CFP: Wohin mit der „Gabe der Ubiquität“? Paul Celans europäische Dimension (31.08.2020)

Raluca Radulescu's picture

Aufruf zur Einreichung von Beiträgen 4. internationale Konferenz des Instituts für Germanische Sprachen und Literaturen UNIVERSITÄT BUKAREST

Wohin mit der „Gabe der Ubiquität“? Paul Celans europäische Dimension

BUKAREST, 4.-6. NOVEMBER 2020

2020 jährt sich Paul Celans Geburtstag zum Hundertsten und sein Todestag zum Fünfzigsten Mal. Die Hauptveranstalter, die Universität Bukarest und die Europa-Universität Flensburg, laden dazu ein, Paul Celan als ‚europäischen‘ Schriftsteller (neu) zu entdecken und zu feiern.

Die durchaus verdienstvolle, allerdings meist im Kontext einzelner Nationalliteraturen oder Kulturregionen verharrende Celan-Exegese, und sei sie noch so veredelt durch vorzügliche hermeneutische, rezeptionsgeschichtliche, übersetzungstechnische oder dekonstruktivistische Ansätze, wird gerade der europäischen, an sich definitorischen Dimension Celans oft nicht gerecht. Man übersieht allzu leicht das vermeintlich Paradoxale an seinem Dichterdasein: Dass er von Paris aus deutschsprachige Briefe an rumänisch-jüdische Freunde verschickte, in denen er sich gerne einen russkij poët nannte und somit die „allereigenste Enge“ seines Meridians zur ubiquitär-europäischen Lebenswelt erhob.

Um jene bislang ausgeblendeten intertextuellen Bezüge, Vernetzungen und Verweise, die auf einen gesamteuropäischen Resonanzraum schließen lassen, zu Tage zu fördern, erscheint es vielversprechend, von Celans Poetik des Dialogs auszugehen: Das Gedicht befinde sich, so Celan an einer vielzitierten Stelle seiner Büchner-Preisrede Der Meridian, immer „im Geheimnis der Begegnung“; es gilt ihm als Chronotopos, Medium und Vollzug eines (angedeuteten) Gesprächs, das eben nicht zwischen zwei geschlossenen Entitäten stattfindet, sondern auf die europäische Literaturgeschichte hin offen und vernetzt ist.

Erstens wäre dabei an Gedichte und weitere Texte Celans zu denken, in denen unterschiedliche Regionen, gesellschaftliche und politische Ereignisse in einzelnen Ländern, aber auch Sprachen, Religionen und Schriftsteller/innen Europas aufeinander bezogen werden und miteinander interagieren (vgl. Eine Gauner- und Ganovenweise gesungen von Paul Celan aus Czernowitz bei Sadagora). Zweitens gilt es, dem Rechnung zu tragen, dass die Schriftsteller/innen und die literarischen Texte, die Celan aufgreift und miteinander verknüpft (vgl. vor allem die Vertreter der Avantgarde, aber nicht nur), in der Regel selbst nicht national geprägt, sondern durchaus europäisch, d.h., inter- und transkulturell, ausgerichtet waren. Ob ein gemeinsamer Nenner der Schriftstellerinnen und Schriftsteller, mit denen Celan sich intensiver befasste, nicht etwa darin liegt, dass sie als ‚Europäer‘ dichteten und agierten, ist Teil der Fragestellung.

Übergreifend möchte die Tagung klären, ob und inwiefern Celans Dichtung transeuropäische Bezüge herstellt, die das jeweilige nationale Denken überwinden und sich als kritische Kommentare von Gewalt lesen lassen, gleichgültig ob diese auf Exklusion setzende Gewalt im Namen von Religion, Nation oder literarischer Tradition erfolgt. Positiv gewendet fragt sie danach, inwiefern Celans Dichtung ein Netzwerk europäischer Befürworter von ‚Menschlichkeit‘ entwirft und damit ost-west-europäische sowie interreligiöse Grenzen aufhebt.

CFP: Wohin mit der „Gabe der Ubiquität“? Paul Celans europäische Dimension, DEADLINE EXTENDED

Die Tagung wird als hybride Veranstaltung (Präsenz und Videokonferenz) stattfinden. Live-Vorträge sind auf 20 Minuten und 10 Minuten Diskussion beschränkt. Begrüßt werden darüber hinaus Impuls-Vorträge (10 Minuten Vortrag, 20 Minuten Diskussion). Für Live-Teilnehmer sind ein Besuch der Dauerausstellung „Celan – 100. Unter den Wörtern“ im Rumänischen Nationalmuseum für Literatur sowie ein Empfang mit Abendprogramm vorgesehen.

Interessenten werden gebeten, ein max. 300 Wörter umfassendes Abstract bis zum 31. August 2020 an die E-Mail-Adresse: Lisa.Dauth@uni-flensburg.de zusammen mit dem Hinweis auf die institutionelle Affiliation und einer kurzen biographischen Notiz einzureichen. Über die Akzeptierung des Beitrags wird man per E-Mail bis zum 15. September 2020 informiert.

 Registrierungsgebühr: 60 Euro für Live-Teilnehmer bzw. 30 Euro für Online-Teilnehmer

 Tagungssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch

Die Veröffentlichung ausgewählter Beiträge in einem Tagungsband ist vorgesehen. Es wird ersucht, das druckreife Manuskript spätestens sechs Wochen nach der Tagung bei den Tagungsveranstaltern einzureichen.