CFP: Germanistentag 2022, Panel „Mehrdeutigkeit in Träumen“, Paderborn (15.07.2021)

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CFP: „Mehrdeutigkeit in Träumen“, Panel im Rahmen des 27. Deutschen Germanistentags, Paderborn 25.–28.09.2022. Themenbereich 2: Phänomenorientierte Zugänge (Frist: 15.07.2021).

 

Organisation: Prof. Dr. Manfred Engel und Laura Vordermayer (Saarbrücken)

 

Zumindest für diejenigen, die Träumen eine Bedeutung zuschreiben, sind diese ein Ort quasi naturwüchsig entstehender Mehrdeutigkeit. Wesentliche Gründe dafür liegen in den traumtypischen ›Bizarrerien‹, also den Abweichungen vom lebensweltlich kurrenten Wirklichkeitsbegriff sowohl in der Darstellung von Objekten und Personen wie auch in der Suspendierung der Gesetze von Raum, Zeit, Kausalität und Identität und einem Automatismus der Erfahrung, in der Träumende sich selbst als Handelnde in einer Welt erleben, die sich ihrer Kontrolle entzieht.

Ein erheblicher Teil der kulturellen Arbeit am Traum besteht in der Erfindung von Praktiken, die diese Mehrdeutigkeit reduzieren sollen: Dies gilt für die lange Tradition symbolischer Traumentschlüsselung ebenso wie für die Psychoanalyse, wo etwa Freud nach maximaler Vereindeutigung strebt, dabei allerdings eine Mehrfachkodierung einzelner Elemente zulässt, während C.G. Jung Träumen per se eine poetische Sprache zuschreibt, was zum Postulat komplexer, nie ganz ausdeutbarer Traumsymbole führt.

Im Panel soll es um Traumdarstellungen in Literatur und anderen Medien gehen, die nicht psychoanalytisch, sondern in ihrem kultur- und wissensgeschichtlichen Kontext gedeutet werden. Bei fiktionalen Träumen unterliegt Mehrdeutigkeit einer Dialektik, deren Ergebnis je nach Epochen- und Autor*innenästhetik sehr unterschiedlich ausfallen kann: Einerseits ist der Traum in seinem Ko-text oft eine Passage gesteigerter Mehrdeutigkeit, andererseits wird diese durch die Kontextualisierung im Werkganzen auch deutlich reduziert. In Bezug auf die Erzählung auf der Wachebene können Traumdarstellungen aber auch eine explizierende Funktion einnehmen und Interpretationsspielräume einschränken (z.B. Metareflexivität, mise-en-abîme). An Beispielen aus unterschiedlichen Epochen und Medien sollen im Panel unterschiedliche Strategien zur Erzeugung und Reduktion traumspezifischer Mehrdeutigkeit, sowie die – Mehrdeutigkeit potenzierenden oder reduzierenden – Funktionen von Traumdarstellungen in Bezug auf den Gesamttext untersucht werden.

 

Besonders willkommen sind Beitragsvorschläge, die im „close reading“ zwei oder drei markierte Träume in Literatur oder anderen Medien unter klarem Bezug auf die Fragestellung der Mehrdeutigkeit untersuchen. Eine spätere Buchpublikation der Beiträge in erweiterter Form ist geplant.

 

Vorschläge für einen 20-minütigen Vortrag erbitten wir in Form eines Abstracts (max. 350 Wörter) plus Kurz-CV (max. 200 Wörter) bis zum 15. Juli 2021 an die Organisator*innen (manfred.engel@mx.uni-saarland.de; laura.vordermayer@uni-saarland.de).


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu