CFP: Bourdieu in der Germanistik (15.01.2021)

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Bald zwei Jahrzehnte nach seinem Tod ist das Werk des Soziologen Pierre Bourdieu aus vielen Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften nicht mehr wegzudenken. Zentrale Konzepte aus seinem Forschungsprogramm werden in den jeweiligen Disziplinen adaptiert und weiter ausdifferenziert. Attraktiv scheint Bourdieu auch deshalb zu sein, weil der mit seinem Begriffsinventar (u.a. „Habitus“, „Feld“ oder „Kapital“) verbundene universelle Erklärungsanspruch ein Potential für vielfältige interdisziplinäre Projekte eröffnet.

 

Wie aber sieht es mit der Anwendung der Bourdieuschen Konzepte und Theorien in der Germanistik aus? Sowohl in der Literatur- als auch in der Sprachwissenschaft ist der Widerhall im Vergleich zu anderen Philologien bis heute schwach. In der Sprachwissenschaft blieb nach dem Boom der Soziolinguistik in den 1970er und 80er Jahren eine umfassende Beschäftigung mit Bourdieu aus. Die diversen und auch profunden, sich auf Bourdieu berufenden literaturwissenschaftlichen Forschungsbeiträge wiederum sehen sich nicht selten dem Vorwurf ausgesetzt, den eigentlichen Gegenstand des Faches, den literarischen Text, zu vernachlässigen und literarische Prozesse einem abstrakten Schematismus zu unterwerfen.

 

Der Workshop „Bourdieu in der Germanistik“ soll, erstens, den bisherigen Forschungsstand in der Germanistik bilanzieren und vor allem, zweitens, einen Blick auf die Potentiale einer mit Bourdieu arbeitenden Germanistik werfen. Kann und muss Bourdieu ein größerer Stellenwert in einem stärker an empirischen, digitalen und interdisziplinären Arbeitsweisen orientierten Fach eingeräumt werden? Drittens soll diskutiert werden, inwiefern Bourdieus Arbeiten einen produktiven Bezugsrahmen für einen stärkeren Austausch von Sprach- und Literaturwissenschaftler:innen bieten können.

 

Wir laden Promovierende, aber auch Postdoktorand:innen ein, ihre entsprechenden germanistischen Forschungsprojekte im Workshop vorzustellen und zu diskutieren. Als Keynote-Beiträger:innen konnten Prof. Dr. Markus Joch (Department of German Literature der Keio University Tokyo) sowie Prof.in Dr. Helga Kotthoff (Deutsches Seminar - Germanistische Linguistik der

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) gewonnen werden. Der Workshop findet am 25. März 2021 online statt. Geplant ist ein anschließender Sammelband für Anfang 2022 zum 20. Todestag von Bourdieu.

 

Kurze Abstracts (max. 2500 Zeichen) für Workshop-Beiträge (ca. 20 Minuten) erbitten wir bis zum 15. Januar 2021 an haimo.stiemer@uni-oldenburg.de und karsten.schmidt@uni-osnabrueck.de zu senden. Eine Auswahl für den Workshop erfolgt bis Ende Januar.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu