CFP: Internationale Konferenz: Bertolt Brecht und Ernst Toller, Magdeburg (10.07.2021)

Kirsten Reimers's picture

Call for Papers zur internationalen Konferenz:

„Bertolt Brecht und Ernst Toller“

Magdeburg, 16. bis 18. März 2022
Konzept und Organisation: Lydia Mühlbach, Kirsten Reimers, Thorsten Unger

Bertolt Brecht (1898-1956) ist unbestritten einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramenautoren des 20. Jahrhunderts. Seine Werke sind heute Schullektüren und Repertoirestücke auf deutschen Bühnen. Ernst Tollers (1893-1939) Dramen sind aktuell weniger präsent, in der Weimarer Republik zählte er aber zumal im Ausland zu den meistgespielten deutschsprachigen Autoren. Seit Karlheinz Martins Uraufführung der Wandlung 1919 in Berlin wurden Inszenierungen seiner Stücke immer wieder mit innovativen Theatertechniken umgesetzt, wie andererseits ihre politischen Inhalte Anstoß zu kontroversen Debatten, mitunter auch zu Skandalen gaben. Die erste Brecht-Uraufführung war Otto Falckenbergs Inszenierung von Trommeln in der Nacht 1922 in München; seither feierten seine Stücke Erfolge, wirkten aber nicht selten ebenfalls polarisierend auf das Publikum. Beide Autoren setzten sich in ihren frühen Stücken mit der ‚deutschen Revolution‘ nach dem Ersten Weltkrieg auseinander, mit der beide – wenn auch in unterschiedlicher Intensität – Berührungen hatten. Entsprechend neigten auch beide Autoren zu den marxistischen Strömungen der Zeit und bezogen politische Positionen deutlich links, aber ohne sich etwa an die kommunistische Partei zu binden. Erstausgaben vieler ihrer Werke erschienen im Potsdamer Gustav Kiepenheuer Verlag. Beide Autoren traten auch mit lyrischen Texten und einigen Erzählungen hervor, setzten sich mit den neuen Medien Hörfunk und Film auseinander und schrieben Hörspiele und Drehbücher. Dabei arbeiteten beide auch mit anderen Künstlern zusammen, nie allerdings miteinander. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gingen beide ins Exil und engagierten sich weiterhin literarisch wie politisch. Toller setzte indes seinem Leben 1939 vorzeitig ein Ende; Brecht führte seine Theaterarbeit in der frühen DDR mit dem Berliner Ensemble zu einem weiteren Höhepunkt. Es finden sich Bezugnahmen in Essays und Briefen von Brecht auf Toller und von Toller auf Brecht, Zeugnisse der Zusammenarbeit aber scheint es nur bei ein oder zwei begrenzten politischen Aktionen zu geben. Aus Tollers Londoner Exil ist auch eine direkte Begegnung mit Brecht bezeugt, und schon in den späten 1920er Jahren scheint es mindestens ein Telefongespräch gegeben zu haben. Aber engere Kontakte der beiden sind nicht ersichtlich, auch einen Briefwechsel gibt es nicht.

Der Befund lautet also: erstaunlich wenige direkte Kontakte der beiden herausragenden Dramatiker bei eigentlich zahlreichen Berührungspunkten. Dem entspricht auf der Seite der Forschung, dass größere Untersuchungen fehlen, die Brecht und Toller vergleichend in den Blick bringen würden. Im Kontext von Spezialfragestellungen liegen zwar einzelne Arbeiten vor, oft solche, die auch noch weitere Autorinnen oder Autoren einbeziehen, aber es gibt keine Monographie und keine Aufsatzsammlung, die sich speziell einem Vergleich widmen würde. Mit der Magdeburger Konferenz „Bertolt Brecht und Ernst Toller“ soll diesem Desiderat begegnet werden.

Wir erbitten Vorschläge für Vorträge, die einen für beide Autoren wichtigen Aspekt vergleichend in den Blick bringen. Dabei sind sowohl Themen willkommen, die einzelne Werke unter inhaltlichen oder formalen etwa dramaturgischen oder literaturtheoretischen Aspekten zueinander in Beziehung setzen, als auch Themen zu biographischen Details. Auch vergleichende Fragen der Rezeption und Wirkung sollen einbezogen oder fokussiert werden. Die folgende Stichwortliste ist als Anregung, keineswegs aber als erschöpfende Auflistung gedacht:

  • Drama und Theater (Dramaturgie, Dramentheorie, Stückevergleich, Medieneinsatz; Politisches Theater, Revolution, Kriegsheimkehrerstücke, Proletkult / Arbeiter(massen)theater / Agitprop)
  • Lyrik, Erzählprosa und weitere Werkaspekte (Themen und Motive, Textvergleiche, Lyrikvertonungen, Humor, Ironie und Satire)
  • Literaturästhetische Kontextualisierung und Periodisierung (Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Exil; Engagierte Literatur)
  • Arbeitsweisen, Kooperationen, Adaptionen (Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wie Piscator, Hasenclever, Hanns Eisler, Kurt Weill; Teamarbeit; Wagnerrezeption)
  • Wechselwirkungen Brecht/Toller (Briefe, Selbstzeugnisse, wechselseitige Einflüsse und Bezugnahmen im Werk)
  • Mediale Innovationen zur Zeit der Weimarer Republik (Medienkritik, Radio, Filmkonzepte)
  • Toller und Brecht im internationalen Zusammenhang (Exil, Rezeption im Ausland; Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und Gesellschaften z. B. der USA und der UdSSR)

Wir bitten um Vorschläge für Vorträge. Bitte senden Sie uns Ihr Angebot bis zum 10. Juli 2021 mit einem Themenvorschlag (Arbeitstitel) und einer Skizzierung des Vorhabens im Umfang von maximal 300 Wörtern sowie einer kurzen biobibliographischen Notiz zu Ihrer Person per E-Mail an kirsten.reimers@ovgu.de. Über die Annahme Ihres Themenvorschlags werden wir im Sommer 2021 entscheiden.

Für die Vorträge ist eine Länge von 25 Minuten zuzüglich 15 Minuten Diskussionszeit vorgesehen. Wir planen die Konferenz erst einmal als komplette Präsenzveranstaltung. Sollten im März 2022 noch Pandemie-Beschränkungen bestehen, können abgestufte online-Varianten zugeschaltet werden, bis hin zur kompletten Durchführung der Konferenz im Online-Modus. Entscheidungen hierüber werden ggf. kurzfristig getroffen.

Zur Finanzierung der Konferenz werden wir Drittmittelanträge stellen und uns bemühen, allen Beiträgerinnen und Beiträgern Zuschüsse zu den Reise- und Übernachtungskosten zu zahlen. Bei Einreichung eines Vortragsthemas gehen wir von Ihrem Einverständnis aus, dass wir Ihren Namen und den Titel Ihres Vortrags potenziellen Drittmittelgebern in einer entsprechenden Auflistung oder Programmvorschau mitteilen dürfen.

Nach der Konferenz ist es vorgesehen, eine Auswahl der Beiträge in überarbeiteter und ggf. leicht erweiterter Form in einem Sammelband zu veröffentlichen. Einzelheiten dazu werden spätestens auf der Tagung selbst bekannt gegeben. Schon jetzt sei vorausgeschickt, dass wir uns wünschen, dass für die Überarbeitung der Beiträge zur Publikation die Tagungsdiskussion berücksichtigt wird und Bezüge zwischen Beiträgen untereinander hergestellt werden. Die Werke Bertolt Brechts werden nach der Großen kommentierten Berliner und Frankfurter Ausgabe (Frankfurt M., Berlin, Weimar 1988-1998) zitiert, die Werke Ernst Tollers nach der Kritischen Ausgabe der Sämtlichen Werke (Göttingen 2015).


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

Categories: CFP