CFP: Provinz in der Gegenwartsliteratur (15.09.2020)

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CALL FOR PAPERS FÜR DEN SAMMELBAND

Provinz in der Gegenwartsliteratur

Herausgeber: Prof. Dr. phil. Goran Lovrić, Universität Zadar

 

Die Provinzliteratur prägt die deutschsprachige Gegenwartsliteratur seit der Jahrtausendwende in auffallender Weise, was zahlreiche Werke deutschsprachiger AutorInnen bestätigen. Von dem literarischen Wert und der Beliebtheit dieser Gattung beim Lesepublikum zeugen Preise und Auszeichnungen, die in den letzten Jahren für die Bestseller von Juli Zeh, Saša Stanišić und Dörte Hansen, verliehen wurden.

Zu untersuchen gilt es in erster Linie, was den Begriff Provinz in der Gegenwart ausmacht  bzw. welche Formen die Darstellung der Provinz gegenwärtig hat und wie in diesen Werken aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme und Ansätze thematisiert werden. Es stellt sich auch die Frage, ob Provinz geografisch wie in der traditionellen Regionalliteratur mit Land, Dorf oder Kleinstadt umschreiben werden kann oder ob diese Termine angesichts der Digitalisierung und Globalisierung (im engeren und weiteren Sinne) heute eine untergeordnete Rolle spielen.

Angesicht der noch aktuellen Corona-Pandemie als bislang bedeutendster gesellschaftlicher Zäsur des 21. Jahrhunderts, die sich durch den zwangsbedingten Rückzug ins Private und häufig  geografisch ins Regionale sicherlich auch auf die zukünftige Literaturproduktion auswirken wird, soll der geplante Sammelband auch eine Bestandsaufnahme der Gattung Provinzliteratur der letzten zwei Jahrzehnte darstellen.

In den Beiträgen zum Sammelband können typische Themen und Motive der aktuellen Provinzliteratur sowie deren Verbindung zu anderen literarischen Gattungen und Untergattungen (Familienroman, Generationenroman, Kriminalroman usw.) bearbeitet werden.

Es können u.a. als literaturtheoretische und/oder literaturhistorische Erörterungen oder Analysen von Fallbeispielen folgende Themen und Fragestellungen bearbeitet werden:

 

- Welche Rolle spielen Landschaft und Natur in den Werken bzw. sind sie lediglich Projektionsflächen der Sehnsüchte und Bedürfnisse der GroßstädterInnen?

- Gibt es in Zeiten des Internets und der Globalisierung noch eine Provinz im herkömmlichen Sinne und wie wird sie in der Prosa dargestellt?

- Dient die Provinz in den Werken als Mikrokosmos, in dem sich allgemeine menschliche und gesellschaftliche Aspekte widerspiegeln oder beziehen sich die dargestellten Umbrüche auf das Landleben selbst?

- Wird die Provinz als positiver Gegensatz zur Stadt wie in der traditionellen Heimatliteratur beschrieben, oder ist dieser Begriff heute mit anderen Bedeutungen besetzt?

- Welche Untergattungen umfasst die zeitgenössische Provinzliteratur (regionale Literatur, Dorfroman, Heimatroman, Anti-Heimatroman etc.)?

- Welche Eigenschaften hat die zeitgenössische Provinzliteratur im Vergleich zu früheren Epochen, insbesondere zur Nachwendezeit bis um die Jahrhundertwende?

- Unterscheiden sich die Auffassung und literarische Darstellung der Heimat in der Provinzliteratur unterschiedlicher Regionen und Ländern?

- Wie werden zeitgenössische politische Zäsuren und gesellschaftliche Wandel in der Provinzliteratur (Flüchtlingskrise, Integration, Rechtsruck usw.) dargestellt?

 

Erwünscht sind Fallbeispiele vornehmlich aus Literaturen deutschsprachiger Länder. In Frage    kommen aber auch komparatistische Beiträge zu Prosawerken aus anderen Literaturen, die eine historische oder gegenwärtige Verbindung zur deutschen Geschichte, Kultur und Nation aufweisen und in die deutsche Sprache übersetzt sind.

 

Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag in Form eines Abstracts in deutscher Sprache (ca. 300 Wörter) zusammen mit einem kurzen akademischen Lebenslauf bis zum 15. September 2020 an die Mail glovric@unizd.hr. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis Ende September 2020. Die Einreichung der vollständigen Beiträge (5000 bis 8000 Wörter) ist zum 15. Dezember 2020 und die Publikation des Bandes in einem namhaften Verlag für das erste Halbjahr 2020 geplant.  

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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