ANK: Einladung zur Teilnahme an der Publikation: Deutschsprachige Literatur in Brasilien und brasilianische Literatur auf deutsch - aus dem Blickwinkel der Übersetzung (02.2021)

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A Literatura de expressão alemã no Brasil e a Literatura brasileira em expressão alemã - o olhar da tradução

Deutschsprachige Literatur in Brasilien und brasilianische Literatur auf deutsch - aus dem Blickwinkel der Übersetzung

Historische und kulturelle Beziehungen zwischen den Völkern portugiesisch-brasilianischer und denen deutscher Sprache bestehen seit langem. Man mag an Hans Staden als einer archetypischen Figur dieser Wechselseitigkeit denken. Seine authentische historische Darstellung von Ritualen anthropophager Indios im Bericht aus dem Jahr 1557 (Bremer 1996) erfuhr während des brasilianischen Modernismus eine symbolische Wendung hin zum Prinzip der kulturellen Anthropophagie. Die Begegnungen  von Deutschen mit dem brasilianischen Territorium waren ganz unterschiedlich akzentuiert. Baron von Eschwege stellte geognostische sowie topografische Untersuchungen an und erforschte die mineralischen Reichtümer Brasiliens: Diamanten, Gold und anderes. (Eschwege 1930) Der Zoologe Johann Baptiste von Spix und der Botaniker Martius Staden, Autoren von unbestrittenem wissenschaftlichem Rang, sind Beispiele für das europäische Interesse, das anfangs den natürlichen Formen galt (Boden, Klima, Fauna und Flora), um in der Folge auch die brasilianische Literatur einzubeziehen. (Zilliy 2012: VII) Os Sermões des Paters António Vieira (1608-1697) wurden ab 1843 von Franz Joseph Schermer (Fastenpredigten und andere) übersetzt, und es liegen seit dem 19. Jahrhundert verschiedene deutschsprachige Versionen sowohl des Gedichts "A canção do exílio" (Lied aus der Verbannung) von Gonçalves Dias als auch von den Romanen José de Alencars vor. Seit etwa 1820, in der Folge der politischen Unabhängigkeit und auch der Migrationsbewegungen nach Brasilien, übernimmt die Übersetzung eine Schlüsselfunktion im Blick auf die Koexistenz von Völkern verschiedener Nationen. In der Zeit zwischen 1933 und 1945 nahm Brasilien in nennenswerter Zahl vom Nazismus verfolgte Flüchtlinge auf, unter ihnen Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler, denen die Arbeit in ihrer Heimat untersagt worden war.   
Im Zusammenhang der Literatur führte der Zuzug von Migranten jüdischer, deutscher, österreichischer oder anderer Herkunft, denen die deutsche Sprache gemeinsam war und die sich in der terra brasilis niedergelassen hatten, zu kulturellen Veränderungen und trug dazu bei, die literarischen Horizonte Brasiliens zu erweitern und den methodischen Apparat zu bereichern. Durch einen Blickwechsel also und komparatistische Lektüre erlangt die Übersetzung nach und nach den Rang einer unverzichtbaren Disziplin im synkretistischen Universum der brasilianischen Bevölkerungsgruppen mit der Konstruktion von interdisziplinären Brücken, die dann auch die Begrenzungen der geisteswissenschaftlichen Fächer sprengen. 

Das geplante Dossier Deutschsprachige Literatur in Brasilien und brasilianische Literatur auf deutsch - aus dem Blickwinkel der Übersetzung soll einen Raum bereitstellen, in dem übersetzungswissenschaftliche Studien und Übersetzungen selbst reflektiert werden. Fragestellungen von in der Entstehung befindlichen Übersetzungsprojekten sollen formuliert werden, und zwar so, dass sie als Orientierung für künftige Unternehmungen an der Schnittlinie der beiden Sprachen dienen können. Auf diese Weise sollen wissenschaftliche und institutionelle Notwendigkeiten einerseits und der Wunsch nach einem Dialog zwischen den Literaturübersetzern und Übersetzungswissenschaftlern andererseits zusammengeführt werden. Das Dossier der Cadernos da Tradução soll Anfang 2021 herausgegeben werden.

Interessenten beachten bitte die Normen der Cadernos da Tradução unter dem folgen Link:   https://periodicos.ufsc.br/index.php/traducao/about/submissions#authorGuidelines

Arbeiten werden bis Februar 2021 erbeten. 

Herausgeber: 
Maria Aparecida Barbosa und Werner Heidermann
aparecidabarbosaheidermann@gmail.com
heidermann@gmail.com

Quellen: 

BREMER, Georg. Die unerhörten Abenteuer der deutschen Konquistadoren Hans Staden und Ulrich Schmidel. Zürich: Schweizer Verl.-Haus, 1996.

ESCHWEGE. Pluto Brasiliensis. Collectanea de Scientistas Extrangeiros (assumptos mineiros). Tradução e anotações finaes de Rodolpho Jacob. Bello Horizonte: Imprensa Official de Minas Geraes, 1930.

ZILLY, Berthold. "Vorwort". In: KÜPPER, Klaus. Bibliographie der brasilianischen Literatur. Prosa, Lyrik und Drama in deutscher Übersetzung. Köln: Klaus Küpper/TFM, 2012. 

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Constanze Baum] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

 

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