CFP: treibhaus 17 (2021): Heimat und Fremde (31.07.2020)

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Im 17. Band lädt treibhaus dazu ein, die Ursprünge des bis heute vielfach missbrauchten Begriffes ‚Heimat‘ zu ergründen. Das Themengebiet ist breit und facettenreich.

In der Nachkriegszeit ist ‚Heimat‘ kein Zufluchtsort mehr, ‚Vaterland‘ und ‚Muttersprache‘ sind kompromittiert. Die Literatur reagiert seismographisch; genannt seien nur einige Aspekte und Namen: Die ‚Trümmerliteratur‘ (Böll, Borchert) beschreibt den materiell und psychisch desolaten Zustand des Landes und seiner Menschen. Im Feuilleton etabliert sich mit Reiseimpressionen, häufig gewonnen auf Bahnhöfen, eine prägnante, kurzlebige Gattung (Andersch, Kolbenhoff, H.W. Richter). ‚Heimweh‘ stellt die Exilanten vor die Frage der Rückkehr in das Land, aus dem sie fliehen mußten. Wolfgang Koeppens Romantrilogie schreitet die Stationen der Entwicklung ab, von der Besatzungszeit (Tauben im Gras, 1951) über die Erfahrungen eines Remigranten in der Adenauer-Republik (Das Treibhaus, 1953) bis zur Verzweiflung ihrer entwurzelten Menschen vor der Kulisse der ‚ewigen‘ Stadt (Tod in Rom, 1954). Die Problematik ‚Heimkehrer‘ wie der Flüchtlinge und Vertriebenen, in der SBZ/DDR ‚Übersiedler‘ genannt, wird zum Dauerthema, besonders auch in der Kinder- und Jugendliteratur (Paul Alverdes, Ursula Bruns). Der Kalte Krieg und der damit verbundene Wettstreit um das bessere Deutschland schlagen zu Buche (Johnson, Christa Wolf), auch der prospektive Dritte Weltkrieg als Ende jeder Heimat wird zum Thema (Arno Schmidts Schwarze Spiegel, 1951, Die Gelehrtenrepublik, 1957). Im Westen, noch verstärkt durch die Dynamik des Wirtschaftswunders, schafft die Trivialliteratur die Illusion einer heilen Welt, und in nostalgischen Szenarien und Plots gelangt der ‚Heimatfilm‘ zu Blüte, der in Teilen noch auf Filmpläne aus der Zeit vor 1945 zurückgeht.

 

Erbeten werden Beiträge im Umfang von maximal 20 Seiten à 2800 Zeichen; Abgabe der Exposés bis Ende Juli 2020, Abgabe des Beitrags: 31.12.2020.

Zuschriften richten Sie bitte an die Herausgeber Günter Häntzschel, Sven Hanuschek, Ulrike Leuschner c/o Prof. Dr. Sven Hanuschek / Ludwig-Maximilians-Universität / Department für Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache / Schellingstr. 3 / 80799 München, oder an sven.hanuschek@lmu.de


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu