TAGB: Paul Celan – »sah daß ein Blatt fiel und wußte, daß es eine Botschaft war«

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Paul Celan – »sah daß ein Blatt fiel und wußte, daß es eine Botschaft war«

Paul Celan ist ein Dichter, der das Stumme und vor allem auch zum Verstummen Gebrachte wieder hörbar macht: uns durch die Sprache darauf weist, was in der Sprache fehlt. Ihm widmete sich anlässlich seines 100. Geburtstages und seines sich zum 50. Mal jährenden Todestags eine Fachtagung der PH Burgenland in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Eisenstadt, konzipiert und organisiert von Prof. Dr. Martin A. Hainz.

Vor zahlreichen Studierenden, Lehrkräften, aber auch einem internationalen Publikum sprachen auf der Zoom-Konferenz Kenner_innen des Werks, um dessen Facetten und dessen Dringlichkeit, die in ihrer einleitenden Rede Vizerektorin Prof. Inge Strobl-Zuchtriegl veranschaulichte, zu zeigen, wobei es teils um neue Erkenntnisse der regen Celan-Forschung, zum anderen aber auch um Interpretationsprobleme oder Rekalibrierungen dessen, was man zu wissen glaubt, ging. Durch den Tag führten moderierend dabei neben dem Veranstaltenden auch Prof. Dr. Eva Maltrovsky sowie Dr. Lukas Pallitsch.

Prof. Dr. Leonard M. Olschner (Queen Mary University of London) bot und befragte eingangs instruktive Celan-Lektüren, die um die Schwierigkeiten der Celan-Lektüre kreisten, im Anschluss formulierte Dr. habil. Christine Ivanovic (Univ. Wien), wie Texte und Lektüren Kreisbewegungen sind, die aber nicht einfach zum Anfang zurückkehren. Univ.-Doz. Dr. Artur Boelderls (Univ. Klagenfurt) Überlegungen betteten Celan und mit ihm Musil in den Kontext des Judentums Scholems ein, Prof. Dr. Dr. h.c. Andrei Corbea-Hoișie (Al. i. Cuza-Univ. Iași) wiederum kontextualisierte den modernen Bezug Celans zu Konzepten Mitteleuropas sowie solchen der Übersetzung und der Mehrsprachigkeit. In eben jene Mehrsprachigkeit, aber als Polyphonie, die dekonstruktiv die antisemitischen Versuche der „Tilgung“ des Dichters Celan durch haltlose Plagiatsbezichtigungen ad absurdum führte, etwa in Celans Gauner- und Ganovenweise, führte der Vortrag von Prof. Dr. Markus May (LMU München) ein, den Abschluss machten Überlegungen von Prof. Dr. Martin A. Hainz zur Frage, inwiefern Lesen nicht nur auszulegen, sondern vor allem auch die Virulenz des Ausdrucks zu verstehen hat.

Zur Konferenz ist ein Tagungsband geplant; auch soll diese Tagung der Auftakt zu weiteren fachspezifischen Tagungen der PH Burgenland sein.

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu