CFP: Journale als/in mediale(n) Konstellationen (15.03.2021)

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CALL FOR PAPERS
Journale als/in mediale(n) Konstellationen
Internationale Tagung der DFG-Forschergruppe „Journalliteratur“ (FOR 2288), 25.−27. November 2021 an der Universität zu Köln

Seit dem 19. Jahrhundert stellen Zeitungen und vor allem Zeitschriften als Metamedien zentrale Orte für die Diskussion und die Repräsentation medialer Entwicklungen und Konstellationen dar. Zum einen diskursivieren sie Medien und deren Verhältnisse zueinander in ihren Texten, zum anderen reproduzieren sie diese auch, indem sie sie z. B. in Gestalt von Abbildungen, Illustrationen und Reproduktionen intermedial in das eigene Format inkorporieren. Dabei thematisieren Journale nicht nur die Eigenarten der verschiedenen Medien in ihrer Umwelt, sondern reflektieren stets auch ihre eigene Medialität – sei es explizit in Artikeln über das eigene Format und die Journalkultur überhaupt, sei es implizit in ihrem Layout, ihren Text-Bild-Verhältnissen, ihrem graphischem Design. Das Journal weist eine besonders hohe integrative Offenheit gegenüber anderen Medien auf und scheint daher in besonderem Maße dazu geeignet, verschiedene Medienkonstellationen und ihre evolutiven Veränderungen beobachtbar zu machen.
Die Medialität des Journals wird derart beständig neu ausgehandelt und steht im steten Austauschprozess mit seiner medialen Umwelt. Dies wird dann besonders deutlich, wenn sich diese Umwelt durch den Aufstieg neuer Massenmedien massiv verändert. Dies gilt bereits im 19. Jahrhundert für die Umgestaltungen, welche durch die Telegrafie und die Fotografie hervorgerufen werden, in noch stärkerem Maße aber für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, da sich das Journal in diesem Zeitraum mit der Kinematografie und dem Radio Medienformaten gegenübersieht, deren Darstellungsoptionen und Distributionswege (im Gegensatz zu Bildern und Nachrichten) in keiner direkten Weise mehr auf der gedruckten Seite Platz finden können. Das Aufkommen des Fernsehens als konkurrierendem, mit der Außenzeit wie das Journal seriell verknüpftem Medium übernimmt den Platz des wichtigsten visuellen Nachrichtenkanals. Zugleich eröffnet das Fernsehen der Zeitschrift, wie zuvor Radio und Film, neue Genres, in denen Informationen zu diesen Medien organisiert und verbreitet werden. Das Journal unterhält mithin vielfältige Beziehungen zu diesen Medien, die sich stets auch mit der Frage von deren Darstellbarkeit im Medienformat des Journals auseinandersetzen. Solche Medienbeziehungen schlagen sich thematisch nieder und führen zu einer Ausdifferenzierung des Zeitschriftenmarkts und der Etablierung von Magazinen, die sich auf die Beobachtung anderer Massenmedien spezialisieren. Darüber hinaus beeinflussen diese Beziehungen in Gestalt von Remediatisierungsprozessen oder auch der Transkription von beispielsweise Montage- oder Serialisierungsverfahren maßgeblich die Ästhetik des Journals. An der Wende zum 21. Jahrhundert gerät die Medialität des Journals durch die Digitalisierung unter Veränderungsdruck, weil die materiellen Bestimmungsstücke nicht nur, aber auch für die Zeitschrift in Frage gestellt werden. Wenn Journale als digitale Ausgaben auftreten, wenn sie ihre Periodizität durch die Kombination mit Online-Angeboten steigern können, wenn alte Journale durch Digitalisierung in ihrem kompletten Verlauf digital greifbar gemacht werden, dann gilt es zu fragen, wie unter den Bedingungen dieser Transformation sich das Journal überhaupt noch als Medium fassen lässt.
Die Tagung interessiert sich weniger für die Konkurrenzverhältnisse zwischen den Medien, wie sie in medien- und kulturkritischen Diskursen immer wieder beschworen werden, als vielmehr für die Produktivkräfte, die sich in verschiedenen historischen Konstellationen zwischen dem Journal und anderen Verbreitungsmedien beschreiben lassen. Vor diesem Hintergrund wird grundsätzlich zu fragen sein, ob sich solche Konstellationen mit der Entstehung der verschiedenen Massenmedien (wie Film, Radio, Fernsehen) einerseits und digitalen Medien andererseits identifizieren und zu sinnvoll voneinander abgrenzbaren Epochen formieren lassen. Hiervon ausgehend lassen sich vier weitergehende Komplexe von systematischen Fragestellungen ausmachen, welche 1. die Medialität des Journals in sich verändernden materialen Kontexten, 2. Journale als mediale Konstellationen, 3. das Journal in medialen Konstellationen sowie 4. Verfahren der medialen Konstellierung behandeln. Diese Felder überschneiden sich vielfach, wenn beispielsweise die Affirmation der Journalmedialität durch Kontrastierung zu anderen Medien formiert wird oder Zeitschriften – z.B. im Falle von Filmzeitschriften oder Fernsehmagazinen – als mediale Konstellationen auftreten müssen, um in mediale Konstellationen eintreten zu können.

1. Die Medialität des Journals in sich verändernden materialen Kontexten

Wann und wie differenziert sich das Journal als Printmedium aus gegenüber anderen Printmedien? Wie verändert sich die Medialität des Journals im historischen Verlauf? Wie bezieht sich das Journal selbstreflexiv auf seine eigene Medialität? Wie hängt die Medialität des Journals von seiner Materialität ab? Was passiert mit dem Medium Zeitschrift, wenn die Materialität im Zeichen der Digitalisierung verloren geht? Wie verhalten sich beispielsweise die digitale Version einer Zeitschrift und die fluiden Zusatzangebote im Internet zur Printausgabe?

2. Journale als mediale Konstellationen

Welche verschiedenen Medien werden im Medienformat des Journals aufgenommen? Welche Verfahren, Formen und Formate werden hierbei eingesetzt? In welcher Form integrieren z.B. Kunstzeitschriften Kunstwerke – in fotografischer Reproduktion, als Holzstich, als grafische Beilage oder auch nur sprachlich beschrieben? Welche Konzepte (Remediation, Medienzitat, Intermedialität) stehen zur Verfügung, um solche Transfers zu beschreiben? Wie werden diese Medien innerhalb des Journals zum einen zueinander sowie zum anderen zur Medialität des Journals in Beziehung gesetzt? Lassen sich Konstellationen benennen, die stabile Beziehungen zu bestimmten generischen Formaten des Journals aufweisen? Welche historischen Veränderungen unterliegen solche Konstellationen und in welchem Verhältnis stehen solche Veränderungen zu druck- und reproduktionstechnischen Innovationen einerseits und globaleren Veränderungen in der massenmedialen Umwelt andererseits?

3. Journale in medialen Konstellationen

Auf welche Weisen nimmt das Journal Bezug auf andere Medien? Wie gestaltet sich beispielsweise die Konkurrenzsituation zum Buch, zum Film, zum Fernsehen? Wie reflektiert es den eigenen Ort innerhalb des Verbunds der Massenmedien und wie den Einfluss anderer Medien auf die eigene Ästhetik? In welchen Gestalten taucht das Journal als Gegenstand anderer Medien auf, wie wird dort seine spezifische Medialität entworfen? Wie grenzen sich Journale und Journalformate voneinander ab? Welche generischen, ideologischen, ästhetischen Konstellationen gehen sie miteinander, aber auch mit anderen Medien ein?

4. Verfahren der medialen Konstellierung

Gibt es transmediale Verfahren, welche vergleichbare Strategien verfolgen und ähnliche ästhetische Effekte produzieren, die im Journal und anderen Massenmedien gleichermaßen zum Einsatz gelangen?
Mit welchen Strategien simulieren Journale die Merkmale anderer Massenmedien, welche sie als für diese spezifisch unterstellen? Lassen sich verschiedene Typen der Remediatisierung beschreiben? Welche verschiedenen Medien werden dabei innerhalb des Journals zum Einsatz gebracht, um Bezüge zu Medien außerhalb des Journals herzustellen (wie z.B. Fotografie für Film, Noten für Musik)? Welche Verfahren (wie Montage- oder Serialisierungstechniken) werden von anderen Medien übernommen und in das eigene Format transkribiert?
 

Einreichungen
Zur Tagung sind für eine Länge von 30 Minuten konzipierte Vorträge eingeladen. Tagungssprachen sind Englisch und Deutsch, wobei empfohlen wird auf Englisch zu präsentieren, um die internationalen TeilnehmerInnen nicht von den Diskussionen auszuschließen. Reise- und Übernachtungskosten werden von der veranstaltenden Forschergruppe übernommen.
Zur Bewerbung bitten wir entsprechende Abstracts (im Umfang von maximal 500 Wörtern) und einen kurzen Lebenslauf (maximal 150 Wörter), die bis zum 15.03.2021 an media-constellations@uni-marburg.de eingesandt werden sollen.
Die Tagung wird organisiert von den Teilprojekten 1 (Daniela Gretz, Marcus Krause und Nicolas Pethes) und 5 (Alice Morin und Jens Ruchatz).
Die Tagung soll in Präsenz oder als hybride Veranstaltung durchgeführt werden. Angesichts der COVID-Pandemie lassen sich nach aktuellem Stand noch keine definitiven Aussagen zur letztlich realisierbaren Veranstaltungsform tätigen.
Rückfragen bitte an: media-constellations@uni-marburg.de
Website der Forschergruppe: www.rub.de/journalliteratur


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CALL FOR PAPERS
Periodicals as/in Media Constellations
International Conference of the DFG-Research Unit “Journal Literature“ (FOR 2288), 25.−27. November 2021, University of Cologne

From the 19th century on, periodicals—and especially magazines—, because of their capacity to act as meta-media, have been central sites to unfold and discuss media developments and constellations. On the one hand, they develop textual discourses on media and their relationships to one another; on the other hand, they also integrate other media, such as images, illustrations and reproductions, which are incorporated into their own format via intermedial processes and remediation. In doing so, journals not only address the idiosyncrasies of the various media in their environment, but also consistently reflect (on) their own mediality—whether explicitly in articles about their own format and journal culture in general, or implicitly in their layout, their text-image relationships, their graphic design. Because the form of periodicals displays a characteristic openness towards the integration of other media, it makes for an apt starting point to discuss different media constellations and their evolution(s).
The mediality of the periodical is constantly renegotiated and engages in a dialogue with its media environment. This is made particularly visible when the said environment undergoes substantial
changes, for instance when new mass media emerge. That was the case in the 19th century, when telegraphy and photography caused great social and epistemological transformations. It was even more so in the first half of the 20th century, when periodicals were confronted with the rise of cinematography and radio, both media whose forms of display and modes of distribution (in contrast to images and news) could no longer be inserted directly into the printed page. Later, television, that much in the same way as periodicals communicates serially with its audience, emerged as a competing medium and became a major site for the transmission of visual news. Yet, the apparition of television, like radio and film before, has foregrounded new genres of magazines focused on organizing and distributing their information. Periodicals thus managed to maintain diverse relationships to these media, relationships in which the issue of how to represent them on the journal page has always been central. These media relations in all their diversity have had multiple consequences on the periodical’s own mediality: they led to a thematical differentiation of the magazine market and the establishment of magazines that—like film and television magazines, for example—specialize in the monitoring of other mass media. Besides, processes of remediation or processes pertaining to the transcription of montage or serialization have had a decisive influence on the periodical's aesthetics. At the turn of the 21st century, the mediality of the periodical has yet again faced new transformations in the wake of a massive turn to digitalization, questioning the periodical’s (and other medium’s) material ontology. When challenged by new modes of operating—be it turning to digital-only editions, combining print and online versions thus increasing periodicity, or digitizing the entire run of discontinued magazines—can the periodical still be considered a medium at all?
As demonstrated by the questions raised above, the conference aims less at addressing the competitive relationships between various media—a matter repeatedly conjured up in media- and culture-critique discourses—but is rather interested in the productive mechanisms that connect periodicals and other distribution media, from which various historical constellations can be inferred. Against this background, one fundamental question is whether such constellations can be associated with the emergence of various mass media (such as film, radio, television) on the one hand and digital media on the other; and whether these constellations can be organized into a consistent, meaningful periodization. Subsequently, four aspects of periodical medialities emerge, that can be arranged into sets of systematic questions. They deal respectively with 1. the periodical’s mediality in shifting material contexts, 2. media constellations in periodicals, 3. periodicals as media constellations, and 4. processes of medial constellation. Of course, these topics are far from exhaustive; and they also often overlap, for example, in cases when the periodical’s mediality is defined in contrast with other media’s (1. and 3.), or when journals − e.g. in the case of film journals or television magazines − must develop their own medial constellations in order to partake in larger media constellations (2. and 3.).

1. The periodical’s mediality in shifting material contexts

When and how does the periodical as a print medium differentiate itself from other print media? At which moments in history does the mediality of the periodical change? To what extent does the periodical reflect on itself as a medium? To what extent does the mediality of the periodical depend on its printed and paper materiality? What happens to the periodical as a medium when its characteristic materiality is lost in the wake of digitization—of formerly paper-based holdings as well as of current titles? What relationships are articulated, for example, between the digital version of a periodical and/or the fluid additional offerings online, and the print edition? How are digital periodicals staged in relation to their journalistic original media format?

2. Periodicals as media constellations

Which are the different media integrated into the media format of the journal? Which methods, forms and formats do journals attempt to “translate”? For instance, under which conditions do art journals integrate works of art—through photographic reproduction, wood engraving, through including a
graphic supplement, or simply through describing them linguistically? What concepts (remediation, media quotation, intermediality) can be used to describe such transfers? How are the media included in the journal related to each other within the journal on the one hand, and to the mediality of the journal on the other? Which media engage in stable relationships with certain generic formats of the journal, forming identified constellations? What historical changes are such constellations subjected to, and how do these changes relate to innovations in printing and reproduction technology on the one hand, and to more global changes in the mass media environment on the other?

3. Periodicals in media constellations

Under what circumstances does the journal refer to other media? For example, does the competition developed with a medium like television, that is equally miscellaneous, serially and periodically organized, result in the formation of a new constellation? Does the journal display instances of reflecting on its own place within the network of mass media? Does it reflect on the influence of other media on its own aesthetics? If so, how does this manifest? Conversely, which forms of the journal are represented in other media, and how is its specific mediality characterized there? Are distinctions between journals and journal formats reverberated in other media representing journals? Are there examples where distinct journal formats cohere to form generic, ideological and/or aesthetic constellations with each other, but also with other media?

4. Processes of medial constellation

Are there transmedial processes, pursuing comparable strategies and producing similar aesthetic effects, that are used equally in the journal and other mass media? Alternatively, to which strategies do journals consistently resort to in order to simulate the characteristics of other mass media, which they assume to be specific to them? Which different media are used directly within the journal to create references to other media (such as photography for film, sheet music for music)? In the same way, which processes (such as montage or serialization techniques) are taken over from other media and transcribed into the journal format? From there, can different typologies of remediation be carved out?

Submissions
Lectures designed for a length of 30 minutes are invited to the conference. Conference languages are English and German, although it is recommended to present in English in order not to exclude the international participants from the discussions. Travel and accommodation costs will be covered by the organizing research group.
To apply, we ask for corresponding abstracts (maximum 500 words) and a short curriculum vitae (maximum 150 words), which should be sent to media-constellations@uni-marburg.de by 15.03.2021.
The conference is organized by subproject 1 (Daniela Gretz, Marcus Krause and Nicolas Pethes) and 5 (Alice Morin, Jens Ruchatz). The conference is to be held in presence or as a hybrid event. In view of the COVID pandemic, it is not yet possible to make definitive statements about the form of the event that can ultimately be realized.
Please contact media-constellations@uni-marburg.de if you have any questions.
Website of the research unit: www.rub.de/journalliteratur

Contact Email: 

media-constellations@uni-marburg.de

URL: 

http://www.rub.de/journalliteratur