CFP: Plausibilisierungsdynamiken und Evidenzpraktiken von der Antike bis zur Gegenwart, Bielefeld (30.09.2021)

Anna Maria Neubert's picture

Workshop vom 24.-26.Februar 2022

Ort: Universität Bielefeld, Universitätsstr. 25, 33615 Bielefeld

Veranstalterinnen: Prof'in Dr. Antje Flüchter, Dr. Birte Förster, Dr. Britta Hochkirchen, Prof'in Dr. Silke Schwandt (Universität Bielefeld)

 

Wann akzeptieren wir etwas als wahr, anerkannt und richtig? Wie gewinnt ein Argument Gültigkeit, unter welchen Umständen gilt etwas als plausibel? Wie gewinnen Erkenntnis und Gewissheiten Gültigkeit, wie werden Normen und Werte verhandelt und begründet? Wie also funktionieren Autorisierungsprozesse, wie entsteht Geltung und welchen Plausibilisierungsdynamiken unterliegen diese Prozesse?

 

Diesen Fragen widmet sich der interdisziplinäre Workshop epochenübergreifend von der Antike bis zur Gegenwart. Plausibilisierung und Evidenzherstellung verstehen wir als dynamische Prozesse, die in unterschiedlichen historischen Zusammenhängen hergestellt, akzeptiert und verbreitet werden müssen. Uns interessieren vor allem jene Praktiken, die etwas zu einem (historischen) Beleg, zu einem Argument und zu einem Verweis machen, indem sie bewirken, dass etwas für wahr gehalten wird, anschlussfähig ist und somit Kohärenz erzeugt wird. Dazu wollen wir untersuchen, wann und weshalb Plausibilisierungsprozesse ausgelöst wurden und erfolgreich waren, wann verloren sie hingegen ihre Legitimation wieder? Dabei interessiert uns sowohl eine historische als auch eine systematische Perspektive, sowohl das Nacheinander als auch das gleichzeitige Nebeneinander solcher Praktiken.

 

Plausibilisierungsdynamiken sind dort zu beobachten, wo Unsicherheit kontrolliert werden muss. In der Verbindung mit Evidenzpraktiken geht es darum, Gewissheit herzustellen, Referenzrahmen zu stabilisieren und Erzählungen zu legitimieren. Dabei wollen wir nicht bei einer Dichotomie von Unsicherheit und Sicherheit stehen bleiben, sondern die Prozesse in den Blick nehmen, die über Evidenzpraktiken mehr oder weniger Gewissheit erreichen können, sowie Momente, in denen Plausibilität, Legitimität und Autorität in Frage gestellt werden oder in Konkurrenz geraten.

Dabei können Dynamiken auf zwei Ebenen untersucht werden: Einerseits mit Blick auf das dynamische Wechselverhältnis zwischen sich verändernden Kontexten und Praktiken der Plausibilisierung und Evidenz, die aufeinander reagieren. Andererseits aber auch bezüglich der unterschiedlichen Intensität der Plausibilisierungsdynamiken, indem sie sich in bestimmten historischen Kontexten akkumulieren und Formationen bilden.

 

Einen besonderen Fokus wollen wir auf Religion, Wissenschaft und ‚die Geschichte‘ als Weltbegründungssysteme legen und auch danach fragen, wie Differenzkategorien sozialer Ungleichheit in diesen legitimiert werden und wie jeweils geltendes Wissen erzeugt wird. Wie wird etwa begründet, dass die Unabhängigkeitserklärung zwar von „all men“ spricht, damit aber eben nicht alle Menschen gemeint sind? Welche Rolle spielt die Dichotomie von Natur und Kultur als eurozentrischer Referenzrahmen für die Konzeptualisierung von Umwelt, Familie, Verwandtschaftsbeziehungen oder den Körper?

 

Wir bitten alle Interessierten aus jeglichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, sich bis zum 30. September 2021 mit einem Vortragstitel, einem kurzen Abstract ihres Beitrags von ca. 300 Wörtern sowie einer Kurzbiographie per E-Mail an Anna Neubert (aneubert@uni-bielefeld.de) zu wenden.