CfP: Übersetzungsszenen/ Scenes of Translation/ Scènes de la traduction (01.02.2021)

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CfP: Übersetzungsszenen/ Scenes of Translation/ Scènes de la traduction (London, 2. Juli 2021)

 

Die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Rebecca Walkowitz hat in ihrem viel beachteten Buch Born Translated (New York 2015) die Beobachtung aufgestellt, dass die Literatur unserer Gegenwart immer öfter das Thema des Übersetzens aufgreift. Die Erzählliteratur, so Walkowitz, reagiere auf die noch nie dagewesene Intensität, in der literarische Texte heute über den Erdball zirkulierten, indem sie Übersetzer*innen als Held*innen auftreten lasse, Prozesse sprachlicher Übersetzung darstelle, oder aber die transnationalen Wege der Literatur nachzeichne. Zu diesem vielschichtigen und noch zu wenig vermessenen literarischen Phänomen gehört auch das immer häufigere Auftauchen von Übersetzungsszenen.

Der geplante Workshop hat es sich zum Ziel gesetzt, dieses noch kaum beachtete Phänomen, verstanden als Handlungssegment, in dem literarische Figuren einen Text von einer Ausgangs- in eine Zielsprache übersetzen, erstmals in synchroner und diachroner Perspektive zu untersuchen.

Im Mittelpunkt des Interesses sollen Übersetzungsszenen der deutsch-, englisch-, französisch-, italienisch- sowie spanischsprachigen Literatur stehen, solche aus aktuellen Texten, bspw. Annette Hugs Wilhelm Tell in Manila (2017) oder Melinda Nadj Abonjis Tauben fliegen auf (2010), ebenso wie aus klassischen Werken, bspw. William Shakespeares A Midsummer Night’s Dream (1595/6), Miguel de Cervantes’ Don Quijote (1605/15) oder Johann Wolfgang von Goethes Faust I (1808).

Die übergeordnete Leitfrage des Workshops lautet, inwiefern die Literatur, indem sie anhand von Übersetzungsszenen Bilder, Geschichten und Handlungsverläufe für das Übersetzen inszeniert, ein genuin literarisches Wissen von der Kulturtechnik des Übersetzens generiert, das von anderen Formen der Reflexion über das Übersetzen, bspw. der Geschichte und Theorie der Übersetzung, zu unterscheiden ist? In diesem Sinne ersuchen wir um Beiträge, die zu einer genaueren Profilierung des Phänomens der Übersetzungsszene beitragen, indem sie (I) Konventionen/ Topoi solcher Szenen herausarbeiten, (II) Kontinuitäten und Verschiebungen in der Geschichte der Übersetzungsszene sichtbar machen, (III) vergleichende Analysen zu den der Übersetzungsszene verwandten Phänomenen, der Lese- oder Schreibszene bzw. literarischen Mehrsprachigkeit, anstellen, oder aber eine (IV) Einordnung und Reflexion des Phänomens in den breiteren Komplex der ‘Translationsfiktion‘ (Reinhard Babel) vornehmen.

 

Der Workshop soll am 2. Juli 2021 am Institute of Modern Languages Research der School of Advanced Study, University of London (Senate House Malet Street London WC1E 7HU), stattfinden. Organisiert wird er von Robert Leucht (Lausanne, robert.leucht@unil.ch), Angela Sanmann-Graf (Lausanne, angela.sanmann@unil.ch), und Godela Weiss-Sussex (IMLR, godela.weiss-sussex@sas.ac.uk).

 

Bitte senden Sie Ihren Vorschlag (200-300 Wörter) für einen 25-minütigen Beitrag bis zum 1. Februar 2021 an die Organisator*innen. Sie werden alle Vorschläge begutachten und sich bis zum 1. März 2021 bei allen Bewerber*innen melden. Die Sprache des Workshops ist Englisch. 

 

INSTITUTE OF MODERN LANGUAGES RESEARCH
School of Advanced Study | University of London
Senate House | Malet Street | London WC1E 7HU

https://modernlanguages.sas.ac.uk