CFP: Edition als Vermittlung (Plenartagung der Arbeitsgemeinschaft für germanistische Edition), Klagenfurt (1.3.2021)

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Edition als Vermittlung (Call for Papers)

 

Die neunzehnte internationale Tagung der Arbeitsgemeinschaft für germanistische Edition fin­det vom 16. bis 19. Februar 2022 an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Österreich, statt. Mitbeteiligt sind die Fachgruppe Freie Forschungsinstitute in der Gesellschaft für Musikfor­schung und die Arbeitsgemeinschaft philosophischer Editionen.

Die Tagung ist sowohl international wie interdisziplinär ausgerichtet. Mit ihrem breiten Thema „Edition als Vermittlung“ wendet sie sich daher an editorisch Interessierte aus den Literatur-, Musik-, Kultur-, Geschichts-, Bild-, Film- und Medienwissenschaften, der Philosophie und den Digi­tal Hu­manities. Vorbereitet und durchgeführt wird die Tagung von Univ.-Prof. Dr. Anke Bosse und Univ.-Doz. Dr. Artur R. Boelderl (Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv).

Das für ein Editionsvorhaben jeweils relevante Textverständnis hat sich im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts pluralisiert. Es reicht vom statischen, als Endprodukt verstandenen ‚idealen‘ Text bis zum dynamischen, in seiner genetischen Prozessualität abzubildenden Text, ja zur Darstellung von Schreibprozessen, die die Rahmung ‚Edition‘ öffnet. Analog dazu begann sich das editorische Augenmerk auf Fragen und Formen der Vermittlung zu verlagern. Dabei stehen Edition und Vermittlung in einem gewissen Spannungsverhältnis, das theoretisch zu beschreiben, reflexiv einzuholen und praktisch aufzugreifen die Tagung sich zum Ziel setzt.

Mit „Edition als Vermittlung“ nimmt die Tagung die thematischen Fäden der Plenartagungen „Vom Nutzen der Editionen“ (2014) und „Werk und Beiwerk“ (2020) sowie der Fachtagungen „Kommentieren und Erläutern im digitalen Kontext“ (2015) und „Textgenese in der digitalen Edition“ (2017) wieder auf, um eine Grundsatzfrage der Editionswissenschaft zu stellen: Wo beginnt, wo endet der Prozess der Edition? Schließt der offene Textbegriff, wie er zumal in neueren digitalen Editionen (aber nicht nur dort) vorherrscht, vermittelnde Texte ein? Oder gilt es streng zu unterscheiden zwischen Edition als Bereitstellung eines ‚verlässlichen‘ Texts einerseits und auf diesen Text bezogenen Vermittlungsformaten andererseits, die nicht mehr Teil der Edition sind oder sein sollen? Wie ist mit üblichen Peri- und Epitexten wie Kommentar, textkritischem Apparat, entstehungsgeschichtlicher Dokumentation u. v. m. umzugehen, die durch die Digita­lisierung tiefgreifende Modellierungen durchlaufen? Und gehen nicht gerade digitale Formate darüber hinaus, indem sie Visualisierungen, Audio-Angebote, Open-source-downloads, interaktive Formate u. v. m. anbieten?

Lässt sich die damit virulent gewordene Frage nach den Adressaten und Adressatinnen von Editionen dadurch beantworten, dass Nutzung und Nachnutzung ein professionelles Publikum implizieren, wohingegen Vermittlung eine Überschreitung der ursprünglichen Editionsabsicht in Richtung nichtprofessioneller Publika bedeutet? Offenbar ist nicht ausgemacht, dass das Publikum, auf das die Frage „Für wen edieren wir?“ zielt, deckungsgleich ist mit dem Publikum, dem die Frage „An wen vermitteln wir?“ gilt. Gleichwohl lässt sich konstatieren, dass auch die Adressaten und Adressatinnen von Editionen, zumal von Hybrid- und Online-Editionen, einer Pluralisierung unterliegen. Nicht nur die Öffentlichkeiten werden de facto vielfältiger und heterogener, auch die Editionsvorhaben richten sich von ihrer Konzeption, ihrer didaktischen Aufbereitung und vom barrierefreien Open-Access-Zugang her zunehmend an verschiedene Publika bzw. werden dazu angehalten, dies zu tun – unter anderem von ihren Fördergebern.

Ist Edition also letztlich doch gleich Vermittlung (geworden)? Dieser provokanten Frage widmet sich die Tagung „Edition als Vermittlung“ ohne jegliche methodisch-formale oder sachlich-materiale Einschränkung auf Publikationsformate (Buch oder digital bzw. online) oder Inhalte wie literarische, philosophische, bildliche, musikalische und andere mehr.

Zu den folgenden drei Leitfragen können Beiträge eingereicht werden:

(1)  Text und Vermittlung: Wo endet der Text bzw. wie verhalten sich edierter und vermittelnder Text in einer Edition zueinander?
(2)  Adressatenbezug: An welche Publika wird vermittelt?
(3)  Vermittlungsweisen: Welche – medialen – Verfahren (Bild, Text, Ton, Film) und Technologien (analog/digital/hybrid) kommen dafür zum Einsatz?
Darüber hinaus können exemplarische Antworten auf diese Fragen vorgestellt werden in
(4)  Werkstattpräsentationen zu laufenden Projekten.

Die Tagung wird einerseits die bei der AG üblichen Präsentationsformate umfassen: Plenar­vorträge (30 Min.) und Sektionsvorträge (20 Min.), im Regelfall durch je eine Person. Andererseits sind Werkstattpräsentationen im Workshop-Format zu 45 Minuten möglich, die von einem Tandem angeboten werden (z. B. PhilologIn und TechnikerIn, ProjektleiterIn und ProjektmitarbeiterIn …). Die Werkstattpräsentationen können auf Deutsch, Englisch oder Französisch vorgenommen werden.

Angebote mit der Kennzeichnung ‚Vortrag‘ oder ‚Werkstattpräsentation‘ und einem Abstract (PDF, max. 3.500 Zeichen, einschließlich vollständiger Adressangaben) werden bis zum 1. März 2021 erbeten an:
edition-als-vermittlung@aau.at.

Über die Annahme der Angebote befindet der Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft. Eine Benachrichtigung erfolgt bis Frühsommer 2021.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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