CFP: Germanistentag 2022, Panel: "Wer spricht - Algorithmus oder Autor*in? Medienspezifische Mehrdeutigkeiten digitaler Literatur in Social Media als Herausforderungen für Literaturwissenschaft und -didaktik", Paderborn (15.07.2021)

Gunhild Berg's picture

CFP „Wer spricht - Algorithmus oder Autor*in? Medienspezifische Mehrdeutigkeiten digitaler Literatur in Social Media als Herausforderungen für Literaturwissenschaft und -didaktik“
27. Deutscher Germanistentag, Paderborn, 25.–28.09.2022
Panel im Themenbereich 3 (120 Minuten): Vermittlungs- und bildungsbezogene Zugänge
Organisation: Dr. Gunhild Berg und Bernhard Franke, M.Ed. (Universität Halle-Wittenberg)


Instapoetry, Twitteratur, Tiny Tales sind Beispiele für neue literarische Formen und Gattungen digitaler Literatur in den Social Media, die literaturwissenschaftlich etablierte Kategorien auf gleich mehreren Ebenen provozieren.
Auf der hypertextuellen Werkebene fordern literarische Social-Media-Posts als sog. digital born Literatur, deren spezifische Ästhetik, Produktion, Rezeption und Distribution (im Sinne Winkos) untrennbar und ausschließlich an die Partizipationskultur des World Wide Webs gebunden ist, den literarischen Werk-Begriff heraus. Auf den Ebenen von Textkonstitution, Literarizitäts- und Fiktionalitätssignalen, Erzählinstanz und Autor*innenschaft generiert Social Media-Literatur neue Mehrdeutigkeiten, die produktions- wie rezeptionsästhetisch zu erfassen sind. Auf der Ebene literarästhetischer Qualität kommt hinzu, dass Literaturwissenschaft und Literaturkritik insbesondere die Mehrdeutigkeit literarischer Texte durch ihren ‚doppelten Boden‘, ‚tieferen Sinn‘, das ‚Zwischen-den-Zeilen-Lesen‘ schätzen. Im Unterschied dazu unterliegt digitale Literatur in den Social Media der medienspezifischen, algorithmisch von eindeutigen Attribuierungen getriebener Realisation, die geeignet zu sein scheint, literarästhetische Mehrdeutigkeiten zu vereindeutigen und sie entweder zu markieren und einzuhegen oder aber sie zu ignorieren. Zugespitzt lässt sich fragen, wer bei digitaler Literatur im medialen Format eines Social Media-Posts eigentlich spricht – Algorithmus oder Autor*in?
Ziel des Panels ist es, die medienspezifischen Mehrdeutigkeiten digitaler Literatur in den Social Media literaturwissenschaftlich und -didaktisch zusammenzuführen. Das Panel besteht dazu aus vier Vorträgen von je 20 Minuten und zwei Diskussionsrunden.
Erwünscht sind Beiträge, die einen der folgenden Aspekte der Social Media-Literatur in Hinsicht auf seine ‚Mehrdeutigkeit‘ untersuchen:

  1. Formen und Konzepte von Autorschaftsinszenierungen und Authentizitätsstrategien
  2. Konzepte der Erzählinstanz: etwa aus Social Media-Persona, Account-Name und erzählender Figur / lyrischem Ich
  3. produktionsästhetische Verfahren: wie Hashtags, Reblogging, Kommentierungen als (mehr- oder eindeutige) Markierungen und ihre algorithmischen Effekte oder
  4. rezeptionsästhetische Verfahren: zur Untersuchung oder zur Förderung der Ambiguitätskompetenz von Rezipient*innen

Abstracts für 20minütige Vorträge (max. 350 Wörter) und einen kurzen wissenschaftlicher CV mailen Sie bitte bis spätestens 15.07.2021 an:
Dr. Gunhild Berg gunhild.berg@germanistik.uni-halle.de  und an
Bernhard Franke, M.Ed.  bernhard.franke@germanistik.uni-halle.de

Für Fragen zum Panel können Sie ebenfalls diese beiden E-Mail-Adressen kontaktieren.
Nachwuchswissenschaflter*innen haben die Möglichkeit, sich bis zum 01.09.2021 um ein Stipendium des DGV zu bewerben.