CFP: „Mit der Feder der Anderen. Aspekte des aufständischen Griechenlands im 19. Jahrhundert“, Athen (31.12.2020)

Anastasia Antonopoulou's picture

Philosophische Fakultät der Nationalen und Kapodistrias Universität Athen

Internationale Tagung, 8.–11. Dezember 2021

„Mit der Feder der Anderen.

Aspekte des aufständischen Griechenlands im 19. Jahrhundert“

Griechenland erhebt sich im Laufe des 19. Jhs. immer wieder gegen die türkische Herrschaft und vertritt so für viele Europäer die Verkörperung  humanistischer Werte, da zur gleichen Zeit in Europa die Ideale der Unabhängigkeit, der Freiheit, der Selbstbestimmung der Nationen und der Solidarität herrschen. Die Ereignisse von der Zerstörung von Souli über den Befreiungskrieg von 1821 und des Kretischen Aufstandes von 1866 bis zum Griechisch-Türkischen Krieg von 1897 bestimmen das neue aufständische Griechenland (1821–1900). Der griechische Freiheitskampf inspiriert und berührt weltweit Schriftsteller, Intellektuelle, Künstler, Musiker und Dramatiker, er wird zur „Mode“ und sogar in Alltagsgegenständen lebendig.

Die europäische und internationale Presse beschreibt und analysiert die Ereignisse, berichtet von den Protagonisten und Protagonistinnen des Freiheitskampfes und  beeinflusst  die öffentliche Meinung. Viele Philhellenen unterstützen die griechischen Interessen für die Gründung eines unabhängigen Nationalstaates, andere wiederum verfolgen unterschiedliche Ziele und Interessen.

Griechenland wird zum Topos, in dem sich Phantasie und Politik vereinen. Dieses imaginäre Land der Revolutionen mit all seinen Widersprüchen bestimmt die Feder der Anderen sowie ihre Sicht auf die großen Fragen des 19. Jhs. wie Freiheit und Knechtschaft, Revolution und Empire, Kolonialismus und Nationalismus. Durch die Verherrlichung des Ideals der klassischen Antike und die Bewegungen der Romantik und des Philhellenismus werden verschiedene Aspekte sichtbar, die oft in Widerspruch mit der griechischen Realität geraten oder mit der Diskussion über die Fragen des Nationalstaats, der Frauenrechte sowie der Rechte der unterjochten Völker verbunden werden.

Die Tagung hat zum Ziel, die bisherigen Kenntnisse über die verschiedenen Betrachtungsweisen des aufständischen Griechenlands im 19. Jh. sowie das Maß, in dem diese zur Bildung von Nationalidentitäten oder Nationalstereotypen beigetragen haben, zu erweitern.

Themenbereiche

1. Literatur: Der Widerhall der griechischen Revolution und die Gründung des griechischen Staates in der Weltliteratur

Das aufständische Griechenland wird in allen Gattungen der Weltliteratur des 19. Jhs. (Lyrik, Drama, Prosa) intensiv thematisiert, sowohl in Texten bedeutender Autoren als auch in der Unterhaltungsliteratur, die aber vom Lesepublikum der Zeit breit rezipiert wird, eine Tatsache, die zeigt wie wichtig die griechische Frage für das europäische und internationale Gefühl war. Dieser Themenbereich berücksichtigt nicht nur fiktionale Texte, sondern auch Texte der authentischen Autopsie: Memoiren und Briefwechsel der Philhellenen, die an den griechischen Kämpfen teilnahmen wie  auch die Reiseliteratur des 19. Jhs. Parallel zur Darstellung Griechenlands in den Einzelliteraturen wären auch komparatistische Annäherungen von großem Interesse.

2. Das aufständische Griechenland im wissenschaftlichen Diskurs

Die griechische Frage wird bereits früh zu einer akademischen Frage. Jenseits des selbstverständlichen Interesses der Historiker untersuchen Wissenschaftler diverser Disziplinen, wie Philologen und Ethnografen, intensiv die neugriechische Kultur. Volkslieder, Bräuche, Kleidung (Trachten) und Sprache der Neugriechen werden zum Forschungsgegenstand, der gleichzeitig auf die Unterstützung des aufständischen Griechenlands und die Stärkung der griechischen nationalen Identität zielt. Diese Tagungseinheit beabsichtigt, den akademischen Philhellenismus in seinen divergierenden Facetten herauszuarbeiten, indem sie auf seine ideologischen Koordinaten fokussiert.

3. Das aufständische Griechenland in der internationalen Presse

Die griechische Frage war in der europäischen und internationalen Presse präsent mit politischen Artikeln für oder gegen die griechischen Kämpfe, mit Informationen über die Ereignisse in Griechenland und deren Verbindung mit der europäischen Diplomatie. Die Sammlung und Untersuchung des Materials stellt ein Desiderat in der Erforschung des Philhellenismus dar, das zur Erhellung der Betrachtung des aufständischen Griechenlands im internationalen politischen Kontext beitragen würde.

4. Das aufständische Griechenland in der Musik, in den bildenden und darstellenden Künsten

Die griechischen Unabhängigkeitskämpfe wurden nicht nur für die Literatur zu einer Quelle der Inspiration, sondern auch für andere Künste. Die Erforschung von musikalischen oder bildenden Werken, die von den Kämpfen der Griechen und den Taten der Helden und Heldinnen der Revolution inspiriert wurden, sowie die Thematisierung des neugegründeten Staates Griechenland in der künstlerischen Produktion des 19. Jhs. bilden den Schwerpunkt dieses Themenbereichs. Von Interesse ist auch die Hervorhebung intermedialer Dimensionen, d. h. des komparatistischen Dialogs zwischen den Künsten sowie auch die Analogien zwischen der Literatur und den anderen Künsten.

5. Das aufständische Griechenland in der materiellen Alltagskultur

Das Interesse für Griechenland manifestiert sich auch in der materiellen Alltagskultur. Die Herstellung von Gebrauchsgegenständen mit philhellenischen Dekorationen (Uhren, Porzellane, Schatullen, Fächer, Medaillen u. a.) sowie das Interesse für die griechische Kleidung, die tendenziell die europäische Mode beeinflusste, stellen weitere Ausdrucksmöglichkeiten der philhellenischen Bewegung dar.

6. Kämpferinnen und Kämpfer: Gender-Identitäten / weibliches Schreiben

Dieser Themenbereich soll die weiblichen Autoren sowie das weibliche Schreiben zum Thema des aufständischen Griechenlands aufzeigen, wie auch die Darstellung der Kämpferinnen und Kämpfer der griechischen Unabhängigkeitskriege in der philhellenischen Literatur und in den anderen Künsten im Rahmen moderner Gender-Theorien untersuchen.

7. Schaffung neuer literarischer Mythen zum Thema des aufständischen Griechenlands

Figuren der griechischen Revolution (z. B. Markos Botsaris, Konstantin Kanaris, die Souliotinnen u. a.) sowie heroische Orte (z. B. Messolongi, Chios u. a.) werden in der philhellenischen Literatur häufig mythisiert. Die Verbindung mit den realen historischen Ereignissen bleibt erhalten, aber Helden und Orte werden – häufig mit Bezug auf die Antike – überzeitlich dargestellt als Träger mythischer Eigenschaften. Die Schaffung neuer philhellenischer Mythen geht häufig mit einer negativen Typisierung des Feindes und mit der Konstituierung einer Mythologie des Fremden einher.

8. Konstituierung von nationalen Identitäten

Dieser Themenbereich zielt auf die Erforschung der Konstituierung einer griechischen Nationalidentität im historischen Umfeld des 19. Jhs. sowie auf ihre Darstellung in der Literatur, in der Presse und im wissenschaftlichen Diskurs. Der philhellenische Diskurs enthält häufig Projektionen eigener politischer Erwartungen an die griechischen Kämpfe, die erforschenswert sind.

Einreichung von Themenvorschlägen: 31. Dezember 2020 (Titel, Abstrakt bis 300 Wörter und Kurzbio) an die E-Mail-Adresse: 200etielladaFLSekpa@phil.uoa.gr

Dauer der Vorträge: 20 Minuten

Rückmeldung über die Annahme der Vorschläge: 28. Februar 2021

Kontakt: 200etielladaFLSekpa@phil.uoa.gr

Tagungswebsite: https://conferences.uoa.gr/e/ellada200flsekpa

Publikationsrichtlinien werden nach der Annahme der Vorschläge bekannt gegeben.

Beteiligungskosten: € 60,00 für Beiträger*innen und € 10,00 für Studierende (die Studierenden erhalten eine komplette Tagungsmappe und eine Teilnahmebescheinigung am Ende der Tagung).

Tagungssprache: Griechisch

Sprache der Beiträge: Griechisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Russisch.

 

Die Tagung findet vom 8. bis zum 11. Dezember 2021 im Zentralen Gebäude der Universität Athen statt.

 

Wissenschaftliches Tagungskomitee

Präsident: Achileas Chaldeakes (Dekan, Fachbereich für Musikwissenschaft)

Vizepräsident: Ioannis D. Tsolkas (Fachbereich für italienische Sprache und Literatur)

Mitglieder:

Efterpi Mitsi (Fachbereich für englische Sprache und Literatur)

Despina Provata (Fachbereich für französische Sprache und Literatur)

Anastasia Antonopoulou (Fachbereich für deutsche Sprache und Literatur)

Roubini Dimopoulou (Fachbereich für italienische Sprache und Literatur)

Spyridon Mavrides (Fachbereich für spanische Sprache und Literatur)

Nikolaos Maliaras (Fachbereich für Musikwissenschaft)

Evanthia Stivanaki (Fachbereich für Theaterwissenschaft)

Olga Alexandropoulou (Fachbereich für russische Sprache und Literatur und für Slavistik)


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu