CFP: Germanistentag 2022 – Panel: Triviale Wahrheitsprozeduren? Zur Mehrdeutigkeit von Indizien in Kriminalgeschichten von Pitaval bis Emil und die Detektive, von Holmes bis Sherlock, Paderborn (15.07.2021)

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Panel auf dem 27. Deutschen Germanistentag, 25.-28. September 2022, Universität Paderborn

Themenbereich 2: Phänomenorientierte Zugänge

 

Dr. Antonia Eder (KIT)

 

Triviale Wahrheitsprozeduren? Zur Mehrdeutigkeit von Indizien in Kriminalgeschichten von Pitaval bis Emil und die Detektive, von Holmes bis Sherlock

 

Das Panel will sich mit spezifisch medialen, gattungs- und rezeptionsästhetischen Fragen zur Mehrdeutigkeit von Indizien in Kriminalgeschichten befassen. Dabei rücken Verfahren der Identifikation, Selektion und (un-)möglichen Lesbarkeit der indexikalischen An-Zeichen in den Fokus. Was inhaltlich konstitutiv an der Ambivalenz von Indizien für jede (Kriminal-)Erzählung ist, kann zudem gattungspoetologisch reflektiert werden: Inwiefern sind also zeichenbasierte Wahrheitsprozeduren auch für Tektonik und Literarizität von Kriminalliteratur wirksam? Und inwiefern darüberhinaus für deren mediale Verfasstheit wie bspw. für die Serialität in Journalen sowie auch für ihre Funktion und Form in Film bzw. Fernsehserie? Welchen Effekt zeitigt eine doppelte Zeichenunsicherheit (Dargestelltes wie Darstellung) zudem auf Seiten des interpretierenden, ja kategorisierenden Publikums? Über solch (nicht-)intendierte Zeichenoperationen des Miss-/Verstehens im Text wie des Textes wird zudem die Positionierung im ästhetischen Kanon des dort notorisch oszillierenden Grenzgängers 'Krimi' reflexiv reaktiviert.

Das Panel möchte mit seinem Fokus auf das Indiz also zentrale Fragen verfolgen, die Verfahren der Zeichenlese und Wahrheitsprozeduren pointieren: Wie etabliert sich über die Mehrdeutigkeit der verdächtigen Anzeichen, Spuren, Hinweise etc. ein spezifisches Konzept der Polyvalenz auf der Ebene der Darstellung und der des Dargestellten eines Falls oder Rätsels? Welche Rolle spielen hier Rezeption sowie Medialität und was bedeuten diese jeweils für das Verhältnis von kriminalem Erzählen und Trivialliteratur bzw. Unterhaltungskultur? Und wie greifen über das Genre ‚Krimi’ auch Fragen der Kanonbildung und der didaktischen Vermittlung von Zeichenprozessen ineinander?

Das Panel bietet Raum für Vorträge, Respondenzen und gemeinsame Diskussion. Vorschläge für (literatur- und medienhistorisch synchron oder diachron angelegte sowie kultursemiotische) Beiträge von ca. 20 Minuten werden bis zum 15. Juli 2021 in Form eines Exposés (ca. 300 Wörter, plus Kurzbiographie) erbeten – per Mail an: Antonia Eder (antonia.eder@kit.edu)


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu