CFP: Berufsbildender Deutschunterricht im Kontext von Migration und Einwanderung – Interdisziplinäre und internationale Perspektiven, Hannover (31.7.2020)

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CfP Berufsbildender Deutschunterricht im Kontext von Migration und Einwanderung – Interdisziplinäre und internationale Perspektiven (31.07.2020)

 

Vocational German language teaching in the context of migration and immigration - Interdisciplinary and international perspectives (31.07.2020)

 

Jun.-Prof. Dr. Karina Becker / M.A. Martina Kofer

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 

*** English Version below ***

 

In den letzten Jahren hat sich der Einbezug kultureller und sprachlicher Heterogenität in der Berufsbildung insbesondere durch die berufsbezogene DaZ-Forschung (Niederhaus 2013; Terrasi-Haufe / Börsel 2017, Neumann / Tessmer 2018) und der Integrationskonzepte für geflüchtete Auszubildende (Baumann / Riedl 2016; Terrasi-Haufe / Baumann / Riedl 2018) deutlich erweitert. Projekte wie „Berufssprache Deutsch „(Terrasi-Haufe / Baumann 2017) und „Umbrüche gestalten“ (Neumann / Bogner 2017) haben aufgezeigt, wie eine entsprechende Anpassung von Lehrplänen und Ausbildung gelingen kann.

 

Wenn man jedoch bedenkt, dass „[i]n der diversifizierten, durch Migration und Globalisierung geprägten Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts, […] jeder Arbeitsplatz (potentiell) multikulturell und multilingual [ist]“ (Middeke 2018, 63) und dass im deutschsprachigen Raum der Anteil der Neuzugewanderten im Berufsbildungssystem stetig steigen wird, braucht es auch für den berufsbildenden Deutschunterricht wie für die Berufsbildung im Allgemeinen neue Perspektiven, die Multilingualität und Diversität umfassender berücksichtigen.

 

So stellt sich in Bezug auf die Ausbildung kommunikativer Kompetenzen beispielsweise die Frage, wie die Ausbildung situationsangemessener und adressatengerechter beruflicher Kommunikation sich in einer weitestgehend mehrsprachigen und kulturell hybriden Lebenswelt gestalten sollte. Denn nicht nur die soziale Komponente, sondern auch der (inter)kulturelle Kontext ist hier entscheidend dafür, ob sprachliches Handeln von den Kommunikationspartner*innen als angemessen erachtet wird. Kommunikative Fähigkeiten sind also in vielen berufsspezifischen Situationen nicht zu trennen von interkulturellen und mehrsprachigen Kompetenzen. Dabei spielt nicht nur die Wirtschaftssprache Englisch eine entscheidende Rolle. Auch die Migrationssprachen stellen hier eine wertvolle und unverzichtbare Ressource dar (Meyer 2008; Lüdi 2017; Steffan et al. 2017; Funk 2019), bleiben aber bisher in der Berufsausbildung weitestgehend unberücksichtigt.

 

Daneben stellt sich auch die Frage, welche Rolle der Literaturunterricht im berufsschulischen Deutschunterricht zukünftig spielen sollte. Geht man davon aus, dass insbesondere literarische Texte „eine multiperspektivische Sicht auf die individuelle, berufliche und gesellschaftliche Lebenswelt“ (Grundmann 2001, 168f.) fördern, wäre der Literaturunterricht der geeignete Ort für eine dominanzkritische Auseinandersetzung mit Themen wie Migration, Flucht, kulturelle Hybridität und Diversität. Gerade in Bezug auf eine sprachlich und kulturell heterogene Schülerschaft wie Gesellschaft liegen hier bisher nur sehr vereinzelt Vorschläge für einen ‚anderen‘ Literatur- und Medienunterricht vor (vgl. z. B. Schäfer 2016).

 

Darüber hinaus muss berufsschulspezifische Deutschdidaktik immer auch den Blick auf die berufsspezifischen Didaktiken und Fächer richten (vgl. Efing 2018, 49), um die Perspektive Migration und Einwanderung gebündelt anzugehen und übergreifend dahin zu gelangen, dass angehende Lehrkräfte ein fundiertes und interdisziplinär angelegtes Wissen zu Migration, Mehrsprachigkeit und Interkulturalität besitzen (vgl. Riedl 2017, 24).

 

Andere Perspektiven können hier möglicherweise die berufsbildenden Abteilungen Deutscher Schulen im Ausland oder berufsbildende Schulen in den Grenzregionen eröffnen. Wie wird hier Sprach- und Fachlernen miteinander verbunden? Welche Rolle spielt die Ausbildung interkultureller Kompetenzen? Und welche zusätzlichen Qualifikationen könnten deutsche Lehramtsstudierende möglicherweise an berufsbildenden Abteilungen im Ausland lernen?

 

Die Tagung will von daher unter Einbezug internationaler und interdisziplinärer Perspektiven die Diskussion darüber anregen und fortsetzen, welche Inhalte, Neuausrichtungen und didaktische Konzeptionen notwendig sind, um den berufsbildenden Deutschunterricht unserer heterogenen Gesellschaft entsprechend auszurichten. Erwünscht sind Beitragsvorschläge, die sich mit den folgenden Schwerpunktthemen befassen:

 

  1. Sprachbildung und Sprachförderung
  2. Mehrsprachige Bildung
  3. Neue Konzepte für den Literaturunterricht (interkulturell/integrativ u.a.)
  4. Interkulturelle Kommunikation und Bildung
  5. Diversitätssensible Bildung
  6. Internationalisierte Berufsbildung bzw. Berufsbildung in den Grenzregionen

 

Wünschenswert wäre es, dass die eingereichten Beitragsvorschläge eine dominanzkritische Perspektive berücksichtigen.

 

Die internationale und interdisziplinäre Tagung soll vom 22. bis 24.09.2021 unter Voraussetzung der Bewilligung der Fördermittel im Schloss Herrenhausen bei Hannover stattfinden. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.

Bitte schicken Sie Ihren Beitragsvorschlag von max. einer DIN A4-Seite zusammen mit Ihren bio-bibliographischen Angaben von ca. einer halben DIN A4-Seite in deutscher oder englischer Sprache bis zum 31.07.2020 an

 

karina1.becker@ovgu.de

martina.kofer@ovgu.de

 

Die Bewerbung von Nachwuchswissenschaftler*innen ist ausdrücklich erwünscht. Wir bemühen uns um eine Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten.

 

Eine Publikation der Beiträge ist geplant.

 

Bei Nachfragen können Sie sich gerne an uns wenden.

 

Literatur:

  • Baumann, Barbara; Riedl, Alfred (2016): Neu zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene an Berufsschulen. Ergebnisse einer Befragung zu Sprach- und Bildungsbiografien. Frankfurt am Main: Peter Lang.
  • Efing, Christian (2018): Die Perspektive der Deutschdidaktik. In: C. Efing; K.-H. Kiefer (Hrsg.): Sprache und Kommunikation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Tübingen: Narr Francke Attempto 2018, S. 43-52.
  • Funk, Hermann (2019): Mehrsprachigkeit in Wirtschaft und Beruf. In: C. Fäcke; F.-J. Meißner (Hrsg.): Handbuch Mehrsprachigkeits- und Mehrkulturalitätsdidaktik. Tübingen: Narr Francke Attempto, S. 133-137.
  • Grundmann, Hilmar (2001): Bildung und Integration. Frankfurt am Main: Peter Lang.
  • Lüdi, Georges (2017): Welche Sprachausbildung für eine mehrsprachige Arbeitswelt? In: T. Ambrosch-Baroua; A. Kropp; J. Müller-Lancé (Hrsg.): Mehrsprachigkeit und Ökonomie. München: Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität, S. 31-42.
  • Meyer, Bernd (2008): Nutzung der Mehrsprachigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund. Berufsfelder mit besonderem Potenzial. Expertise für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
  • Middeke, Annegret: Die Perspektive der Interkulturalitätsforschung. In: C. Efing / K.-H. Kiefer (Hrsg.): Sprache und Kommunikation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Tübingen: Narr Francke Attempto 2018, S. 63-72.
  • Neumann, Astrid; Tessmer, Elisa (2018): Sprachsensibler Unterricht an beruflichen Schulen. Didaktische Überlegungen zu einer integrativen Sprachbildung. Hamburg: Verlag Dr. Kovač.
  • Neumann, Astrid; Bogner, Andrea (2017): Herausforderungen für die Lehrkräftebildung am Beispiel der Qualifizierung für Berufsbildende Schulen im Mercator Entwicklungsprojekt Umbrüche Gestalten. Sprachenförderung und -bildung als integrale Bestandteile innovativer Lehramtsausbildung in Niedersachsen. In: E. Terrasi-Haufe; A. Börsel (Hrsg.): Sprache und Sprachbildung in der beruflichen Bildung. Münster: Waxmann, S. 77-91.
  • Niederhaus, Constanze (2013): Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache in der Lehrerbildung für die beruflichen Schulen. Ein Modulkonzept und dessen kritische Reflexion. In: E. Rangosch-Schneck (Hrsg.): Beruf – Bildung – Migration. Beiträge zur Qualifizierung des Beruflichen Bildungspersonals aus der Perspektive Migration. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S. 73-88.
  • Riedel, Margit: Literaturunterricht an beruflichen Schulen. In: C. Efing; K.-H. Kiefer (Hrsg.): Sprache und Kommunikation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Tübingen: Narr Francke Attempto 2018, S. 239-249.
  • Riedl, Alfred (2017): Berufliche Bildung in Deutschland: System, migrationsbedingte Herausforderungen und pädagogische Aufgaben. In: E. Terrasi-Haufe; A. Börsel (Hrsg.): Sprache und Sprachbildung in der beruflichen Bildung. Münster: Waxmann, S. 13-27.
  • Schäfer, Christian (2016): Literarizität im Deutschunterricht an berufsbildenden Schulen – nur eine Verlustanzeige? In: J. Brüggemann; M.-G. Dehrmann; J. Standke (Hrsg.): Literarizität. Herausforderungen für Literaturdidaktik und -wissenschaft. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S. 237-257.
  • Steffan, Felix; Pötzl, Julia; Riehl, Claudia (2017): Mehrsprachigkeit in der beruflichen Ausbildung. In:  T. Ambrosch-Baroua; A. Kropp; J. Müller-Lancé (Hrsg.): Mehrsprachigkeit und Ökonomie. München: Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität, S. 57-72.
  • Terrasi-Haufe, Elisabetta; Baumann, Barbara; Riedl, Alfred (2018): Die Förderung neu Zugewanderter an beruflichen Schulen. In: C. / K.-H. Kiefer (Hrsg.): Sprache und Kommunikation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Tübingen: Narr Francke Attempto, S. 437-445.
  • Terrasi-Haufe, Elisabetta; Börsel Anke (2017) (Hrsg.): Sprache und Sprachbildung in der beruflichen Bildung. Münster: Waxmann.
  • Terrasi-Haufe, Elisabetta; Baumann, Barbara (2017): Sprachliche und kulturelle Heterogenität an den Berufsschulen Bayerns. Reaktionen in der Lehrkräftebildung. In: E. Terrasi-Haufe, Elisabetta; A. Börsel (Hrsg.): Sprache und Sprachbildung in der beruflichen Bildung. Münster: Waxmann, S. 57-75.

 

 

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In recent years, the inclusion of cultural and linguistic heterogeneity in vocational education and training has expanded considerably, particularly as a result of occupation-related DaZ research (Niederhaus 2013; Terrasi-Haufe / Börsel 2017, Neumann / Tessmer 2018) and integration concepts for refugee trainees (Baumann / Riedl 2016; Terrasi-Haufe / Baumann / Riedl 2018). Projects such as „Berufssprache Deutsch“ (Terrasi-Haufe / Baumann 2017) and „Umbrüche gestalten“ (Neumann / Bogner 2017) have shown how curricula and training can be adapted accordingly.

 

However, considering that "[i]n the diversified working world of the 21st century, which is characterized by migration and globalization, [...] every workplace is (potentially) multicultural and multilingual" (Middeke 2018, 63) and that the share of new immigrants in the vocational training system in the German-speaking world will steadily increase, new perspectives that take multilingualism and diversity more comprehensively into account are also needed for vocational German language instruction and vocational training in general.

 

With regard to the training of communicative skills, for example, the question arises as to how the training of situation-appropriate and address-oriented vocational communication should be structured in a largely multilingual and culturally hybrid world. It is not only the social component but also the (inter)cultural context that determines whether language skills are considered appropriate by the communication partners. Communicative skills are therefore in many job-specific situations inseparable from intercultural and multilingual skills. English, the language of business, is not the only language that plays a decisive role. Migration languages also represent a valuable and indispensable resource here (Meyer 2008; Lüdi 2017; Steffan et al. 2017; Funk 2019), but have so far been largely ignored in vocational training.

 

In addition, the question also arises as to what role the teaching of literature should play in vocational school German lessons in the future. If one assumes that literary texts in particular promote "a multi-perspective view of the individual, professional and social world" (Grundmann 2001, 168f.), then literature lessons would be the appropriate place for a dominance-critical examination of topics such as migration, flight, cultural hybridity and diversity. Particularly with regard to a linguistically and culturally heterogeneous student body and society, there have so far been only very few proposals for 'different' literature and media instruction (cf. e.g. Schäfer 2016).

 

In addition, German didactics at vocational schools must always also focus on the didactics and subjects specific to the occupation (cf. Efing 2018, 49) in order to address the perspective of migration and immigration in a bundled manner and to achieve a comprehensive approach so that future teachers have a sound and interdisciplinary knowledge of migration, multilingualism and interculturality (cf. Riedl 2017, 24).

 

The vocational training departments at German schools abroad or vocational schools in border regions could possibly open up other perspectives in this connection. How is language and subject learning combined here? What role does the training of intercultural skills play? And what additional qualifications could German student teachers possibly learn at vocational training departments abroad?

 

The conference therefore aims to stimulate and continue the discussion on which contents, new orientations and didactic concepts are necessary to orientate vocational German language teaching in our heterogeneous society by including international and interdisciplinary perspectives. Proposals for papers dealing with the following main topics are welcome:

 

1. language education and language promotion

2. multilingual education

3. new concepts for literature teaching (intercultural/integrative, etc.)

4. intercultural communication and education

5. diversity-sensitive education

6. internationalised vocational education and training or vocational training in the border regions

 

It would be desirable for the submitted proposals to take into account a perspective critical of dominance.

 

The international and interdisciplinary conference is to take place from 22 to 24 September 2021 in Herrenhausen Castle near Hanover, subject to the approval of funding. The conference languages are German and English.

Please send your contribution proposal of max. one DIN A4 page together with your bio-bibliographical data of about half a DIN A4 page in German or English language until 31.07.2020 to

 

karina1.becker@ovgu.de

martina.kofer@ovgu.de

 

The application of young researchers is expressly desired. We make every effort to cover travel and accommodation expenses.

 

A publication of the contributions is planned.

 

If you have any questions, please do not hesitate to contact us.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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