: Germanistentag 2022 – Panel: Zwischen den Zeilen lesen. Annäherungen an die Hermeneutik und Poetik des ‚verdeckten Schreibens‘, Paderborn (15.07.2021)

Albert C. Eibl's picture

Panel im Rahmen des 27. Deutschen Germanistentages (Paderborn, 25.–28. September 2022). Themenbereich 1: Theoretische und methodische Zugänge

Organisation und Konzeption: Albert C. Eibl, M. A. (Wien/ Bern)

Der 27. Germanistentag im Herbst 2022 widmet sich dem Oberthema „Mehrdeutigkeiten“. In unserem Panel wollen wir uns mit einer besonders oszillierenden und hermeneutisch fruchtbaren Spielart der Polysemantik beschäftigen: Dem ‚verdeckten Schreiben‘ in unterschiedlichen Epochen und Wirkungsfeldern der deutschsprachigen Literatur, in denen die literarische wie publizistische Meinungsäußerungsfreiheit stark eingeschränkt war. Seit Heidrun Ehrke-Rotermunds und Erwin Rotermunds 1999 erschienener, richtungsweisender Studie Zwischenreiche und Gegenwelten. Texte und Vorstudien zur ‚Verdeckten Schreibweise’ im „Dritten Reich“  ist im Grunde kein ernstzunehmender Versuch mehr unternommen worden, allgemeine Muster und Techniken regimekritisch-oppositionellen Schreibens genauer zu definieren, geschweige denn diese anhand eines breitgefächerten Pools an exemplarischen Werkanalysen im Detail zu erörtern. Ein Forschungsdesiderat, das wir im Rahmen unseres Panels zumindest in Ansätzen erfüllen wollen.

Im Fokus der hier erwünschten (entweder analytisch oder theoretisch verfahrenden) Beiträge und Annäherungen an eine Poetik und Hermeneutik des Zwischen-den-Zeilen-Lesens und Zwischen-den-Zeilen-Schreibens stehen also Zeiten der rigiden gesellschaftlichen wie staatlichen Zensur, in denen nicht verstummen wollende Autoren darauf angewiesen waren, literarische Strategien der Camouflage zu entwickeln, um ein ebenso für Mehrdeutigkeiten sensibilisiertes Lesepublikum mit systemkritischen, subversiv-oppositionellen Botschaften zu erreichen. Wir wollen uns daher im Rahmen dieses Panels vor allem auf drei Konstellations- und Themenfelder konzentrieren:

  •  Subversives Schreiben im literarischen Vormärz (1830–1848)

  •  ‚Verdecktes‘ bzw. oppositionelles Schreiben im ‚Dritten Reich‘ (1933–1945)

  •  ‚Verdecktes Schreiben‘ und unterdrückte Literatur in der DDR (1945–1989)

Sicherlich ließen sich noch viele weitere Beispiele für ‚verdecktes Schreiben‘ und ‚intellektuellen Widerstand‘ zu anderen Zeiten und in anderen Kontexten anführen. Ins Gesamtkonzept des Panels passende Vorschläge, die über die drei abgesteckten Themenbereiche bzw. Epochengrenzen hinausgehen, werden daher ebenfalls dankend berücksichtigt. Weit gefasst, sollte das vorrangige Ziel dieses Panels sein, die weitreichenden systemdestabilisierenden Möglichkeiten von Literatur als Waffe gegen Unterdrückung und Terror herauszuarbeiten und dabei ihre realitäts- und wahrnehmungsverändernde Kraft in Wechselwirkung mit ihren potentiellen Rezipienten zu betrachten. Oder, um einem Postulat des widerständig gesinnten Schriftstellers Werner Bergengruen, das dieser im Rückblick auf das literarische Schaffen im ‚Dritten Reich‘ der Jahre 1933 bis 1945 formulierte, eine literaturwissenschaftliche Bühne zu geben: Wir wollen uns in diesem Panel der unterirdischen Literaturgeschichte dreier Epochen widmen und dabei einiges Licht ins Dunkel der Mehrdeutigkeiten bringen.

Vorschläge für 20-minütige Vorträge (max. 350 Wörter) und ein kurzer wissenschaftlicher CV werden bis zum 15. Juli 2021 erbeten an: eibl@dvb-verlag.at


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu