CFP: Germanistentag 2022, Panel „MaschinenTexte. Mehrdeutigkeit von Literatur und Autorschaft im Zeitalter der Algorithmen“, Paderborn (15.7.2021)

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CFP: "MaschinenTexte. Mehrdeutigkeit von Literatur und Autorschaft im Zeitalter der Algorithmen", Panel im Rahmen des 27. Deutschen Germanistentags, Paderborn 25.–28.9.2022 (Themenbereich 1: Theoretische und methodische Zugänge)

Algorithmische Textexperimente haben eine lange literarische Tradition und dennoch in jüngster Zeit verstärkt Aufmerksamkeit erfahren. Das beweisen etwa die aufgeregten Feuilleton-Reaktionen auf Daniel Kehlmanns jüngste Reise ins Silicon Valley, die das Ziel hatte, gemeinsam mit einer Künstlichen Intelligenz (dem Algorithums CTRL) eine Kurzgeschichte zu verfassen. Der Kontrast zwischen einem medial überstrapazierten Diskurs um Maschinen als Autor:innen der Zukunft einerseits und der Diversität und Komplexität solcher Textexperimente in der literarischen Praxis der Gegenwart anderseits ist kaum zu übersehen. Deutschsprachige Autor:innen wie Gregor Weichbrodt, Hannes Bajohr, Kathrin Passig, Berit Glanz, Jörg Piringer oder Fabian Navarro veröffentlichen Texte, die Code- und Konzeptliteratur zusammenbringen und den Algorithmus als kreatives Instrument im Schreibprozess etablieren. Die aus solchen Verfahren resultierenden Texte sind nicht länger auf das Format Buch angewiesen, sondern  begegnen u.a. auf Autorenblogs, Twitteraccounts, Homepages oder Plattformen wie GitHub (hier werden neben den Texten die Entstehungscodes gleich mitgeliefert). Als Reaktion auf solche neue Formen algorithmenbasierter Literatur werden Autorschaftskonzepte neu diskutiert – auch, weil diese nun nicht mehr qua natura mit dem Vorgang des Schreibens verbunden sind, sondern auf Verfahren der Programmierung, der Codierung, der Selektion, der (Neu-)Zusammensetzung und der konzeptionellen (Sprach-)Kunst verweisen.2
Das Panel versteht eine algorithmenbasierte Textgenerierung als kreativen gegenwartsliterarischen Prozess, der sich literaturwissenschaftlichen, (inter-)medialen wie medienästhetischen Fragestellungen zugleich öffnet: Eine digitale und algorithmische Experimente inkludierende Literatur verändert die ihr gemeinhin zugewiesene Materialität und Medialität – sowohl auf der technischen (mit Blick auf digitale Produktions- und Rezeptionsprozesse) als auch auf einer funktionalen Ebene (Literatur als Wissens- und Kommunikationssystem). Die (ohnehin vorausgesetzte) Mehrdeutigkeit literarischer Texte wird durch solche Verfahren radikalisiert: zum einen angesichts der Bedeutungsebene konkreter Texte, zum anderen mit Blick auf übergeordnete Begriffe wie Autorschaft, Literaturbegriff, Medialität und Materialität des Textes. 
Eingeladen zur Mitarbeit an dem Panel sind daher theoretische Positionierungen, die den mehrdeutigen Autorschafts- und Literaturbegriff ‚im Zeitalter der Algorithmen‘ neu prüfen, ebenso wie konkrete Textlektüren, die spezifische gegenwartsliterarische Beispiele in den Blick nehmen. 

Abstracts für Kurzvorträge (ca. 15 min) im Umfang von max. einer Seite und kurze biobibliografische Angaben werden bis zum 15.7.2021 erbeten an:

Prof. Dr. Stephanie Catani
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft | Medienwissenschaft
Universität des Saarlandes
@ stephanie.catani@uni-saarland.de   
www.uni-saarland.de/lehrstuhl/catani
 


1 Daniel Kehlmann: Mein Algorithmus und Ich. Stuttgarter Zukunftsrede. Hamburg 2021. Vgl. stellvertretend für die Feuilleton-Diskussion: Knut Cordsen: Warum Künstliche Intelligenz keine Literatur schafft. In: Bayrischer Rundfunk (10.2.2021); Jan Wiele: Ich & Maschinski. Kehlmann und der Algorithmus. In: F.A.Z. (12.2.2021); Cornelia Geißler: Nicht Siri, sondern Control: Daniel Kehlmann trifft Künstliche Intelligenz. In: Berliner Zeitung (10.2.2021)

2 Vgl. H. Bajohr: Keine Experimente: Über künstlerische Künstliche Intelligenz, in: Merkur 864 (2021): S. 32-44.; H. Bajohr: Algorithmic Empathy. On Two Paradigms of Digital Generative Literature and the Need for a Critique of AI Works. BMCCT working papers, (November 2020) No. 4; S. Catani: Generierte Texte. Gegenwartsliterarische Experimente mit Künstlicher Intelligenz. In: A. Bartl, C. Erk, J. Glasenapp (Hg.): Literatur, Film und Fernsehen der Gegenwart. Intermediale Schnittstellen und Verhandlungsräume. Paderborn 2021 (im Erscheinen), S. Catani: „Erzählmodus an.“ Literatur und Autorschaft im Zeitalter künstlicher Intelligenz. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 64 (2020), S. 287-310.