CFP: Germanistentag 2022 – Panel: „Das Ohr, das spricht“: Kreativer Umgang mit Mehrdeutigkeiten in literarischen Übersetzungen, Paderborn (15.07.2021)

Angela Sanmann's picture

Panel auf dem 27. Deutschen Germanistentag:

Themenbereich 4: Gesellschaftliche Zugänge

25.-28. September 2022 an der Universität Paderborn

 

Konzeption und Organisation:

Ass.-Prof. Dr. Angela Sanmann-Graf (Université de Lausanne)

Prof. Dr. Isabelle Stauffer (KU Eichstätt)

 

Das Panel widmet sich dem kreativen Umgang mit Mehrdeutigkeiten in literarischen Übersetzungen deutscher Sprache. Wie unterschiedlich die Herangehensweisen der ÜbersetzerInnen sind, zeigt sich besonders prägnant beim Vergleich verschiedener Übersetzungen desselben Werks, sei dies lyrischer, dramatischer oder erzählender Art. So lässt sich anhand der Erst- und Neuübersetzungen von Raymond Queneaus Exercices de Style zeigen, welche Freiheiten sich die ÜbersetzerInnen nehmen, um die Gleichzeitigkeit von semantischer Ambivalenz und formalem Zwang in der Zielsprache zu realisieren, auch und gerade vor dem Hintergrund divergierender gesellschaftlicher Entstehungskontexte.

In der Neuübersetzung von Emily Brontës Wuthering Heights hat Wolfgang Schlüter sich entschieden, Schockierendes nicht – wie seine VorgängerInnen – zu glätten. Dabei spiegeln sich die Mehrdeutigkeiten im Schwanken der Neuübersetzung zwischen der Sprache des 19. Jahrhunderts und derjenigen von heute. Elisabeth Edls Neuübersetzung von Flauberts Madame Bovary wiederum hat, anders als beispielweise die von René Schickele, Konflikte zwischen Figuren verschärft und damit Eindeutigkeiten geschaffen.

ÜbersetzerInnen müssen sich immer wieder neu entscheiden: Können und wollen sie Mehrdeutigkeiten als solche im Zieltext bewahren? Oder nutzen sie ihren Interpretationsspielraum, um Ambivalenzen zu vereindeutigen oder ggf. sogar um neue zu kreieren – und dem Original auf diese Weise eine zusätzliche Dimension zu verleihen? Hören, Lesen, Interpretieren und die Wiedergabe der eigenen Interpretation sind beim Übersetzen untrennbar miteinander verbunden, wie es Friedhelm Kemp metaphorisch fasst: „Das Ohr, das spricht“. Das Panel fragt nach den kreativen Strategien deutschsprachiger ÜbersetzerInnen angesichts von Mehrdeutigkeiten und Vagheiten im Ausgangstext und danach, ob Neuübersetzungen tendenziell ein Mehr an Ambivalenz zulassen.

 

Vorschläge für 15- bis 20-minütige Vorträge erbitten wir in Form von Exposés (350 Wörter sowie kurze biobibliographische Angaben) bis zum 15. Juli 2021 an: Angela.Sanmann@unil.ch und Isabelle.Stauffer@ku.de.

 

________________________________________________________________________________________________________________

Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

Categories: CFP