CFP: Germanistentag 2022, Panel „Interpretationsverdunkelung – Über Nichtdeutbarkeit“, Paderborn (15.07.2021)

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CFP: "Interpretationsverdunkelung – Über Nichtdeutbarkeit"

Panel auf dem 27. Deutschen Germanistentag: Themenbereich 2: Phänomenorientierte Zugänge, 25.–28. September 2022 an der Universität Paderborn

„Der Sinn des Textes ist, dass er keinen Sinn hat“, mag man als Reaktion äußern, wenn es nicht gelingt, sich einen Text mithilfe von Interpretationsvorgängen gefügig zu machen. Eine andere könnte sein: „Das ist überhaupt nicht zu verstehen.“ Beide Aussagen mögen nachvollziehbar sein, sind aber in den seltensten Fällen reflektiert begründet.

Daher möchte dieses Panel des Germanistentags untersuchen, was geschieht, wenn Mehrdeutigkeiten zum Problem werden oder gar in das andere Extrem umschlagen: Welche Texte sind in besonderer Weise affin, ihre Undeutbarkeit auszustellen oder zumindest zu simulieren? Was bedeutet es überhaupt, wenn behauptet wird, ein Text sei gar nicht deutbar, habe keinen Sinn oder sei nicht zu verstehen? Sind diese Behauptungen synonym oder haben wir es nur mit in besonderem Maße hypertroph mehrdeutigen Texten zu tun, die uns vor lauter Deutbarkeitsoptionen in ein Labyrinth der Interpretationen entlassen?

Eine der für dieses Panel entscheidenden Leitthesen wird sein, dass wir einen besonders reizvollen Bezirk des Mehrdeutigkeitskontinents betreten, wenn uns Literatur / Filme / Bilder begegnen, die ihre vermeintliche Verschlossenheit und ihren Widerwillen hinsichtlich einer klaren Deutung geradezu demonstrieren.

Das Panel ist offen für kultur- und philosophiegeschichtliche, theoretische oder an konkreten Einzelbeispielen und Autor*innenoeuvres orientierte Vorträge (maximal 20 Minuten). Diese dürfen gerne zugespitzt, herausfordernd und thesenhaft sein und sollten dazu beitragen, diesen extremen und für die Rezeption interpretationsprovozierenden Sonderfall der Mehrdeutigkeit mit negativem Vorzeichen besser zu verstehen, um durch vermeintliche Nichtinterpretierbarkeit Mehrdeutigkeiten zu beleuchten und jene Bereiche zu erhellen, in denen sich die Interpretation angeblich verdunkelt.

Potentiell interessierte Beitragende werden gebeten, sich mit Biobibliographie und kurzem Exposé bis zum 15. Juli 2021 zu melden: kay.wolfinger@germanistik.uni-muenchen.de

Auch ungewöhnliche und unkonventionelle Beiträge und Thesen sind explizit erwünscht.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu