CFP: Fremdbegegnungen: Alterität und deutschsprachige Gegenwartsliteratur (30.06.2021)

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Zagreber germanistische Beiträge

Fremdbegegnungen: Alterität und deutschsprachige Gegenwartsliteratur

 

 

Hgg. Andrea Leskovec (Ljubljana) und Milka Car (Zagreb)

 

 

Fremdbegegnung ist eine elementare und universelle anthropologische Erfahrung und ein fester Bestandteil gesellschaftlicher Prozesse und kultureller Identitätsbildung. Als hochaktuelles Thema und intellektuelle Herausforderung soll die Fremdheit als konkrete Konfiguration wie auch als relationaler Begriff untersucht werden. Die Philosophie der Alterität, die Bernhard Waldenfels wie auch Emmanuel Lévinas entwickelt haben, geht von der Grundthese aus, dass die Begegnung mit dem Anderen eine anthropologisch bedingte Erfahrung darstellt, ohne die eine Konstitution der Identität nicht zu denken ist – generell ist Identität auf Anerkennung durch andere angewiesen. In dieser Theorie wird der Anspruch des Anderen als die Bedingung für die Konstituierung des Eigenen postuliert. In seinen zahlreichen Fremdheitsstudien beleuchtet Bernhard Waldenfels die »Bewältigung der Andersheit« in ihrer ganzen Zwiespältigkeit und versucht sich ihr mit der Figur der »Responsivität« anzunähern, womit er ein Konzept zur Begegnung und für den Umgang mit Fremdheit zur Verfügung stellt.

Angesichts der prekären sozialpolitischen Lage im Zusammenhang etwa mit der sog. Flüchtlingskrise und deren Folgen wie Rechtsruck und wachsende Xenophobie, stellen sich also erneut ganz elementare Fragen: Wie soll man dem Fremden begegnen, wie es annehmen, akzeptieren und mit der Diversität umgehen? Wie verhält man sich angesichts der ›Überfremdung‹ und den damit einhergehenden Veränderungen und Herausforderungen in der Gesellschaft? Aus literaturwissenschaftlicher Sicht interessiert vor allem die Frage danach, was Literaturwissenschaft und Literatur angesichts der prekären gesellschaftlichen Lage leisten können und welche theoretischen Konzepte die Repräsentation des Fremden und den Umgang damit in der Literatur erfassen können. Insofern sind Beiträge willkommen, die sich mit der Theorie der Fremdbegegnung bzw. –erfahrung auseinander-setzen, oder aber die Rolle der Literaturwissenschaft und der Literatur auf dieses Thema hin kritisch beleuchten.

 

Bitte senden Sie für diesen Themenband der »Zagreber Germanistischen Beiträge« zunächst bis Ende Juni 2021 ein Exposé im Umfang von bis zu 3000 Zeichen an Milka Car (milka.car@ffzg.hr) und Andrea Leskovec (aleskovec@web.de).

Auf der Basis des Exposés werden Herausgeberinnen und Redaktion über eine Annahme des Themenvorschlags entscheiden und ggf. um einen ausformulierten Beitrag von bis zu 45.000 Zeichen (einschließlich Leerzeichen und Fußnoten) bitten, der bis Ende 2021 bei der Redaktion der Zeitschrift (zgb@ffzg.hr) einzureichen ist. Über die letztgültige Annahme, Ablehnung oder weiteren Bearbeitungsbedarf wird anonym von zwei unabhängigen Gutachtern befunden.