CFP: Peter Weiss Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Band 30, 2021; Schwerpunkt: Antworten auf die sogenannte „Krise des Erzählens“ um 1960, (15.12.2020)

Vivien Rüffieux's picture

„Ich denke gar nicht daran, den klassischen Erzähler abdanken zu lassen.“ So erregte sich Alfred Andersch in einem veröffentlichten „Werkstattgespräch“, in dem Horst Bienek den verbreiteten Eindruck wiedergab, dass „Sansibar oder der letzte Grund“ (1957) relativ konventionell erzählt sei. Diese forcierte Verteidigung des klassischen Erzählers war um 1960 selten geworden. Bei vielen Autoren überwog ein skeptisches Verhältnis zur Wirklichkeit bzw. zu deren Darstellbarkeit, was dazu führte, dass sie relativierende Erzählweisen bevorzugten. Sie wollten „alles auflösen, was an Gewißheit und Gewohnheit in der Sprache untergebracht“ erschien, wie Jürgen Becker im Rückblick auf seinen 1964 erschienenen Prosaband Felder formulierte. Der Literaturkritiker Hans Schwab-Felisch sprach damals in der F.A.Z. von den „Schwierigkeiten des Erzählens“ und der „Krise, in die der rein erzählerische Impetus geraten“ sei. Auch Marcel Reich-Ranicki summierte wenig später in der ZEIT: „Die Zeit der naiven, der etwas einfältigen Erzähler – sie ist […] längst vorbei“. Er nannte in diesem Zusammenhang auch die Autoren, die in dieser Situation tonangebend geworden waren: Heinrich Böll, Günter Grass, Uwe Johnson und Peter Weiss (Lettau 1967, 211).

Vor diesem Hintergrund bitten wir für das Peter Weiss Jahrbuch 2021 um Beiträge, die sich mit Positionen des Erzählens um 1960 befassen. Dabei sind nicht nur Artikel erwünscht, die sich mit avantgardistischen Schreibweisen beschäftigen, sondern ebenso solche, die hergebrachte Schreibweisen bewahren oder weiter entwickeln wollten. „So mannigfaltig wie die Themenkreise sind auch die Formen, denen wir heute in der deutschen Prosa von der Tradition bis zur Moderne begegnen können“, schrieb seinerzeit Willi Fehse im Vorwort der Anthologie „Deutsche Erzähler der Gegenwart“ (Stuttgart 1959).

Darüber hinaus sind jederzeit Vorschläge für Beiträge zu dem im Untertitel bezeichneten Themenspektrum des Jahrbuchs willkommen: „Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert“. Das Peter Weiss Jahrbuch dient seit langem als allgemeines Forum für Untersuchungen zu künstlerischen Werken überhaupt, in denen auch der gesellschaftliche Kontext reflektiert wird.

Beitragsvorschläge von nicht mehr als einer Seite Länge werden bis zum 15.12.2020 erbeten an die Herausgeber: Arnd Beise: beise@peter-weiss-jahrbuch.de; Michael Hofmann: hofmann@peter-weiss-jahrbuch.de.

Über die Annahme des Beitrags wird bis Jahresende informiert. Die fertigen Beiträge sollten eine Länge von 35.000 Zeichen (incl. Leerzeichen und Fußnoten) nicht überschreiten und sollen bis Ende April 2021 vorliegen.

________________________________________________________________________________________________________________

Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu