KONF [KORREKTUR Tagungstermin]: Liebe & Ökonomie. Literarische Aushandlungen, Klagenfurt (12.-14.11.2020)

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Liebe & Ökonomie. Literarische Aushandlungen

Liebe hat Konjunktur – nicht nur als romantisches Ideal oder soziale Norm, die unsere privatesten zwischenmenschlichen Beziehungen reguliert, nicht nur als beständig vermarktetes Versprechen auf ein geglücktes Leben, sondern auch als Gegenstand philosophischer sowie kultur- und sozialwissenschaftlicher Reflexion. Von Alain Badious „Lob der Liebe“ bis zu Slavoj Zizeks „love is evil“, von der Poetik der Liebe bis zu ihrer Soziologie verdankt die Interdependenz zwischen Liebe und Ökonomie ihre besondere Aktualität nicht zuletzt der Tatsache, dass die „wechselseitige Durchdringung von Kapitalismus, Sexualität, Geschlechterverhältnissen und Technologie“ unter den Bedingungen der „hypervernetzten Moderne“ (Eva Illouz) besonders deutlich zu Tage tritt. Seit Niklas Luhmann, der die These formuliert hat, dass die Liebe eine Erfindung der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts gewesen sei, die unsere „westlichen“ Vorstellungen von Sexualität und Lust, Beziehung und Familie präge, stützt sich gerade die Soziologie der Liebe immer wieder auch auf die Literatur; etwa, um die Historizität ihres Gegenstands zu veranschaulichen oder um zu zeigen, dass das Konzept der romantischen Liebe keine besondere anthropologische Plausibilität besitze.

Ausgehend von der Beobachtung, dass sich literarische Texte nicht in der Affirmation oder Subversion bestehender gesellschaftlicher und diskursiver Ordnungen erschöpfen, sondern ebendiese Ordnungen auch selbst stiften, stabilisieren oder dekonstruieren können, soll im Rahmen der hier ausgeschriebenen Tagung eine literaturwissenschaftliche Revision der spannungsreichen Konstellation Liebe & Ökonomie unternommen werden. Dabei schließen wir an Arbeiten u.a. von Joseph Vogl (Kalkül und Leidenschaft. Poetik des ökonomischen Menschen, 2002), Franziska Schößler (Femina Oeconomica. Arbeit, Konsum und Geschlecht in der Literatur, 2017) und Annemarie Opp (Liebe und Konsum. Ästhetik und Poetik eines Zusammenhangs, 2019) an und fragen: Welche ästhetischen und politischen Potenziale entfalten sich in fiktionalen Ausgestaltungen des Spannungsfelds Liebe & Ökonomie? Wie konstruiert und hierarchisiert oder dynamisiert die Literatur jene Oppositionen – Kalkül und Leidenschaft, Sparsamkeit und Opulenz, Nüchternheit und Rausch, Sicherheit und Freiheit –, die Liebe und Ökonomie gleichermaßen strukturieren? Welche Nuancierungen, Verflechtungen, Widersprüche oder historischen (Dis-)Kontinuitäten werden in Texten lesbar, die sich in dieses Spannungsverhältnis eingeschrieben haben?

Um Beitragsvorschläge zu (u.a.) folgenden Fragestellungen und Themenkomplexen wird gebeten:

  • Relektüren und Close Reading von „klassischen“ und zeitgenössischen (auch populären) Texten
  • gattungs, genre- oder motivbezogene Perspektiven - Fragen der Alterität und Diversität (Liebeskonzepte im historischen Wandel oder ihrer kulturellen Andersartigkeit)
  • gendertheoretische Perspektiven (bspw. im Verbund mit sozioökonomischen Zugängen)
  • Verhandlungen von Moral dies und jenseits des Ideals bedingungsloser Liebe und der Konstellationen Partnerschaft/Ehe/Familie
  • Textstrategien im Spannungsfeld von ästhetischer und sozialer Ordnung (narrative bzw. sprachlichrhetorische Ökonomien…)

Vorbehaltlich der Mittelzusage können Reise- und Übernachtungskosten übernommen werden. Eine Publikation der Beiträge in einem Sammelband ist geplant.

Bitte senden Sie Ihr Abstract (max. 1 Seite/300 Wörter) für einen Vortrag (20 min.) sowie eine Kurzbiografie bis zum 30.04.2020 an: Viktoria.Walter@aau.at

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu