KONF: Pop, Produktion und Pandemie – Populärkultur und Kulturwirtschaft unter Corona-Bedingungen (19.2.2021)

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Pop, Produktion und Pandemie – Populärkultur und Kulturwirtschaft unter Corona-Bedingungen

13. Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien in der Gesellschaft für Medienwissenschaft

 

19. Februar 2021

Online-Veranstaltung (Zoom)

 

Organisation: Dr. Mario Anastasiadis (Bonn), Dr. Charis Goer (Utrecht) und Dr. Jörg-Uwe Nieland (Friedrichshafen)

 

 

Wohl kaum ein Bereich ist durch die Covid-19-Pandemie so existentiell getroffen wie die Kulturwirtschaft und die Populärkultur. Die Lockdowns mit den vielen medizinisch gebotenen Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens seit dem Frühjahr 2020 wirken sich in allen Bereichen populärer Kultur (Musik, Event, Film, Literatur, Sport etc.) in besonders drastischer Weise aus. Dies gilt sowohl für Kulturschaffende, für zahlreiche Akteur*innen der Kulturproduktion und -vermittlung, für die gesamte Wertschöpfung als auch für die Rezeption, also das konkrete Erleben von Kunst und (Pop-)Kultur im Alltag der Menschen.

 

Zugleich wird die Kultur- und Kreativwirtschaft in der ,Kulturnation Deutschland‘ bislang nicht im gleichen Umfang durch staatliche Unterstützungsprogramme abgesichert wie andere gesellschaftliche Kernbereiche (etwa Industrie, aber auch die Bildung). Wenn Kinosäle und Theater leer bleiben, Konzerte und Festivals ausfallen, Clubs und Spielstätten von Schließung bedroht sind, Sportveranstaltungen ohne Zuschauer abgehalten werden, sind nicht nur diejenigen auf der Bühne und vor der Kamera betroffen, sondern auch viele im Hintergrund. Für große Teile der Kultur- und Kreativwirtschaft sind die Lockdowns existenzbedrohend, insbesondere im Bereich der populären Kultur, da diese besonders oft von freien Kulturschaffenden ohne feste institutionelle Anbindung und verlässliche öffentliche Förderung getragen wird.

 

Somit stellt sich auch die Frage, ob es zu einer politischen und gesellschaftlichen Abwertung von (Pop-)Kultur kommt und welcher Stellenwert ihr hinsichtlich ihrer Systemrelevanz zugebilligt wird. Die augenblickliche Disruption von populärer Kultur, Kultur- und Kreativwirtschaft lässt eine nachhaltige Veränderung der Kulturlandschaft insgesamt befürchten, weswegen die momentan geführten öffentlichen Debatten ein nicht selten düsteres Bild der zu erwartenden Entwicklungen zeichnen. Werden Kulturwirtschaft und Populärkultur als wichtige Motoren einer offenen, diversen und partizipativen Gesellschaft vergessen, drohen – so ein zentrales Argument – über die zu befürchtende weitere Verringerung der Lebensqualität vieler Menschen und die Schäden der kulturellen Landschaft insgesamt hinaus auch direkte Auswirkungen auf weitere Teile der Gesellschaft, wie etwa Gastronomie, Tourismus und Hotelgewerbe. Nicht zuletzt fungiert der Bereich der Populärkultur auch als Gradmesser für die gesellschaftliche Akzeptanz der pandemiebedingten Einschränkungen insgesamt. Auf dem Prüfstand stehen die Strukturen und Prozesse der Kulturpolitik, konkret der Förderung der Populärkultur (durch Programme der Kultur-, Wirtschafts- und Finanzministerien).

 

Neben zum Teil öffentlichkeitswirksamen Protesten – von Aktionen des Bündnisses #AlarmstufeRot bis zum Auftritt von Die Ärzte in den „Tagesthemen“ – sind zahlreiche Formen der Anpassung der Kulturschaffenden zu beobachten, die den neuen Rahmenbedingungen mit neuen Produktions-, Präsentations- und Vermittlungsformaten begegnen: Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und Ausstellungen werden als Online-Veranstaltungen oder hybride Formate durchgeführt. Social Media und Streaming gewinnen dabei erheblich weiter an Relevanz. Entstanden sind auch neue Handlungsfelder und Kooperationen (inklusive Solidaritäts- und Protestformen) ebenso wie neue Einnahmemöglichkeiten. Für die Rezipierenden ergeben sich dadurch trotz und teils gerade wegen der Einschränkungen viele neue Formen, Kontexte und Anlässe des Erlebens und der Teilhabe an Populärkultur. Diese vielfältigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Populärkultur und Kulturwirtschaft sollen im Rahmen der Tagung in interdisziplinärer und internationaler Perspektive mit Wissenschaftler*innen und kulturellen Akteur*innen verschiedener Sparten diskutiert werden.

 

 

Programm

 

10:00 Beginn

  • Dr. Mario Anastasiadis (Universität Bonn), Dr. Charis Goer (Universität Utrecht) und Dr. Jörg-Uwe Nieland (Zeppelin Universität Friedrichshafen): Begrüßung und Einführung

 

10:15 Panel 1: Musik, Konzerte, Festivals und Clubkultur unter Corona-Bedingungen (Moderation: Dr. Mario Anastasiadis)

Impuls und Diskussion

  • Prof. Dr. Christoph Jacke und Dominik Nösner (Universität Paderborn): ,Bleibt alles anders‘? Vorläufiges Erfahrungswissen zur Transformation von (Medien-)Kulturen des Pop-Business in Pandemie-Zeiten

Statements

  • Julian Schmitzberger (Universität Göttingen): Nacht ohne Leben – Clubs ohne Kultur? Reflexionen aus dem zweiten Lockdown
  • Heiko Rühl (Universität zu Köln) und Niklas Blömeke (Universität Paderborn): Keine Atempause – zur Situation von Musikclubs in Deutschland
  • Jun.-Prof. Dr. Beate Flath (Universität Paderborn): Berufliche Selbstverständnisse innerhalb der regionalen Veranstaltungsbranche in Ostwestfalen-Lippe (OWL). Erste Ergebnisse einer explorativen Studie im Kontext der Covid-19-Pandemie
  • Philipp-Jacob Pahl (Budde Talent Agency Berlin/Köln): Live-Business und Corona – ein Erfahrungsbericht
  • Dr. Martina Kalser-Gruber (Universität Krems): Krisen-PR in Zeiten von Covid-19. Überlebensstrategien für das Genre Musical im deutschsprachigen Raum
  • Randy Fink (TU Dresden): Pandemiestatisterie. Die Statisterie unter Pandemiebedingungen

Diskussion

 

12:15 Pause

 

13:15 Panel 2: Neue Medienformate und Vermittlungsformen unter Corona-Bedingungen (Moderation: Dr. Charis Goer)

Impuls und Diskussion

  • Karsten Strack (Literaturbüro OWL Detmold und Lektora Verlag Paderborn) und Ninia Binias (Büro für Popkultur Hannover, Slam-Poetin und Journalistin): Digitale Literatur- und Kulturlandschaften – wer gut ernten will, sollte Ahnung vom Saatgut haben

Statements

  • Dr. Sigrun Meinig (Universität Hamburg und Universität Göttingen): Return of the Decameron. Einige Entwicklungen in der englischsprachigen literarischen Welt
  • Rebecca Heinrich (Universität Freiburg, Autorin und Kulturvermittlerin) und Siljarosa Schletterer (Universität Innsbruck, Autorin und Veranstalterin): »ihr lest keine lyrik, seid ihr wahnsinnig?«. Poesie in Zeiten der Pandemie oder: Der neue Pop der Lyrik
  • Dr. Teresa Cañadas (Universität Complutense Madrid): Kinderliteratur unter Corona-Bedingungen in Spanien. Postdigitale Überlebensstrategien
  • Benet Lehmann (HU Berlin) und Paul Schacher (Universität Leipzig): Public History in der Corona-Pandemie. Blick zurück – und Blick nach vorn?

Diskussion

 

14:45 Pause

 

15:15 Panel 3: Sport unter Corona-Bedingungen (Moderation: Marie-Charlotte Simons, DFG-Graduiertenkolleg Ästhetische Praxis Hildesheim)

Impuls und Diskussion

  • Dr. Jörg-Uwe Nieland und Felix Krell (Zeppelin Universität Friedrichshafen): Pandemie-Sport – zu Veränderungen der medialen Produktion und Wahr-nehmung von Wettkämpfen

Statements

  • Jos Diegel (Pro-Wrestler und Künstler): „Wir waren das einzige emanzipierte Publikum beim Wrestling.“
  • Prof. Christof Seeger (Hochschule der Medien Stuttgart): Organisation und Kommunikation unter Stress und Unsicherheit – Sportvereine und die Pandemie
  • Dr. Philip Sinner (Universität Salzburg): Die Motive von Fans und Interessierten als Faktor. Social-Media-Kommunikation in der Bundesliga und ihre Potenziale in der Covid-19-Pandemie
  • Robby Hunke (ARD-„Sportschau“): Sportjournalismus in Zeiten der Pandemie. Neue Themen und Ansprachen

Diskussion

 

16:45 Zusammenfassung, Reflexion und Ausblick

 

17:15 Pause

 

17:30 Mitgliederversammlung der AG Populärkultur und Medien

 

18:30 Ende

 

Die Beiträge und Diskussionen werden in jedem Themenfeld durch die folgenden drei Perspektiven gerahmt, sind auf diese jedoch nicht beschränkt:

  • 1. Auswirkungen der Pandemie auf Populärkultur und Kulturwirtschaft (Bestandaufnahme und Erfahrungen zum Ausmaß der wirtschaftlichen und auch kreativen Einschränkungen)
  • 2. Reaktionen der Popkultur und Kulturwirtschaft (Transformationsprozesse, Anpassungen, Strategien, Beschreibung und Einschätzung neuer Online-, Offline- und Hybridformate)
  • 3. Übergang in die neue Normalität (Angebote und Formate, Strukturen und Regelungen, Rezeptionsweisen und Praktiken, die nach der Pandemie weiter Bestand haben)

 

Anmeldung: Die Teilnahme an der Tagung erfordert keine Mitgliedschaft in der AG oder der GfM und ist kostenlos. Bitte melden Sie sich bei Interesse dazu mit einer kurzen Nachricht an die E-Mail-Adresse der AG an: agpopundmedien@googlemail.com. Wir senden Ihnen dann rechtzeitig vor Beginn die Zugangsdaten (Zoom).

 

Weitere Informationen: http://ag-pop.de/popkongress-2021/

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu