CFP: Germanistentag 2022 – Panel „Überfluss: Ambivalenz und Metaphorik“, Paderborn (15.07.2021)

Cornelia Pierstorff's picture

CFP „Überfluss: Ambivalenz und Metaphorik“

27. Deutscher Germanistentag, Paderborn, 25.–28.09.2022

Panel im Themenbereich 1 (120 Minuten): Theoretische und methodische Zugänge

Organisation: Dr. Sebastian Meixner und Cornelia Pierstorff, M.A. (Universität Zürich)

 

Vom „überfließenden Wasser“ leitet sich die abundantia in der Rhetorik ab, die mit der Überfülle nicht nur das Klarheitsgebot der perspicuitas, sondern die oikonomia der Rede bedroht. Der Überfluss ist damit ein mehrdeutiger Begriff, der Ökonomie und Rhetorik verbindet. Dem rhetorischen Begriff liegt darüber hinaus bereits eine metaphorische Substitution zugrunde, die eine Ähnlichkeit des Zuviels von Wasser und Rede zuallererst herstellt und sie sogleich ambivalent bewertet: als „gesunde Fülle“ wie als „schädliches Übermaß“. 

 

In literarischen Texten verschärft sich diese Ambivalenz vor dem Hintergrund einer historisch schier omnipräsenten Wassermetaphorik. Damit wird deutlich, dass der Überfluss nicht nur als motivisches Element funktioniert, sondern strukturbildend ist. In diesem Sinne hat er eine Affinität zu erzählökonomischen Aspekten und bindet diese insbesondere an literarische Figuren und deren affektive Disposition: Herzen fließen über, Tränen strömen, ganze Familien bzw. ‚Häuser‘ gehen unter und überflüssige Figuren werden mehr oder weniger umstandslos liquidiert, so nur einige der geläufigen Beispiele für die metaphorische Rede vom Überfluss. 

 

Zugespitzt wird die Ambivalenz des Überflusses in literarischen Texten nicht zuletzt dann, wenn sie das überfließende Wasser ganz wörtlich nehmen und – etwa als Wasserwüsten, Hochwasser oder Sturmfluten – zum Schauplatz ihrer Handlung machen. Die Verbindung von literarischem Motiv und metaphorischer Übertragung versteht sich in dieser Konstellation allerdings nicht von selbst. Die Ambivalenz des Überflusses weist folglich zunächst auf die figuralen und tropologischen Grundlagen seiner Darstellung hin und fordert dazu heraus, auch den metapherntheoretischen Rahmen der Übertragung zu reflektieren. 

 

Das Panel will die ambivalente Rolle des Überflusses in vier Vorträgen von je 20 Minuten und mit anschließender Diskussion untersuchen. Willkommen sind einerseits Beiträge, die sich den Metaphoriken des Überflusses aus einer literaturtheoretischen, linguistischen oder rhetorischen Perspektive nähern. Andererseits sind auch Beiträge erwünscht, die den Überfluss in literarischen Texten analysieren. 

 

Vorschläge für 20-minütige Vorträge (max. 350 Wörter) und ein kurzer wissenschaftlicher CV bis zum 15.07.2021 erbeten an: sebastian.meixner@ds.uzh.ch und cornelia.pierstorff@ds.uzh.ch

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu