CFP: Multipolare Begegnungen: Carl Schmitt und die politische Linke, Freiburg i. Br. (29.08.2020)

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Multipolare Begegnungen: Carl Schmitt und die politische Linke

(english version below)

Trotz seines antiaufklärerischen und antiegalitären Denkens übt Carl Schmitt, der manchen als „Kronjurist“ des Nationalsozialismus gilt, bereits seit den 1920er Jahren eine ungebrochene Faszinationskraft auf linke Intellektuelle aus. Besonders bekannt und umstritten ist in diesem Zusammenhang die Schmittrezeption Walter Benjamins, deren Umfang und Bedeutung noch heute kontrovers diskutiert wird. Auch persönliche Bekanntschaften wie die zwischen Schmitt und Jacob Taubes zeugen von einem regen geistigen Austausch, der keineswegs nur bei Schmitts Gesprächspartnern und Rezipienten Wirkung hinterließ, sondern umgekehrt auch Schmitt in seinen Überlegungen beeinflusste. Überhaupt lässt sich feststellen, dass Carl Schmitt nicht nur einen großen Einfluss auf linke Denkerinnen und Denker ausgeübt hat, sondern selbst ein aufmerksamer Leser linker Schriften war.

Wie groß Schmitts Wirkung auf seine Gegner gewesen ist, lässt sich etwa an Hannah Arendts Hauptwerk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ablesen. Arendt verwendet dort für ihre Analyse des nationalsozialistischen Systems, dem Schmitt mit seinen Schriften teilweise zugearbeitet hatte, Begriffe wie den der „politischen Romantik“ mit ausdrücklichem Bezug auf Schmitt. Dass dieser, der etwa von Habermas als faschistoider Denker entschieden abgelehnt wird, auch in jüngerer Vergangenheit bei Teilen der Linken noch hoch im Kurs steht, zeigt ein 1999 von Chantal Mouffe herausgegebener Sammelband, in dem unter anderem Slavoj Zizek Schmitts Ideen für den Kampf gegen den Liberalismus fruchtbar machen will.

Die interdisziplinäre und internationale Tagung „Multipolare Begegnungen: Carl Schmitt und die politischen Linken“, die vom 12. bis zum 14. März 2021 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau stattfinden wird, steht unter der Leitfrage, warum ausgerechnet Carl Schmitts Denken in Teilen der politischen Linken eine so starke Wirkung entfaltet hat. Die Veranstaltung verfolgt das Ziel, ein möglichst breites Spektrum der linken Schmittrezeption seit den 1920er Jahren in den Blick zu rücken. Auf diese Weise soll ein historischer und zugleich systematischer Überblick darüber gewonnen werden, welche Schriften, Theoreme und Überlegungen Schmitts in besonderem Maße für die linke Rezeption von Interesse waren und auch heute noch sind, welche Rolle die ,Linksschmittianer‘ innerhalb der politischen Linken spielten und spielen und wie sich deren interne Dynamiken und Spannungen auch an der Schmittrezeption abzeichnen.

Wir bitten um die Zusendung von Abstracts (max. 3000 Zeichen inklusive Leerzeichen), in denen Sie Ihr Vortragsthema vorstellen. Einsendeschluss ist der 29. August 2020. Die Vorträge sollten 30 Minuten nicht überschreiten. Die Publikation ausgewählter Beiträge in einem Sammelband ist geplant. Um eine Projektförderung durch die Thyssen Stiftung bemühen wir uns.

Kontakt: milan.wenner@philosophie.uni-freiburg.de und leon.hartmann@philosophie.uni-freiburg.de

Conference: Multipolar encounters: Carl Schmitt and the political left

Despite his anti-enlightenment and anti-egalitarian thinking, Carl Schmitt, who is considered by some to be the "Kronjurist" (Söllner 1992) of National Socialism, has exerted an enduring fascination on leftist intellectuals since the 1920s. Particularly well-known in this context is Walter Benjamin's reception of Schmitt, the extent and significance of which is still controversially discussed today. Personal acquaintances such as the one between Schmitt and Jacob Taubes are another evidence of a lively intellectual exchange, which by no means only had an effect on Schmitt's discussion partners and recipients, but conversely also influenced Schmitt's reflections. In general it can be stated that Carl Schmitt not only had a major impact on left-wing thinkers, but he was himself an attentive reader of left-wing writings, as well.

Schmitt's great influence on his opponents is exemplified by Hannah Arendt's main work The Origins of Totalitarianism. In this text, Arendt uses terms such as "political romanticism" with explicit reference to Schmitt for her analysis of the National Socialist system, which Schmitt had partially supported with his writings. The fact that Schmitt, who is decisively rejected by Habermas as a fascist thinker, is still highly regarded by parts of the left in the recent past, is shown in an anthology published by Chantal Mouffe in 1999. In this volume Slavoj Zizek, among other authors, uses Schmitt's ideas to argue against liberalism.

The interdisciplinary and international conference "Multipolar encounters: Carl Schmitt and the Political Left", which will take place from 12 to 14 March 2021 at the Albert-Ludwigs-University of Freiburg im Breisgau, will focus on the question why Carl Schmitt's thinking had such a strong impact in parts of the political left. The event aims to portray a broad spectrum of Schmitt's left-wing reception since the 1920s. In this way, we intend to provide a historical and systematic overview on the writings, theorems and considerations of Schmitt that were and still are of particular interest for the left reception. Moreover, we want to focus on the past and present role of the 'left-wing Schmittians' within the political left, and how their internal dynamics and tensions are also reflected in their reception of Schmitt.

Please send us an abstract (max. 3000 characters including space characters) with your lecture topic. Deadline: 29 August 2020. The lectures should not exceed 30 minutes. The publication of selected contributions in an anthology is planned. We are seeking project funding from the Thyssen Stiftung.

Contact: milan.wenner@philosophie.uni-freiburg.de and leon.hartmann@philosophie.uni-freiburg.de


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu