CFP: Germanistentag 2022 – Panel: „Deutschunterricht als Gedächtnisagentur? – Didaktische Annäherungen an Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit in Texten über das Erinnern“ (15.07.2021)

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CFP: Germanistentag 2022 – Panel: „Deutschunterricht als Gedächtnisagentur? – Didaktische Annäherungen an Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit in Texten über das Erinnern“ 

by Sascha Feuchert, Torsten Mergen, Christian Plien

CfP: Panel beim 27. Deutschen Germanistentag 2022: „Deutschunterricht als Gedächtnisagentur? – Didaktische Annäherungen an Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit in Texten über das Erinnern“

Themenbereich 3: Vermittlungs- und bildungsbezogene Zugänge

25.–28. September 2022 an der Universität Paderborn

Organisation: Sascha Feuchert: sascha.feuchert@germanistik.uni-giessen.de; Torsten Mergen: torsten.mergen@mx.uni-saarland.de; Christian Plien: christian.plien@germanistik.uni-giessen.de


Dieses Panel hat das Ziel, primär didaktische und praxisorientierte Fragestellungen zum Themenfeld „Erinnerungskultur und Deutschunterricht“ zu diskutieren. Kaum ein Gegenstandsbereich des Deutschunterrichts wirft so vielfältige Herausforderungen im Bereich der Unterrichtsplanung, der Methodisierung und der lerner*innenorientierten Passung auf, nicht zuletzt, da entsprechende fiktionale Texte reale Schicksale der Autorinnen und Autoren in einem allgemeinen Diskurs halten. Insofern werden Unterrichtssituationen zum Teil einer Gedächtnisagentur (vgl. Feuchert 2009, Feuchert 2019), die im kommunikativen Gedächtnis Erinnerung generiert und zu Erinnerndes an nachkommende Generationen vermittelt. Da es auch immer weniger Zeitzeugen gibt, die von ihren Erfahrungen im Nationalsozialismus berichten können, erscheint es desto wichtiger, die Verankerung des Themas in der schulischen Bildung und hier besonders im Deutschunterricht zu analysieren und hinsichtlich der Potenziale zu reflektieren. Zudem stellt sich die Frage, inwiefern der Umgang mit authentischer, nicht adaptierter Zeugnisliteratur einen Empathie fördernden Zugang schaffen kann, der allerdings spezifischer Voraussetzungen bedarf, v.a. der Sensibilisierung für die Ambiguität der menschlichen Erinnerung.
Für einen Deutschunterricht als Gedächtnisagentur ergeben sich vielfältige Fragstellungen:
- Wie kann der Umgang mit Formen und Medien literarischen Erinnerns sinnvoll didaktisch und methodisch gestaltet werden, gerade wenn diese in unterschiedlicher Hinsicht mehrdeutig oder gar widersprüchlich sind?
- Welche Chancen ergeben sich für die Verknüpfung von literarischem mit historischem Lernen, um der Spannung zwischen Faktizität und Fiktionalität gerecht zu werden?
- Welche fächerübergreifenden Konzepte zum Umgang mit NS-Vergangenheit und Holocaust können für den Deutschunterricht als Gedächtnisagentur produktiv generiert werden, um einer Vereindeutigung des Mehrdeutigen zu begegnen?
- Welche Konzepte der Sensibilisierung für Holocaustliteratur stehen für die Beschäftigung mit literarischen Figuren zur Verfügung, welche Rolle spielt dabei die Kompetenz der Perspektivübernahme?
- Welche Rolle spielen unterschiedliche mediale Formen, wie z.B. moderne Kurzfilme bzw. Literaturverfilmungen, Computerspiele, Comics oder Graphic Novels sowie Bilderbücher dabei, Themen, Werte, Normen im Gespräch zu halten, zu befördern und in gewisser Hinsicht zu pflegen?
- Welche Rolle spielen textseitige, als mehrdeutig rezipierbare Merkmale für die „Kanonwürdigkeit“ bzw. Repräsentanz entsprechender Texte im Deutschunterricht als Gedächtnisagentur?
- Welche Herausforderungen und Lernchancen bestehen im Unterricht beim Umgang mit früher Erinnerungs- respektive Zeugnisliteratur zum Holocaust? In welchem Verhältnis stehen textseitige (narratologische) Merkmale und deren Rezeption im Rahmen des Leseaktes?
- Welche empirischen Erkenntnisse gibt es zum Umgang von Schüler*innen mit Holocaustliteratur und deren (gradueller) Mehrdeutigkeit?

Beitragsvorschläge (250 Wörter und kurze bio-bibliographische Angaben) für 15- bis 20-minütige Vorträge bzw. Präsentationen werden bis zum 15. Juli 2021 erbeten an die Organisatoren: sascha.feuchert@germanistik.uni-giessen.de; torsten.mergen@mx.uni-saarland.de; christian.plien@germanistik.uni-giessen.de