CFP: Workshop: Noch Zukunft haben. Das Werk Karoline von Günderrodes (1780–1806) neu gelesen, Frankfurt a. M. (14.09.2020)

Martina Wernli's picture

14./15. Januar 2021(konzipiert als Präsenzveranstaltung, wenn nötig digital organisiert)

Raum: IG-Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, FZHG 1.414, Goethe-Universität Frankfurt a.M.

 

Wer sich mit Karoline von Günderrode (1780–1806) auseinandersetzen möchte, sieht sich zuallererst einer schwierigen Publikationssituation ausgesetzt: Ihre Werke sind zurzeit im Buchhandel schlicht nicht zu finden. Das ist zum einen deshalb erstaunlich, weil es sich um einen schmalen, also eigentlich überschaubaren, aber doch sehr reichhaltigen Textkorpus handelt, und zum anderen, weil bereits einschlägige Editionen vorgelegt worden sind – nur sind sie zurzeit vergriffen. Diese Beobachtung gilt für die dreibändige historisch-kritische Ausgabe von Walter Morgenthaler (Sämtliche Werke, Stroemfeld/Roter Stern, 1990f.) sowie für die Reclam-Anthologie Gedichte, Prosa, Briefe (hg. v. Hannelore Schlaffer, 1998).

Wenn von Günderrode gesprochen wird, dann meist entweder in Bezugnahme auf Bettina von Arnims Briefbuch Die Günderrode (1840), mit biographischer Referenz auf ihren Selbstmord in Winkel am Rhein, in der Nähe des Landsitzes der Familie Brentano – oder dann über die Lektüre von Christa Wolfs Kein Ort. Nirgends (1979).

Der geplante Workshop setzt sich zum Ziel, Karoline von Günderrodes Werk neu oder wieder zu lesen, zu kontextualisieren und zu reflektieren. Neben den gängigen romantischen Motiven (u.a. Nachtigallen, Träume, Mond, Musik) hat Günderrode, teilweise unter dem Pseudonym ‚Tian‘, zahlreiche Themen verhandelt, die eine genauere und neuartige Auseinandersetzung geradezu herausfordern. Ihr Werk umfasst unterschiedliche Genres, Gedichte sowie dramatische Texte (vgl. das Dramolett Immortalita). Einige Texte sind fragmentarisch überliefert (vgl. Die Manen; Ein apokaliptisches Fragment; Poetische Fragmente), sodass eine theoretische Auseinandersetzung mit Fragmenten anhand ihrer Texte neu aufgerollt werden sollte. Zudem stellt sich die Frage, welche Interpretationsmöglichkeiten es für die mythologisch orientierten Texte geben könnte (zur keltischen Mythologie vgl. Darthula nach Ossian; Mora; Scandinavische Weissagungen, zur griechischen Mythologie vgl. Immortalita; Ariadne auf Naxos; Magie und Schicksal; Nikator. Eine dramatische Skizze in drei Akten von Tian; Melete).

Weitere Themen sind die Kontexte ihrer Orient-Faszination, die sich z.B. in der Auseinandersetzung mit Religionen respektive der Figur des Sehers (vgl.: Mahomets Traum in der Wüste; Mahomed, der Prophet von Mekka) oder dem Bezug auf Indien (vgl.: Geschichte eines Braminen oder Udohla) manifestiert. Es bieten sich postkoloniale Lektüren – und mit Blick auf die Naturdarstellungen – auch der Einbezug von Perspektiven aus dem Ecocriticism an. Nicht zuletzt sind auch Gender-Aspekte und Themen wie Androgynität, Homoerotik (vgl. Piedro) wieder aufzunehmen.

Erbeten werden daher Abstracts einer Re-Lektüre von Günderrodes Werk von max. 1 A4-Seite, unter der Angabe, ob das Vortrags- oder das Paper-Format gewünscht wird. Ebenfalls mitgeschickt werden sollen kurze biographische Angaben.

Termin Abgabe Abstract (max. 1 Seite): 14. September 2020

Termin Abgabe Input-Paper (max. 10 Seiten): 1.12.2020

Workshop: 14./15. Januar 2021

Der Günderrode-Workshop bildet die Auftaktveranstaltung zu einer Reihe von Autorinnen-Workshops, die unter dem Namen Kalthiskos. Die Autorinnen der Romantik firmiert und zwei Mal jährlich an der GU Frankfurt stattfinden. Mit ihrem Titel nimmt die Workshop-Serie den antiken Korb (kalathiskos) als Sammelbehälter in seiner wörtlichen und sinnbildlichen Bedeutung auf und erinnert gleichzeitig an Sophie Mereaus gleichnamiges Zeitschriftenprojekt von 1801 und 1802. Zu den folgenden geplanten Autorinnen-Workshops zählen u.a. Sophie Mereau/Brentano; Rahel Varnhagen; Dorothea Veit/Schlegel; Caroline Schelling/Schlegel; Bettine von Arnim; Helmine von Chézy; Sophie Tieck-Knorring und Henriette Schubart.

Die Beiträge des Workshops zu Günderrode werden in der ab 2021 neu erscheinenden Reihe „Neue Romantikforschung“ bei Metzler (hg. v. Roland Borgards, Frederike Middelhoff und Martina Wernli) publiziert.

Reise- und Übernachtungskosten werden vorbehaltlich der Finanzierungszusage übernommen.

 

Organisation: Prof. Dr. Frederike Middelhoff, PD Dr. Martina Wernli, Goethe-Universität Frankfurt. https://romantikforschung.uni-frankfurt.de/

 

Kontakt: middelhoff@em.uni-frankfurt.de und wernli@lingua.uni-frankfurt.de


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu