CFP: Germanistentag 2022, Panel "Zur empirischen Erforschbarkeit mehrdeutigkeitssensibler Sprachvermittlung", Paderborn (15.07.2021)

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Zur empirischen Erforschbarkeit mehrdeutigkeitssensibler Sprachvermittlung. Panel im Rahmen des 27. Deutschen Germanist*innentags, Paderborn 25.-28.09.2022 (Themenbereich 1: Theoretische und methodische Zugänge)

Die moderne kommunikative (Fremd-)Sprach(en)didaktik operiert mit einem handlungsorientierten und instrumentellen Sprachbegriff, der in Vorstellungen von Eindeutigkeit und Normativität verankert ist. Mit Blick auf die komplexer gewordenen Anforderungen an die zu erwerbenden kommunikativen Fähigkeiten erweist sich dieser Sprachbegriff als immer weniger zielführend. Vor allem aus der Literatur- und Kulturwissenschaft des Faches DaF/DaZ gibt es daher Bestrebungen, diese Didaktik für einen flexibleren – literarischen – Sprachbegriff zu öffnen, der Mehrdeutigkeit und Ambiguität nicht mehr als marginales, sondern als zentrales Moment sprachlicher Bedeutungsbildung auffasst. Die Grundlage dafür bildet ein Kommunikationsbegriff, der Mehrdeutigkeit und Ambiguität nicht mehr in erster Linie als Problem und Behinderung, sondern als Movens von Kommunikation begreift.

Das Bemühen, die Sprach(en)didaktik für einen literarischen Sprachbegriff zu öffnen, sieht sich allerdings mit dem Problem der empirischen Belegbarkeit seiner sprach(en)didaktischen Relevanz, Funktionalität und Operationalisierbarkeit konfrontiert. Wir wollen in diesem Panel vor dem skizzierten Hintergrund die zentrale Frage diskutieren, wie sprachliche Lehr- und Lernprozesse auf Basis eines mehrdeutigkeitssensiblen und normreflexiven Sprachbegriffs empirisch erforscht werden können. Dabei sollen folgende Aspekte im Mittelpunkt stehen:

  • Wie ist der sprach(en)didaktische Mehrwert der Vermittlung eines sich nicht einseitig an der Norm orientierenden, sondern den Momenten des Kreativen, Spielerischen, Unvorhersehbaren stärker Rechnung tragenden Sprachgebrauchs empirisch erforschbar?
  • Wie kann in der empirischen Forschung trotz der vermeintlich notwendigen Komplexitätsreduktion der inhärenten Mehrdeutigkeit von Sprache Rechnung getragen werden? An welche Forschungsansätze und -projekte kann dabei angeknüpft und wie können diese weiterentwickelt werden?
  • Welchen Beitrag kann empirische Forschung leisten, um Mehrdeutigkeit sprachdidaktisch zu operationalisieren? Kann ein mehrdeutigkeitssensibles Kompetenzmodell auf empirischer Basis entwickelt werden?

Wir laden Literatur- und Sprachdidaktiker*innen aus den Bereichen der Fremd-, Zweit- und Erstsprachendidaktik ein, sich mit einem Abstract (300 Wörter) und einer Kurzbiografie für das Panel zu bewerben. Geplant sind 4 Impulsvorträge von jeweils 15 Minuten Länge mit einer daran anschließenden gemeinsamen Diskussion. Bitte schicken Sie Ihre Beitragsangebote bis zum 15. Juli 2021 an die Panel-Organisator*innen:

Dr. Michael Dobstadt, TU Dresden michael.dobstadt@tu-dresden.de

Dr. Renate Riedner, Stellenbosch University rriedner@sun.ac.za

Ass.-Prof. Mag. Dr. Hannes Schweiger, Universität Wien hannes.schweiger@univie.ac.at