KONF: Schreibweisen der Gegenwart: Digitale Lektüren, digitale Texte (10.12.2020)

Elias Kreuzmair's picture

Workshop am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald am Donnerstag, 10.12.2020, 9.30–16.30 Uhr sowie 18–19 Uhr

Der Mikrobloggingdienst Twitter ist ein häufig gewähltes Beispiel, wann immer gegenwärtig die Beschleunigung der Welt beklagt wird. Er wird zur Chiffre einer Zeitwahrnehmung, die von Autor*innen wie Armen Avanessian (#Akzeleration, 2013) oder Douglas Rushkoff (Present Shock, 2013) zu beschreiben versucht wurde. Die enge Verknüpfung der Zeitdiagnosen mit Twitter und die Assoziation des sozialen Netzwerks mit Kürze und Geschwindigkeit verdient größere literaturwissenschaftliche Aufmerksamkeit. Zugleich stellt die Beschäftigung mit Twitter-Texten eine besondere Herausforderung dar, weil Digitalisierung nicht nur Produktion und Edition literarischer Texte verändert hat, sondern auch ihre Rezeption und Analyse.

Im Rahmen des Workshops sollen Twitter-Texte als Reflexionsmedien von Zeit einer näheren Betrachtung unterzogen und neue Arten der Lektüre erprobt werden. Aufgrund ihrer digitalen Verfasstheit liegen Methoden, die in den Digital Humanities genutzt werden, nahe, sind aber gerade in diesem Fall mit Verfahren des close readings zu kombinieren. Liegt die Stärke der digitalen Analyse in der Untersuchung großer Textmengen, können herkömmliche literaturwissenschaftliche Methoden insbesondere die spezifische Kürze der Tweets fokussieren. In einer Kombination beider Ansätze soll der Workshop folgenden Fragen diskutieren: Was ist die Gegenwart eines Tweets? Wie wird auf Twitter über Zeit geschrieben? Wie hängen Kürze und Zeitwahrnehmung zusammen? Und wie lässt sich Twitter als Netzwerk von Texten in den Blick nehmen?

 

Programm

9.30 Uhr Einleitung/Begrüßung durch Elias Kreuzmair und Lena Pflock (beide Greifswald)

10 Uhr Johannes Paßmann (Siegen): „Die soziale Logik des Likes“. Gespräch über Twitter als Schreibort und Forschungsgegenstand

11 Uhr Maren Jäger (Berlin): Eine kleine Genealogie der ballistischen Ästhetik und Rhetorik kurzer Formen

12 Uhr Mittagspause

13.30 Uhr Mareike Schumacher (Hamburg): Kurz und schnell, lang und langsam? Zur Zeitkategorie in Saša Stanišićs Roman „Vor dem Fest“ und in seinen Twitter-Beiträgen

14.30 Uhr Ann-Marie Riesner (Düsseldorf): Zeitdeckendes Erzählen und widerstandsloses Posten: Stefanie Sargnagels Schreiben in Sozialen Medien als satirische Inszenierung von Unmittelbarkeit und Medienvergessenheit 

15.30–16.30 Uhr Abschlussdiskussion

18–19 Uhr Lesung von @zirkuspony (Ilona Hartmann)
 

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Elias Kreuzmair/Magdalena Pflock, M.A. (beide DFG-Projekt „Schreibweisen der Gegenwart. Zeitreflexion und literarische Verfahren nach der Digitalisierung“, Universität Greifswald).

Der Workshop wird voraussichtlich analog und digital durchgeführt: Die Vortragenden referieren und diskutieren vor Ort im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, eine digitale Teilnahme ist jedoch möglich. Anmeldung zur Teilnahme bitte bis zum 7.12.2020 an elias.kreuzmair@uni-greifswald.de. Material zur Vorbereitung wird den Teilnehmer*innen vorab zur Verfügung gestellt.

 

 

Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Alexander Nebrig] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu