CFP: GSA 2021 - Panel: Droste revisited. (Re-)Lektüren zu Annette von Droste-Hülshoff, Indianapolis (05.02.2021)

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GSA 2021: Panel: Droste revisited. (Re-)Lektüren zu Annette von Droste-Hülshoff

Organisation: Alina Boy (Köln), Dr. Vanessa Höving (Hagen), Antonia Villinger (Bamberg)

Dass Annette von Droste-Hülshoff die einzige kanonisierte Autorin des 19. Jahrhunderts ist, liegt unter anderem auch daran, dass ihre Judenbuche 1876 in Paul Heyses Novellenschatz aufgenommen wurde. Die Erzählung gehört zum ‚Westfalenwerk‘ Drostes, zu dem auch vergleichsweise weniger rezipierte Texte wie Bei uns zu Lande auf dem Lande oder die Westphälischen Schilderungen zählen. Sind die Judenbuche und Gedichte und Balladen wie Der Knabe im Moor fester Bestandteil schulischer und universitärer Lektüre, werden Versepen wie Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard, Prosa wie Ledwina oder Dramen wie Bertha oder die Alpen deutlich seltener gelesen. Gleichwohl ist das Interesse an Droste weiterhin groß. Das 2018 erschienene Droste-Handbuch betont die Rolle der Autorin im literarischen Kanon, zur breiteren Rezeption trägt auch ein 2014 publizierter Reclam-Interpretationsband zu Droste-Gedichten bei. Das Center for Literature auf Burg Hülshoff öffnet Drostes Werk u.a. mit dem Droste-Festival in Richtung Gegenwartsliteratur, -kunst und -kultur sowie aktuelle gesellschaftspolitische Fragen. Darüber hinaus überführen verschiedene Arbeiten Drostes Autorinnenfigur und Texte in neue mediale Kontexte: Genannt seien zum Beispiel die von Claudia Ahlering und Julian Voloj vorgelegte Adaption der Judenbuche als Graphic Novel (2017), Karen Duves Roman Fräulein Nettes kurzer Sommer (2018), die Playmobil-Version der Judenbuche des YouTube-Kanals „Sommers Literaturgeschichte to go“ sowie Rezitationen und Inszenierungen wie Annette von Droste-Hülshoff (mit Barbara Kleyboldt, Roto Theater Dortmund) oder Ledwina (BRITNEY powered by Schauspiel Köln).

Das Panel lädt dazu ein, sich neben kanonischen Texten auch mit weniger rezipierten Teilen des Œuvres auseinanderzusetzen: Ziel ist es, neue Lektüren vielgelesener Texte und auch weniger besprochenen Materials zu sammeln. Mögliche thematische und methodische Zugänge sind breit gefächert. Die Beschäftigung mit Drostes Texten, die lange durch das prominente Autorinnenbild des westfälisch-katholischen Adelsfräuleins geprägt – und das heißt auch: verstellt – war, hat sich in den letzten Jahren kulturwissenschaftlichen Fragestellungen geöffnet. Untersucht wurden und werden beispielsweise textuelle Konfigurationen von Raum oder Zeit, Genre- und Geschlechterverhandlungen, Schreibszenen und Schreibprozesse, Konstellationen von Literatur, Umwelt und Natur, Drostes Autor:innen-Netzwerke, Medialitätsverhandlungen oder Krankheit. An diese Ansätze anschließend und diese erweiternd könnten sich die Beiträge beispielsweise folgenden Fragen widmen:

  • Welche (Neu-)Perspektivierungen kanonischer und weniger rezipierter Texte ergeben sich mit Rekurs auf Überlegungen etwa der Queer Studies und Body Studies, der Media und Performance Studies, der Material Culture Studies, des Nature Writing und Ecocriticism oder der Literary Animal Studies?

  • Lesen sich Drostes Texte in einer achronologischen Perspektive, an Elisabeth Bronfens Crossmapping oder Mieke Bals Preposterous History anschließend, vor der Folie jüngerer Arbeiten, medialer Adaptionen und Modifizierungen neu?

  • Welche (Neu-)Perspektivierungen ergeben sich in der Beschäftigung mit Drostes Briefen, anderweitigen Schriftzeugnissen oder Zeichnungen, etwa in Bezug auf theoretische Überlegungen zu Nachlass-, Text- und Veröffentlichungspolitik oder Inszenierungen und Konzeptionen von Autor:innenschaft?

 

Abstracts von etwa 400 Wörtern für ca. 20-minütige deutsch- oder englischsprachige Vorträge sowie kurze biographische Informationen können bis zum 5. Februar 2021 an Alina Boy (boy.alina@uni-koeln.de), Vanessa Höving (vanessa.hoeving@fernuni-hagen.de) und Antonia Villinger (antonia.villinger@uni-bamberg.de) geschickt werden.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

 

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