CFP: Germanistentag 2022, Panel „Identitätspolitik – literaturwissenschaftliche und literaturdidaktische Perspektiven auf einen mehrdeutigen Begriff in der Gegenwartsliteratur“, Paderborn (15.7.2021)

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„Identitätspolitik“ ist in Debatten innerhalb wie außerhalb des Literaturbetriebs ein prominenter, aber mehrdeutiger und oft kontrovers diskutierter Begriff. In den 1970er Jahren entwickelt, um die spezifischen Anliegen schwarzer Feministinnen anzusprechen, wird der Begriff „Identitätspolitik“ gegenwärtig vielfach in polemischen Kontexten verwendet. Während linke Befürworter*innen der Identitätspolitik sich für Zugang, Teilhabe und Gleichberechtigung postmigrantischer und von Rassismus betroffener Menschen einsetzen, sehen Kritiker*innen darin eine Bevorzugung einzelner Gruppen zu Lasten anderer und die Gefahr sozialer Spaltung. Im Literatur- und Kulturbereich werden identitätspolitische Debatten beispielsweise über strukturelle Diskriminierung im Literaturbetrieb, Blackfacing im Theater oder die Restitution kolonialer Raubkunst geführt. Forciert werden die Debatten durch eine zunehmend diverse Literaturlandschaft, in der BIPoC besseren Zugang zum Literaturmarkt erhalten und Romane von Autor*innen wie Jackie Thomae, Olivia Wenzel, Mithu Sanyal oder Sharon Dodua Otoo in großen Publikumsverlagen erscheinen. 

 

Im geplanten Panel sollen die identitätspolitischen Schreibweisen der Literatur, aber auch deren Positionierung auf dem Literaturmarkt auf vier miteinander verknüpften Ebenen diskutiert werden: 

1. Identität und Erzählen: Wie werden mehrdeutige Identitäten narrativ konstruiert, dekonstruiert und politisiert? 

2. Identitätspolitik und Autorschaft: Wie spiegeln sich identitätspolitische Themen innerhalb der literarischen Texte in der extraliterarischen Performance der Autor*innen wider? 

3. Identität und Literaturbetrieb: Wie geht die Kritik mit der Mehrdeutigkeit der Texte um, wie werden identitätspolitische Fragen im Literaturbetrieb verhandelt und welchen Marktwert besitzen die Texte und ihre Autor*innen?

4. Mehrdeutigkeit von Identitäten als Gegenstand in Lehre und Unterricht: Wie kann der (Hoch)Schulkanon verändert werden, um BIPoC und postmigrantische Autor*innen miteinzubeziehen, und welche weiterreichenden Fragestellungen ergeben sich daraus für Schuldidaktik, Lehre und Hochschulbetrieb?  

 

Wir laden Literaturwissenschaftler*innen und Literaturdidakter*innen ein, sich mit einem Abstract (300 Wörter) und einer Kurzbiografie für das Panel zu bewerben. Besonders willkommen sind Angebote von BIPoC und von Nachwuchswissenschaftler*innen. Geplant sind 4 Vorträge von jeweils 20 Minuten Länge. Bitte schicken Sie Ihre Beitragsangebote bis zum 15.7. an die Panel-Organisatorinnen:

 

Prof. Dr. Carolin Duttlinger, Wadham College, University of Oxford (carolin.duttlinger@wadham.ox.ac.uk)

Prof. Dr. Silke Horstkotte, Universität Leipzig (s.horstkotte@uni-leipzig.de)

Prof. Dr. Julia Schöll, TU Braunschweig (j.schoell@tu-braunschweig.de)

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu