CFP: Frist verlängert: "Diskurs – invektiv", Dresden (05.07.2020)

Simon Meier-Vieracker's picture

Diskurs – invektiv

9. Jahrestagung des Tagungsnetzwerks ‚Diskurs – interdisziplinär‘
Institut für Germanistik, TU Dresden
12. – 13. November 2020

Organisation: Heidrun Kämper, Simon Meier-Vieracker, Ingo H. Warnke

Hinweis: Wegen der derzeit nicht vorhersehbaren Entwicklungen der COVID19-Pandemie halten wir uns die Möglichkeit offen, die Tagung in einem noch genau festzulegenden Format digital auszutragen. Bitte rechnen Sie damit, dass wir Sie bitten werden, Ihren Vortrag als Video vorzuproduzieren oder über Videokonferenz zu halten. 

Phänomene der Ausgrenzung, der Herabwürdigung, der Diskriminierung und der verbalen Gewalt oder Aggression, die zusammenfassend auch als Phänomene des Invektiven bezeichnet werden können, sind analytische Gegenstände insbesondere der Kritischen Diskursanalyse. Analysen zu den diskursiven Formen, Bedingungen und Effekten etwa von Rassismus und Antisemitismus  haben zum disziplinären Profil einer macht- und gesellschaftskritisch positionierten linguistischen Diskursanalyse maßgeblich beigetragen und bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Zugleich lassen neuere Entwicklungen wie die vielfach diagnostizierte Verrohung und Brutalisierung des öffentlichen Diskurses etwa in den Sozialen Medien, das (Wieder)Erstarken rechter bis rechtsextremer Positionen in der Politik, aber auch die vielfach beobachtbaren gesellschaftlichen Reflexionen über herabwürdigendes Sprechen etwa in Debatten um Political Correctness und Hate Speech das Thema auf neue Art und Weise relevant werden. Damit verbunden ist nicht zuletzt die Aufgabe, invektive Akte auch unterhalb der Schwelle massen- oder sozialmedialer Thematisierung in den Blick zu nehmen.

Gerade diskursanalytische Ansätze besitzen Potenzial bei der Analyse von Phänomenen des Invektiven. Der für diskurslinguistische Zugriffe kennzeichnende Vorbehalt gegenüber Intentionen und dem je individuell Gemeinten als Analysekategorie ist auch für die Untersuchung etwa von Diskriminierungen instruktiv, die auch ohne Diskriminierungsabsicht ausgrenzend und herabsetzend wirken. In den Fokus rücken dann auch diskursiv-hegemonial etablierte Normalitätsvorstellungen und die sich daraus ergebenden strukturellen Privilegierungen, Marginalisierungen und Pejorisierungen. Als transtextuelle Sprachanalyse weitet die Diskursanalyse zudem stets den Blick von der einzelnen invektiven Äußerung auf umfassendere diskursive Ereignisse und Ensembles, so dass Phänomene des Invektiven als „relationales Geflecht von Zuschreibungen, Resonanzen und Anschlusskommunikationen sowie im Kontext ihrer sozialen, diskursiven und medialen Ermöglichungsbedingungen“ (Ellerbrock et al. 2017, S. 4) beschreibbar werden. Zugleich wird die einzelne invektive Äußerung durch Diskursanalyse in ihrer Abhängigkeit von gesellschaftlicher Normierung des Sprechens erkennbar, ohne dass damit die Verantwortung des Einzelnen aufgehoben wäre. Insbesondere Diskursstrukturen der Rekontextualisierung und damit zusammenhängende diskursive Zwecke oder Effekte des Invektiven etwa in Form metainvektiver Adressierung politischer Reden im öffentlichen Diskurs bis hin zu spielerischen Aneignungen und Rekontextualisierungen von Hate Speech in Sozialen Medien können schließlich diskursanalytisch erklärt werden.

Gegenstand der Tagung sollen deshalb sowohl diskursanalytische Perspektiven auf invektive Äußerungen und Praktiken sein als auch, in einem erweiterten Sinne, Diskurse, die Invektiven zum Gegenstand haben, sich an sie anschließen und auf verschiedenste Weisen metadiskursiv rahmen. Leitfragen können sein:

  • Welche Formen und Formate des Invektiven treten in bestimmten Diskurskonstellationen auf und welche diskursiven Effekte haben sie, sowohl auf Seiten der Produzierenden als auch der Rezipierenden?
  • In welchen Feldern, in denen diskursanalytische Zugänge etabliert sind, wie etwa der Politolinguistik oder den Gender Studies, werden Phänomene des Invektiven thematisiert und welche Analyseperspektiven ergeben sich dabei?
  • Welche historischen Kontextualisierungen müssen in diskursanalytischen Untersuchungen von Phänomenen des Invektiven Berücksichtigung finden? Erleben wir, bedingt etwa durch veränderte mediale Konstellationen, neue Formen und Funktionen des Invektiven und welche Vergleichsfolien bieten sich hier für die Analyse an?
  • In Anknüpfung an die während der 8. Jahrestagung aufgenommene Diskussion um eine Ethik des Diskurses: Welche (forschungs)ethischen Herausforderungen stellen sich einer diskursanalytischen Adressierung von Phänomenen des Invektiven?

Wir freuen uns auf Beiträge aus allen geisteswissenschaftlichen und verwandten Disziplinen wie Kultur-, Literatur-, Medienwissenschaft, Sozial- und Rechtswissenschaft, Politologie, Religion und Philosophie, Kunstgeschichte und Linguistik.

Bitte schicken Sie ein Abstract (200 bis 300 Wörter) sowie Angaben zur Affiliation mit Nennung ein bis dreier eigener Publikationen bis zum 5. Juli 2020 als PDF an
Michaela Schnick (michaela.schnick@tu-dresden.de)

Ausführlicher Call for Papers unter https://tu-dresden.de/gsw/slk/germanistik/al/ressourcen/dateien/dateien/Call_Diskurs_invektiv_verlaengert.pdf


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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