CFP: Germanistentag 2022, Panel "Pragmadidaktik – Didaktische Modellierungen von Sprachhandlungsanalysen", Paderborn (15.07.2021)

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CfP: „Pragmadidaktik – Didaktische Modellierungen von Sprachhandlungsanalysen“

Panel auf dem 27. Deutschen Germanistentag, Themenbereich 3: Vermittlungs- und bildungsbezogene Zugänge, 25.–28. September 2022 an der Universität Paderborn

 

Organisation: Christine Ott (Würzburg), Sven Staffeldt (Halle)

 

Mit Mehrdeutigkeiten umgehen zu können, ist für Didaktiken ein nicht zu unterschätzendes Problem, müssen sie doch Angebote zur eigenständigen Analyse in einem Bereich machen, der sich der Analyse gerade zu widersetzen scheint und oft im Vagen verbleibt. Dennoch ist es eine zentrale kommunikative Kompetenz, das Spektrum möglicher Bedeutungen, den interaktionalen Möglichkeitsraum beleuchten zu können.

Das Panel schließt an jüngere Initiativen an, die linguistische Pragmatik vermittlungs- und aneignungsbezogen zu perspektivieren (z.B. Liedtke/Wassermann 2019; Jansen/Wassermann 2017; Staffeldt/Ott 2014). Inwiefern pragmalinguistische Theorien oder Analysemethoden in unterrichtliche Kontexte übertragen werden können, ist auch Jahrzehnte nach der disziplinären Etablierung der linguistischen Pragmatik kaum diskutiert worden. Dabei kommt ihr großes Potential zu, u.a. interpersonale Kommunikation auf Gelingensbedingungen hin zu untersuchen oder Instrumentarien für den analytischen Nachvollzug von sowie für Positionierungen in gesellschaftlich virulenten Diskursen um z.B. verletzende oder diskriminierende Sprachhandlungen bereitzustellen.

Ziel des Panels ist es, Möglichkeiten der Modellierung pragmalinguistischen Wissens und Könnens für Lehr-Lern-Settings auszuloten und konkrete Didaktisierungsvorschläge für die Schule, Hochschule und/oder sprachbezogene Aus- und Weiterbildung zu diskutieren.

Dabei soll ein Schwerpunkt auf der Sprechakt-, der Präsuppositions- und Implikaturentheorie samt der je spezifischen Zugänge zum Auffinden und Beschreiben sprachlicher Phänomene liegen. Darüber hinaus sind auch gesprächsanalytische oder interaktionale Beiträge willkommen.

Während für andere Bereiche sprachlichen Lernens Abfolgemodelle (z.B. der wortschatzdidaktische Dreischritt, Kühn 2000), Baustein- und Stufenmodelle (z.B. Sammlungen von Textprozeduren, Feilke 2014) und Visualisierungen, wie der sog. Klammermann (Schönenberg 2011) in der Felderlehre oder das Silbenhaus (Röber 2009) im Schriftspracherwerb, als didaktische Brückentechnologien („transitorische Normen“ nach Feilke 2015) entwickelt wurden, fehlen vergleichbare Didaktisierungen für pragmatische Lerngegenstände.

 

Im Panel sollen Vorschläge für und/oder unterrichtspraktisch erprobte Konzepte vorgestellt werden, i.B. zu: a) Auffindungsprozeduren für potentiell Mitgemeintes, b) Metaphern und (andere) Visualisierungstechniken sowie c) weitere didaktische Reduktionsformen für pragmalinguistische Phänomene, Theorien oder Methoden.

 

Beitragseinreichungen für einen 15-minütigen Vortrag (Abstract im Umfang von max. 1500 Zeichen + Angaben zur Person) werden bis spät. 15. Juli 2021 erbeten an die beiden Organisator:innen: christine.ott@uni-wuerzburg.de, sven.staffeldt@germanistik.uni-halle.de.  

 

Referenzen:

Feilke, Helmuth (2014): Argumente für eine Didaktik der Textprozeduren. In: Bachmann, Thomas/Feilke, Helmuth (Hrsg.): Werkzeuge des Schreibens. Beiträge zu einer Didaktik der Textprozeduren. Stuttgart, S.20-30; Feilke, Helmuth (2015): Transitorische Normen. Argumente zu einem didaktischen Normbegriff. In: Didaktik Deutsch 38, S. 115-135; Jansen, Martina/Wassermann, Marvin (2017): Pragmatische Theorien verstehen mit der Serie „The Big Bang Theory“. In: Deutschunterricht 2, S. 44-50; Kühn, Peter (2000): Kaleidoskop der Wortschatzdidaktik und -methodik. In: Kühn, Peter (Hrsg.): Wortschatzarbeit in der Diskussion. Hildesheim, S. 5-28; Liedtke, Frank/Wassermann, Marvin (Hrsg.) (2019): Themenheft „Sprachliches Handeln und Pragmadidaktik“ (Der Deutschunterricht 71/1); Röber, Christa (2009): Die Leistungen der Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen. Grundlagen der Silbenanalytischen Methode. Baltmannsweiler; Schönenberg, Stephanie (2011): Problemfall Verbklammer? Der Klammermann als Basismodell der Satzlehre. In: Praxis Deutsch 226, S. 12-19; Staffeldt, Sven/Ott, Christine (2014): Sprechen als kommunikative Ressource. Was die linguistische Pragmatik für den Kompetenzbereich ‚Sprechen‘ zu bieten hat. In: Rödel, Michael (Hrsg.): Deutschunterricht am Gymnasium. Was kann die Sprachwissenschaft leisten? Baltmannsweiler, S. 66-83.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

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