CFP: Workshop "Haskala in Breslau. Joel Bri’l Löwes Schulschriften im Kontext (1791–1801)", Berlin (1.7.2020)

Kathrin Wittler's picture

Interdisziplinärer Workshop

28.–29. Oktober 2020, Freie Universität Berlin

Organisation: Uta Lohmann (IGDJ Hamburg) und Kathrin Wittler (FU Berlin)

 

Die Haskala des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts war eine jüdische Aufklärungsbewegung, deren Vertreter in mehreren Zentren wirksam waren. Während die personellen und institutionellen Bedingungen der Berliner Haskala in den letzten Jahren eingehend erforscht worden sind, steht für ein anderes wichtiges Zentrum der jüdischen Aufklärung – Breslau – eine vergleichbare Rekonstruktionsarbeit noch aus. Dazu soll ein DFG-gefördertes Editionsprojekt beitragen.

Das Projekt rückt das Wirken des jüdischen Aufklärers Joel Löwe (hebr. Joel Bri’l, 1762–1802) ins Blickfeld. Löwe wurde 1790 zum Oberlehrer und Direktoriumsmitglied der neugegründeten jüdischen Friedrich-Wilhelms-Schule in Breslau berufen und nahm in den folgenden Jahren maßgeblichen Einfluss auf den aufklärerischen Diskurs und das gesellige Leben vor Ort. Beabsichtigt ist eine Edition der zwischen 1791 und 1800 publizierten Programmschriften der Wilhelms-Schule und weiterer Texte Löwes aus seiner Breslauer Zeit. Mit der Edition dieser Schriften wird ein wichtiger Teil des Werks einer zentralen Figur der jüdischen Aufklärung erstmals erschlossen. Darüber hinaus verspricht das Projekt neue Einsichten in den ideen-, sprach-, kultur-, wissens- und sozialgeschichtlichen Kontext des ersten Dezenniums der Wilhelms-Schule, die als zweite moderne Erziehungsinstitution der Haskala in Preußen – nach der Berliner jüdischen Freischule – von großer Bedeutung für die deutsch-jüdische Bildungsgeschichte war.

Im Rahmen des Editionsprojekts findet am 28. und 29. Oktober 2020 ein interdisziplinärer Workshop an der Freien Universität Berlin statt, der Expertinnen und Experten aus den Geschichts-, Erziehungs-, Religions-, Kultur-, Sprach-, Literaturwissenschaften miteinander ins Gespräch bringen soll. Zur Diskussion stehen unter anderem folgende Aspekte, die eng mit Joel Löwes Leben und Wirken und der Wilhelmsschule in Breslau verbunden sind:

 

1. Die jüdische Gemeinde in Breslau im ausgehenden 18. Jahrhundert

  • Soziale und rechtliche Situation der Breslauer Juden seit 1786
  • Minderheiten- und Religionspolitik in Schlesien, bes. in Breslau
  • Trägerschicht der Haskala in Breslau, z.B. jüdische Ärzte, Lehrer, Kaufleute
  • Fortsetzung des Streits um die frühe Beerdigung in Breslau, 1793–1798

 

2. Geschichte Breslaus im ausgehenden 18. Jahrhundert

  • Konfessionelle Prägung, Vielfalt und Konflikte
  • (Jüdisches) Schulwesen und Bildungsgeschichte in Schlesien, bes. in Breslau
  • Höheres Bildungswesen
  • Verlagswesen, bes. die Graßsche Buchdruckerei
  • Aufklärerische Gesellschaften
  • historische Persönlichkeiten und ihre geselligen Zirkel (Samuel Gottlieb Bürde, Nathan Friedländer, Georg Gustav Fülleborn, Christian Garve, Ludwig Friedrich Gottlob Ernst Gedike, Moses Hirschel, Georg Heinrich von Hoym, Karl Gotthelf Lessing, Johann Ephraim Scheibel, Johann Gottlieb Schummel, Friedrich Albert Zimmermann u.a.)

 

3. Löwes Gelehrsamkeit im wissenschaftsgeschichtlichen Kontext

  • (Jüdische und nichtjüdische) Bibelübersetzung, Bibelauslegung und Bibelkritik
  • Johann Gottfried Eichhorn als Theologe im Austausch mit Löwe
  • Deutsche und hebräische Grammatik, Sprachforschung, Sprachpurismus
  • Löwe im Austausch mit Pädagogen und Sprachforschern, z.B. mit Joachim Heinrich Campe
  • (Jüdische) Kant-Rezeption

 

4. Haskala in Breslau

  • Breslauer jüdische Aufklärungsgesellschaften, bes. die Gesellschaft der Brüder
  • Esther Gad als Repräsentantin der Haskala in Breslau
  • Publikations- und Kommunikationsmedien (Schulprogrammschriften, Zeitschriften, didaktische und pädagogische Literatur, Fabeln, Briefe)
  • Festkulturen und öffentliche Vortragsformen (Eröffnungs- und Jahresfeiern, musikalische und andere Aufführungen, Vorlesungen)

 

Der Workshop wird in den einzelnen thematischen Sektionen nach jeweils kurzen Materialpräsentationen vor allem Raum für eingehende Diskussionen bieten. Ein Reader mit Texten Löwes wird vorab bereitgestellt.

Wir laden interessierte Kolleginnen und Kollegen herzlich zur Teilnahme am geplanten Workshop ein. Drei Teilnahmeformen sind möglich: Sie können sich mit Ihrer Expertise in die Diskussion einbringen (Diskussionsteilnahme), die Moderation einer Diskussionseinheit übernehmen (Moderation) oder eine Materialpräsentation (Kurzvortrag) anbieten. Eine Erstattung Ihrer Reise- und Unterbringungskosten ist bei Bedarf möglich. Der Termin des Workshops ist vorbehaltlich der weiteren Entwicklung der Corona-Krise und wird ggf. noch in Absprache mit den Teilnehmenden verschoben.

Bitte melden Sie sich bis zum 1. Juli 2020 mit Ihrer Interessenbekundung per E-Mail bei Uta Lohmann (E-Mail: uta.lohmann[at]uni-hamburg.de) und Kathrin Wittler (E-Mail: kathrin.wittler[at]fu-berlin.de). Teilen Sie uns dabei bitte mit, in welcher Form (Diskussionsteilnahme, Moderation oder Kurzvortrag) Sie teilnehmen möchten und zu welchem Aspekt aus dem Themenfeld ‚Joel Löwe und die Haskala in Breslau‘ Sie Wissen einbringen können und wollen. Wir freuen uns auf interessierte Rückmeldungen aus allen relevanten Disziplinen!

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu