CFP: „Hacks in der Unterwelt“ – Das poetische Werk nach ’89, Berlin (18.04.2021)

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„Hacks in der Unterwelt“ – Das poetische Werk nach ’89

 

Termin: 13. November 2021, 10.00 - 18.00 Uhr
Ort: Magnus-Haus Berlin, Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin

 

Das Ende der DDR stellte für Peter Hacks einen wichtigen Einschnitt dar. Seit seiner Übersiedlung in den sozialistischen deutschen Staat hatte er auf dessen Bedeutung gebaut. Noch 1987 legte er Ronald M. Schernikau nahe, in die DDR überzusiedeln, sofern er ein großer Dichter werden wolle, denn sie allein stelle – »auf ihre entsetzliche Weise – die Fragen des Jahrhunderts«.

Dass nach 1989/90 diese Fragen für Hacks nicht mehr, oder zumindest nicht auf der zuvor möglichen Ebene, behandelt werden konnten, hat er mit den Bandtiteln seiner Werkausgabe bezeichnet. Dort gibt es vier Bände mit »Dramen« aus der Zeit der DDR, während die Bühnenwerke, die vor und nach dieser Zeit entstanden, als »Frühe« und »Späte Stücke« zusammengefasst werden. Damit markierte Hacks, dass die politische Zäsur zugleich eine poetologische war. Seine Adaptionen von Jacques Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt«, die in einer Opern- wie in einer Operettenfassung vorliegt, verarbeiten also die Lage, in die Hacks geraten war – freilich ohne direkte Klage und durch die Auseinandersetzung mit einem fremden Werk vermittelt.

»Hin und wieder ein Gedicht / Schreibt er noch aus Dichterpflicht« – diese Selbstauskunft, mit der Hacks das Gedicht »Jetztzeit« abschließt, scheint seine Arbeit nach dem Ende der DDR widerzuspiegeln. Doch führen die Verse in die Irre. Besonders in der ersten Hälfte der vierzehn Jahr, die Hacks nach der Maueröffnung noch lebte, entstand ein umfangreiches Werk, das alle für ihn relevanten Textgattungen umfasst. Neben mehreren Essays und Miszellen, zahlreichen Gedichten, der Anekdotensammlung »Was ist das hier?«, der Erzählung »Gräfin Pappel« dem Kinderroman »Prinz Telemach und sein Lehrer Mentor« sowie einer Handvoll Märchen für Kinder sind das elf »Späte Stücke« und drei Dramoletts, die Hacks wenige Wochen vor seinem Tod schrieb. Auch die späte Fassung des »Numa« fällt in die Zeit nach 1990, Hacks hat sie eigens für die Werkausgabe geschrieben.

Das späte Bühnenwerk ist breit gefächert. Neben einer Verkleidungskomödie (»Fafner, die Bisam-Maus«) finden sich neben den genannten Offenbach-Fortschreibungen eine Aristophanes-Bearbeitung (»Der Geldgott«), biographische Szenen (»Der Maler des Königs«, »Die Höflichkeit der Genies«) und Staatsdramen (»Bojarenschlacht«, »Tatarenschlacht«, »Der falsche Zar«, »Der Bischof von China«).

Wenn auch die Reihe von Inszenierungen dieser Stücke überschaubar ist, so sind sie doch ebenso wie die späten Gedichte immer wieder vom politischen Feuilleton rezipiert worden. Die Zahl wissenschaftlicher Analysen ist dagegen geringer. Dem will die geplante Tagung abhelfen, für die besonders Vorträge willkommen sind, die auf die Darstellung einzelner Werke oder Werkgruppen abzielen. Damit verbunden oder darüber hinaus auch übergreifend können z. B. folgende Fragestellungen abgehandelt werden:

  • In welcher Weise bezieht sich Hacks auf ästhetische Vorbilder – sei es auf konkrete Werke (u.a. »Orpheus«, »Der Geldgott«), Stoffe (»Genovefa«, »Der Bischof von China«) oder Genres (die Couplets in »Jetztzeit«)?
  • Wie ist das Werk nach 1989 vom zuvor Entstandenen zu unterscheiden, sei es auf formaler oder auf sprachlicher Ebene? Wo gibt es ästhetisch wie auch inhaltlich unter den neuen Bedingungen Kontinuitäten? Welche Funktion haben Wandel wie Beharren?
  • Welche Bezüge gibt es zwischen dem literarischen Werk und einer deutlicher als zuvor politisch zugespitzten Essayistik? Gibt es Übergangsformen zwischen politischen Interventionen und einer offenkundig stark literarisierten Gestaltungsweise, wie etwa im umstrittenen Essay »Zur Romantik«? Welche Rolle spielt das Mittel der Polemik im späten Werk?
  • Welchen Platz im literarischen Leben nach 1989/90 suchte Hacks, welcher Platz wurde ihm von Feuilleton und Wissenschaft zugeschrieben? Spielten die Publikationsmöglichkeiten eine Rolle für die literarische Produktion?
  • Welche Aufführungsgeschichte (oder Nichtaufführungsgeschichte) erlebten die Stücke? Welche Erfahrungen haben Regisseure, Dramaturgen, Schauspieler dabei gesammelt?
  • Welches Verhältnis zwischen Bezügen auf der Vergangenheit (hier: seinen immer wieder erneuten Versuchen, die Niederlage der DDR und des Realsozialismus überhaupt zu erfassen), dem Bild der Gegenwart mit ihren allgegenwärtigen innerkapitalistischen Antagonismen und Ausblicken auf eine mögliche Zukunft gestaltet Hacks? Oder fallen angesichts einer scheinbar übermächtigen Gegenwart die Zeiten auseinander?

Über diese Fragen hinaus sind jegliche Vorträge willkommen, die der Erhellung von Hacksens literarischem Spätwerk dienen.

Vorschläge für Tagungsbeiträge können bis zum 18. April 2021 schriftlich oder per E-mail an Peter-Hacks-Gesellschaft e.V., Herrn Burkhard Schmidtke, Torstr. 6, 10119 Berlin, Telefax 030-23 80 91 23, E-Mail: kontakt@peter-hacks-gesellschaft.de erfolgen.

Die Vortragslänge beträgt idealerweise 20, maximal 30 Minuten. Ausgewählte Referate werden im Hacks Jahrbuch 2022 veröffentlicht.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu