CFP: Germanistentag 2022, Panel "Die Vielschichtigkeit von Erinnerungsprozessen", Paderborn (15.07.2021)

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CfP: "Die Vielschichtigkeit von Erinnerungsprozessen"

Panel im Rahmen des 27. Deutschen Germanistentags, Paderborn 25.-28.09.2022. Themenbereich 2: Phänomenorientierte Zugänge, 120 Minuten. Einreichungsfrist: 15.07.2021.

 

Organisation: Anna Braun (Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz: Institut für Germanistik, Universitätsstr. 1, 56070 Koblenz), Nicolai Glasenapp (Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz: Institut für Germanistik, Universitätsstr. 1, 56070 Koblenz) und Maike Jokisch (Universität Koblenz-Landau, Campus Landau: Institut für Germanistik, Fortstr. 7, 76829 Landau)

 

Erinnern stiftet Identität, sowohl für Einzelne als auch für Gruppen und Kulturen, denn es stellt über eine gemeinsam geteilte Vergangenheit Verbindungen und Verbindlichkeiten her (vgl. Assmann 2005, 16f.). Doch Erinnern beruht auf subjektiver Wahrnehmung und ist – wie die Erkenntnisse der Neurowissenschaften zeigen – anfällig für Veränderungen und das Vergessen, denn es basiert auf einem „Montageprinzip“ (Welzer 2011, 39). Die entstandenen Neuronenverbindungen können bis zur Auflösung verblassen, wenn sie nicht häufig aktiviert werden. Vorhandene Lücken werden aufgefüllt, mitunter auch mit Material aus Film und Literatur, das nicht Teil des autobiographischen Gedächtnisses ist. 

Bietet bereits das singuläre Subjekt mit seinen Erinnerungen Anlass nach einer Vielschichtigkeit des Erinnerns zu fragen, findet dies für unterschiedliche Individuen in Kollektiven umso mehr Ausdruck in divergierenden Erinnerungen. Dies zeigt sich auch in einem „gesellschaftlichen Kampf um Erinnerungen“ (Lee 2019, 15), bei dem alternative Versionen von Erinnerung gegeneinander abgewogen werden, um die Frage zu beantworten: „Wem gehört die Geschichte?“ (Braun 2013, 9). Seit den 1990er Jahren gilt für literarische Texte tendenziell der Grundsatz „memory sells“ (Erll 2011, 228). Darüber hinaus spielen multimediale Formate des Erinnerns, wie sie sich im zeitgenössischen postdramatischen Drama oder im Rahmen von Graphic Novels finden, zunehmend eine wichtige Rolle (vgl. Hallet 2012, 2f.). Fragen zur Diversität des Erinnerns ergeben sich zudem für die Gender Studies (vgl. Nagelschmidt/Probst/Erdbrügger 2010), die Animal Studies (vgl. Borgards 2016) oder die Plant Studies (vgl. Thellier 2017). 

Mit dem geplanten Panel soll Mehrdeutigkeit über die Vielschichtigkeit des Erinnerns in den Blick rücken. Geplant sind zehn- bis fünfzehnminütige Impulsvorträge und anschließende Diskussionsrunden, in denen intra- und interdisziplinäre Bezüge geknüpft und Fragen zu den einzelnen Vorträgen gestellt werden können.

Die folgenden Themenfelder bieten Anschlussmöglichkeiten für Vorträge im Rahmen des Panels und verstehen sich als Vorschläge für potenzielle Beiträge:

 

Darstellungsästhetik von Erinnerungsprozessen (z. B. genre- oder medienspezifisch) / Metaphern oder Motive der Erinnerungskultur / Interdisziplinäre Ausrichtung (z. B. Gender-, Animal- und Plant-Studies) / Didaktisches Potential des Erinnerungsparadigmas (in Theater, Film und Literatur)

 

Das geplante zweigliedrige Panel richtet sich an Fachwissenschaftler*innen der Germanistik, fremdsprachigen Literaturwissenschaft, Komparatistik, Medien- und Kulturwissenschaft sowie an Personen mit fachdidaktischer Ausrichtung und Deutschlehrer*innen. Einsendeschluss für Beitragsvorschläge (300-500 Wörter und kurze bio-bibliographische Angaben), die für den Impulsvortrag konzipiert sind, werden bis zum 15.07.2021 erbeten an Anna Braun (annabraun@uni-koblenz.de), Nicolai Glasenapp (nglasenapp@uni-koblenz.de) und Maike Jokisch (jokisch@uni-landau.de).

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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